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Es ist ein sensibles Thema, und die Meinungen dazu gehen weit auseinander: Sollen Ärzte zum Beispiel auf ihrer Homepage offen über Abtreibungen informieren dürfen oder nicht? Bislang ist dies gesetzlich verboten (§ 219a Strafgesetzbuch). Abgeordnete von Linkspartei, SPD, Grünen und der FDP wollen dies ändern, Lebensrechtler und der Evangelische Arbeitskreis der CDU sind dagegen. Ein Überblick.
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Anlass der aktuellen Debatte ist die Verurteilung der Gießener Ärztin Kristina Hänel, die auf der Internetseite ihrer Praxis über Abtreibungen informiert hatte und dafür auf der Grundlage des § 219a zu einer Geldstrafe in Höhe von 6.000 Euro verurteilt worden war. Hänel hat nun heute vor dem Reichstagsgebäude in Berlin Vertretern verschiedener Parteien eine Petition mit 150.000 Unterschrift überreicht, in der die Abschaffung des betreffenden Paragrafen gefordert wird. Ärztinnen und Ärzte müssten die Freiheit haben, über Schwangerschaftsabbrüche sachlich und fachlich informieren zu können, sagte die die Frauenpolitikerin der Grünen-Fraktion, Ulle Schauws, anlässlich der Übergabe. Es sei jetzt an den Abgeordneten des Bundestags, für rechtliche Klarheit zu sorgen. Ärzte würden sonst „kriminalisiert“, die Versorgung der Frauen gerade in ländlichen Gebieten schon heute nicht mehr ausreichend.

Hänel selbst berät in ihrer sexualtherapeutischen Arbeit nach eigener Aussage oft Paare, die ungewollt kinderlos bleiben. Außerdem betreut sie ein Projekt für missbrauchte Kinder. Sie wehrt sich gegen die Kritik von Lebensschützern. Sie sei „aus tiefster Seele Ärztin“, sagt sie gegenüber dem Tagesspiegel. „Ich rette im Rettungsdienst Leben, ich arbeite mit Menschen, die als Kinder an Heizkörper gefesselt wurden. Und da reden die davon, ich würde ungeborene Kinder töten? Wissen die überhaupt, was das mit mir macht?“

„Ethisch hoch problematisch“

Eine Gruppe des Bundesverbands Lebenrecht war bei der Übergabe der Petition ebenfalls anwesend. Sie starteten zeitgleich ihre Kampagne „Keine Werbung für Abtreibung“. Sie werben auf Plakaten mit Aufschriften wie „Hilfe für Frauen statt Werbung für Abtreibung“ und „Paragraf 219a schützt Frauen und Kinder“ für ihre Position. Für schwangere Frauen würde sich durch die Streichung von Paragraf 219 a nichts zum Besseren wenden, heißt es in einer Erklärung. Während sie heute schon bei einer ordentlichen Beratung alle notwendigen und von ihnen gewünschten Informationen erhaielten könnten sie zukünftig bei Broschüren und Webseiten von Medizinern nicht sicher sein, ob es sich um seriöse Informationen oder vorrangige Verdienst­absicht mit entsprechend gestalteter Werbung handele.

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Ähnlich argumentierte der Bundesvorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CDU/CSU, Thomas Rachel. Er erklärte, eine Streichung des Parafgrafeb 219a sei „ethisch hoch problematisch“. Das Werbeverbot gehöre zum Schutzkonzept für das ungeborene Leben. Der EAK-Vorsitzende verwies auf die unabhängigen Beratungsstellen für Frauen in Schwangerschaftskonflikten. Sie erhielten dort alle notwendigen medizinische Informationen und Hilfsangebote. Rachel warnte vor einem erneuten Streit um das Abtreibungsrecht. Die gesetzlichen Regelungen zum Schwangerschaftsabbruch seien durch mühsame Kompromisse errungen worden.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hatte bereits in der vergangenen Woche dazu aufgerufen, am Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche festzuhalten. „In der aktuellen Debatte über den Paragraf 219a des Strafgesetzbuchs wird so getan, als gäbe es ein Recht auf Schwangerschaftsabbruch und als sei Abtreibung eine medizinische Dienstleistung wie jede andere“, sagte ZdK-Präsident Thomas Sternberg. „Ein Blick in das Gesetz stellt klar, dass das ganz und gar nicht so ist.“

genau diese Debatte könnte jedoch nun wieder aufflammen. Schließlich sind sowohl Befürworter als auch Gegner des Schwangerschaftsabbruchs mit der geltenden Rechtslage unzufrieden. Befürworter kritisieren, dass Abtreibungen nach wie vor „strafbar“ sind und lediglich im Rahmen einer Frist und erfolgter Beratung „straffrei“ bleiben. Damit könnten sie auch nicht Teil der ärztlichen Ausbildung sein, argumentieren sie. Auch die Weitergabe von Lehrmaterial sei für Ärzte rechtlich problematisch. Viele Ärzte seien aus Angst vor Strafverfolgung eingeschüchtert.

Abtreibungsgegner wünschen sich dagegen eine striktere Regelung, denn trotz des Paragrafen 218 existiere in Deutschland gefühlt schon längst ein „Recht“ auf Abtreibung, argumentieren sie.

Link: Paragraf 219a

9 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Deutschland braucht Kinder, es heißt immer wir sind eine alternde Generation, wir brauchen Nachwuchs
    und keine Abtreibungen

    • Abtreibung ist keine Lösung. Ich würde es nicht mit dem Thema „alternde Gesellschaft“ ideologisch vermischen. Abtreibung Ist ganz schlicht nicht auf der Spur der Liebe, da sind wir als Nachfolger für Jesu gefordert auch niederschwellige Alternativen für Überforderte aufzuzeigen.

  2. Eine Abtreibung ist immer die Tötung von menschlichem Leben und das ist Grund genug für eine Werbeverbot.
    Ist ist ja leider so das man sich in de Gesellschaft mehr Gedanken über Tiere macht, als über Babys und während man von Petra schlimmste Bilder präsentiert bekommt, ist es verboten allzu offen über Abtreibung zu reden. Alleine der Satz „Abtreibung ist die Tötung von menschlichem Leben“ führt in den meistem Kommentarberiechen von Zeitungen zu löschung des Kommentars.
    Deshalb meine Frage: Wenn man nicht offen über Abtreibung reden darf, warum sollte man dann offen werben dürfen?

  3. Gott ist der Schöpfer des Lebens und wird dürfen ihm nicht ins Handwerk pfuschen.
    Wenn keine komplizierten Gesundheitsprobleme mit der Schwangerschaft verbunden sind verbietet sich für mich als Christ jede Abtreibung.

  4. Die Befürworter der Reform stellen das Recht auf Information in den Vordergrund, Sollte nicht als Erstes das Recht des Vaters gelten, über den Eingriff gegen das Leben seines Kindes zu erfahren? Ein Drittel der Schwangerschaftsabbrüche finden innerhalb ehelichen Verhältnissen statt. Verdeutlicht Frau Dr. Hänel auf Ihrer Internetseite, dass sie die betroffenen Väter von der neuen Informationsfreizügigkeit „natürlich“ weiterhin ausschließen?

  5. Ist ein Werben für Abtreibungen nicht eine Werbung für öffentlichen Mord? Mögen viele Menschen mit einem gesunden Menschenverstand das verhindern! Klaus Püplichhuisen

  6. Der Gott der Bibel sagt, wir können wählen zwischen Segen und Fluch! Mit Abtreibung wählt eine Nation, der Bundestag, und jeder Einzelne den Fluch.
    Die Menschen brauchen wieder Ehrfurcht vor dem allmächtigen Gott, der seinen Sohn nicht geschont hat, um alle Menschen Juden und Heiden zu retten, die an IHN glauben. Jesus ist Sieger!

  7. Werbung für Abtreibung sollte verboten bleiben. Dieses Werbeverbot sollte aber auch für andere medizinische Dienstleistungen, z. B. Schönheitsoperationen, ausgeweitet werden. Informationen von Ärzten über Abtreibung ist aber etwas ganz anderes. Wenn also eine Ärztin auf Ihrer Homepage informiert, ist das für mich keine Werbung.

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