Nahost-Reise: Papst Benedikt XVI. verurteilt in Israel neuen Antisemitismus
Zum Auftakt seines Besuchs in Israel hat Papst Benedikt XVI. jede Form von Antisemitismus verurteilt. Dieser zeige «sein hässliches Gesicht weiterhin in vielen Regionen der Welt», beklagte das 82-jährige Kirchenoberhaupt am Montag bei der Ankunft auf dem Ben-Gurion-Flughafen von Tel Aviv. Es müsse alles unternommen werden, um Judenfeindschaft zu bekämpfen. Der israelische Präsident Shimon Peres begrüßte das Kirchenoberhaupt auf Hebräisch, Latein und Englisch. Der Papst erinnerte an das tragische Schicksal des jüdischen Volkes. Er werde die Gelegenheit haben, der sechs Millionen jüdischen Opfer des Holocausts zu gedenken «und zu beten, dass die Menschheit niemals mehr Zeuge eines Verbrechens dieser Größenordnung sein wird», sagte Benedikt. Er wollte am Montagnachmittag in der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem in Jerusalem einen Kranz niederlegen und eine mit Spannung erwartete Ansprache halten. Angesichts des stockenden Friedensprozesses zwischen Israelis und Palästinensern äußerte der Papst die Hoffnung, dass beide Parteien rasch ein «Klima größeren Vertrauens» herstellen. An die christliche Minderheit in Israel appellierte er, sich aktiv an den Bemühungen um Frieden zwischen Israelis und Palästinensern zu beteiligen. Gleichzeitig äußerte er die Hoffnung, dass Juden, Christen und Muslime freien Zugang zu allen heiligen Stätten und religiösen Feiern in Jerusalem erhalten. Benedikt wurde auf dem Flughaben von Peres und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit militärischen Ehren empfangen. In Jerusalem war am Nachmittag ein Höflichkeitsbesuch bei Peres vorgesehen.
Der Besuch Benedikts im Heiligen Land ist nach Ansicht von Erzbischof Robert Zollitsch von der Botschaft des Friedens bestimmt. Versöhnung sei in dieser Region, in der Christentum, Judentum und Islam ihren Ursprungsort haben und es viele kriegerische Konflikte gab, besonders notwendig, sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz in einem epd-Gespräch. Zollitsch: «Er kommt als jemand, der Brücken bauen und zusammenführen möchte.» Zum Abschluss seines Jordanien-Besuchs am Morgen hatte Papst Benedikt XVI. dem jordanischen König Abdullah II. für seinen Einsatz für den Frieden in Nahost gedankt. Vor dem Abflug rief er Christen und Muslime auf, «auf dem festen Fundament der religiösen Toleranz zu bauen, das es den Mitgliedern verschiedener Gemeinschaften erlaubt, miteinander in Frieden und in gegenseitiger Achtung zu leben».
Zentralrat der Juden: Papst soll sich in Israel zu Williamson äußern
Der Zentralrat der Juden in Deutschland erwartet von Papst Benedikt XVI. bei seinem an diesem Montag beginnenden Besuch in Israel ein klares Wort der Entschuldigung. Spätestens in der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem werde «ihm gar nichts übrig bleiben, als sich noch einmal zur Pius-Bruderschaft und zum Bischof Williamson zu äußern», sagte der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» (Montagausgabe). Hintergrund ist das Bemühen um eine Wiedereingliederung der ultrakonservativen Pius-Bruderschaft in die römische Kirche. Im Januar hatte der Vatikan die Exkommunikation des britischen Traditionalistenbischofs Richard Williamson und weiterer Bischöfe aufgehoben, obwohl Williamson kurz zuvor in einem TV-Interview den Holocaust geleugnet hatte. Der Papst hatte im März in einer Stellungnahme selbst Pannen im Umgang mit der Pius-Bruderschaft eingeräumt. Kramer fügte nach Angaben der WAZ hinzu, er hielte es auch für eine «schöne Geste», wenn der Papst sich «einmal für die jahrhundertelange Verfolgung der Juden entschuldigen würde». Benedikt verkenne die Lage, wenn er sich auf einer «Pilgerreise» wähne. Es gelte vielmehr «politische Signale zu setzen, die uns Zuversicht vermitteln». Benedikt agiere beim Holocaust-Gedenken generell allzu nüchtern, so Kramer weiter. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Johannes Paul II., für den dies eine «Herzensangelegenheit» gewesen sei, habe Benedikt etwa bei seinem Auschwitz-Besuch den Eindruck vermittelt, ein «Pflichtprogramms» zu absolvieren.
Köln: Friedlicher Protest gegen rechtspopulistischen Kongress
In Köln haben am Wochenende mehrere tausend Menschen friedlich gegen einen «Anti-Islamisierungskongress» rechtspopulistischer Gruppierungen demonstriert. Zu den Protesten hatte das Aktionsbündnis «Köln stellt sich quer» aufgerufen, dem Parteien, Gewerkschaften und Kirchen angehören. Der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) sagte, Köln sei weltoffen und tolerant. Hier sei kein Platz für ausländerfeindliche Hetze. Bei den insgesamt acht Demonstrationen und Kundgebungen waren in der Domstadt mehr als 5.000 Polizisten im Einsatz um Ausschreitungen zuverhindern. Bis auf kleinere Handgreiflichkeiten seien die Demonstrationen ohne Gewalt verlaufen, hieß es. Weniger als 200 Anhänger der rechtsgerichteten Bewegungen «pro Köln» und «pro NRW» hatten sich am Samstag auf dem Barmer Platz in Köln-Deutz zu ihrem Kongress versammelt. Die vom nordrhein-westfälischen Verfassungsschutz beobachteten Organisationen warnten vor einer «schleichenden Islamisierung Deutschlands». Ein erster «Anti-Islamisierungskongress» war im vergangenen September nach gewalttätigen Protesten von der Polizei gestoppt worden. «Wir rufen den Rechtsradikalen zu: Wir wollen Euch nicht», sagte Oberbürgermeister Schramma bei einer Kundgebung. In Köln sei weder Platz für rechtsextremistisches Gedankengut noch für autonome Gewalttäter. Der Grünen-Politiker Reinhard Bütikofer würdigte den Einsatz der Kölner gegen Rechts: «Demokraten stehen zuammen gegen Rechtsradikalismus, Rassismus und Hetze». Der stellvertretende Kölner Stadtsuperintendent Markus Zimmermann forderte dazu auf, den Rechtsradikalismus zu stoppen, dessenGedankengut sich gegen jüdische wie christliche und muslimische Religionen richte. Der Zentralrat der Muslime hatte die Kölner Muslime aufgerufen, sich an den Protestveranstaltungen zu beteiligen, um «klar Flagge gegen Rechts in unserer Stadt zu zeigen». Nach Gerichtsentscheidungen durften die rechten Gruppierungen ihre Hauptkundgebung nicht wie geplant am Dom abhalten und auch keinen Zug zur Baustelle einer Moschee im Stadtteil Ehrenfeld veranstalten.
Bereits am Freitag hatten im Großraum Köln hunderte Bürger gegen den Kongress der Rechtspopulisten demonstriert. Für den Sonntag hat «pro NRW» nach Polizeiangaben zu einer Kundgebung in Bergheim aufgerufen. In Köln findet das Konzert «Rock gegen Rechts» statt.
Benedikt besucht Moschee: Stimme der Religion darf nicht verstummen
Papst Benedikt XVI. hat am Samstag die Al-Hussein-Bin-Talal-Moschee von Amman besucht.
Papst in Jordanien: Gewalt und Konflikt zwischen Westen und Islam nicht...
Papst Benedikt XVI. hat am Freitag seine erste Nahostreise in Jordanien begonnen. «Der Dialog mit Juden und Muslimen muss trotz unvermeidlicher Missverständnisse weitergeführt werden», sagte er vor Journalisten auf dem Flug nach Amman. Jordanische Friedensinitiativen hätten die Ansicht, zwischen dem Westen und dem Islam seien «Gewalt und Konflikt unausweichlich, widerlegt», betonte er bei seiner Ankunft. Neue Kirchenbauten in Jordanien bezeichnete das Kirchenoberhaupt als «Zeichen des Respekts dieses Landes vor der Religion». Im Namen der Katholiken wolle er «Dankbarkeit für diese Öffnung ausdrücken.» Religionsfreiheit gehöre zu den unveräußerlichen Menschenrechten, die nicht nur im Nahen Osten verteidigt werden müssten. Benedikt äußerte «tiefen Respekt» vor dem Islam. Er würdigte den Einsatz des jordanischen Königshauses für Dialog zwischen den Religionen. In Anwesenheit des Königs Abdullah II. und seiner Frau Rania erinnerte er zudem an die Flüchtlinge, die nach dem jüngsten Irakkrieg in Jordanien Aufnahme gefunden hätten, darunter zahlreiche Christen. Der jordanische König bat dasKirchenoberhaupt um Unterstützung bei seinen Bemühungen um Vermittlung im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Eine Verhandlungslösung müsse «ein Ende der Besatzung und des Leidens» der Palästinenser bedeuten. Die Angehörigen der drei großen Weltreligionen müssten gemeinsam den Schutz der heiligen Stätten in Jerusalem garantieren, sagte Abdullah bei der Ankunft des Papstes.
Bei einem Besuch im katholischen Behindertenzentrum «Regina Pacis» in Amman erklärte Benedikt anschließend, er komme, um «für das wertvolle Geschenk des Friedens in Jerusalem, im Heiligen Land und der Region zu beten». Der von der Reise sichtlich angestrengte Papst äußerte die Überzeugung, dass «durch Zynismus, Ungerechtigkeit und mangelnden Willen zur Vergebung verhärtete Herzen immer für eine neue Vision des Friedens geöffnet werden können».
Für den späten Nachmittag stand ein Höflichkeitsbesuch beim Königspaar auf dem Programm des Papstes. Am Samstag will Benedikt in Amman zum zweiten Mal in seiner Amtszeit eine Moschee besuchen. Bevor er am Montag nach Israel weiterreist, wird er zudem die Moses-Gedenkkirche auf dem Berg Nebo besichtigen und die Grundsteine der ersten katholischen Universität des Landes in Madaba und zweier Kirchen an dem Ort weihen, an dem Johannes der biblischen Überlieferung nach Jesus getauft hat.
Zu den Höhepunkten der achttägigen Reise nach Jordanien, Israel und die Palästinensergebiete gehören eine Papstansprache in der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem und ein Gebet an der Klagemauer in Jerusalem. In Bethlehem will das Kirchenoberhaupt mit dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas zusammentreffen und ein Flüchtlingslager besuchen und eine große Open-Air-Messe feiern.
Atheismus-Kampagne: „Heidenspaß-Festival“ gegen Kirchentags-Subventionierung
Wenn in knapp zwei Wochen der 32. Deutsche Evangelische Kirchentag in Bremen ausgerichtet wird, freuen sich nicht alle Bremer darüber.
Katholische Kirche: Kardinal Lehmann betont Gemeinsamkeiten mit dem ZdK
Der langjährige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, bemüht sich im derzeitigen Konflikt zwischen der Bischofskonferenz und dem Zentralrat der Katholiken um versöhnliche Töne.
Bischof Huber: Mehr Bildungsgerechtigkeit an evangelischen Schulen
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, hat einen stärkeren Einsatz für Chancengleichheit an evangelischen Schulen gefordert. «Gerechtigkeit ist das wichtigste Merkmal von Schulen, die christlichen Maßstäben verpflichtet sind», sagte er am Donnerstag in Halle. Dort nahm der Berliner Bischof am zweiten Kongress evangelischer Schulen in Mitteldeutschland teil. Bei dem eintägigen Treffen in der Saalestadt haben Schulleiter, Lehrer und Eltern evangelischer Schulen aus dem Bereich der mitteldeutschen Kirche unter dem Motto «Schule schafft Chancen» über aktuelle Herausforderungen für Schulen in freier Trägerschaft diskutiert. Eine evangelische Schule sei eine Schule, die einen Raum der Wertschätzung als «Boden der Gerechtigkeit» darstelle, sagte Huber. Dazu gehöre bei christlichen Schulen eine Überwindung des verengten Leistungsbegriffs. «Wir dürfen den Menschen gerade in der derzeitigen Krise nicht als Mittel zum Zweck gesellschaftlicher Nützlichkeit sehen, sondern müssen Respekt vor seiner Würde zeigen». Durch die besondere Stärke evangelischer Schulen bei der individuellen Förderung jedes Schülers trügen sie zu Bildungsgerechtigkeit bei. Genauso ungerecht wie der Ausschluss gesellschaftlicher Gruppen von Bildung sei ein Bildungssystem, das nur Wissen und nicht gleichzeitig gesellschaftliche Orientierungsfähigkeiten vermittle. «Evangelische Schulen müssen darauf zielen, dass sich Menschen in dieser Welt zurechtfinden», erklärte der EKD-Ratsvorsitzende. Künftige Aufgabe des evangelischen Bildungswesens müsse die Auseinandersetzung mit Schulformen und -strukturen sein, forderte Huber. Es gelte, neben dem Bekenntnis zur Ganztagsschule als Möglichkeit zur Überwindung von Bildungsunterschieden auch danach zu fragen, welche evangelischen Schulen man in Zukunft gründen wolle und solle. In den zuständigen Gremien der EKD laufe beispielsweise derzeit eine Diskussion zu der Frage, ob ein zwei- oder dreigliedriges Bildungssystem das richtige sei, um Bildungsgerechtigkeit zu schaffen, fügte der Berliner Bischof hinzu.
Umstrittenen Kondom-Äußerungen: EU-Parlament verzichtet auf Kritik an Papst Benedikt XVI.
Das EU-Parlament verzichtet darauf, Papst Benedikt XVI. wegen seiner umstrittenen Kondom-Äußerungen in seinem diesjährigen Menschenrechtsbericht zu verurteilen. Die Europaabgeordneten wiesen mit knapper Mehrheit am Donnerstag in Straßburg einen entsprechenden Antrag der Liberalen-Fraktion ab. Die Fraktion wollte den Papst dafür kritisieren, dass er sich während seiner Afrika-Reise gegen den Gebrauch von Kondomen gewandt und die Präservative sogar mit einer erhöhten HIV-Ansteckungsgefahr in Zusammenhang gebracht habe. Äußerungen solcher Art stellten «ein ernsthaftes Hindernis für die Bekämpfung von HIV/Aids» dar und seien zu verurteilen, hieß es in der fraglichen Passage. Die Parlamentarier entschieden aber mit 253 zu 199 Stimmen und 61 Enthaltungen, die Kritik am Papst nicht in den Menschenrechtsbericht aufzunehmen. In dem Dokument würden ansonsten «nur Diktatoren, Folterer und andere Menschenrechtsverletzer» kritisiert, erläuterte der CSU-Abgeordnete Bernd Posselt. Er sprach von einer «skandalösen Attacke auf die bedeutendste moralische Autorität unserer Tage». In Belgien hatte das Parlament Anfang April in einer Entschließung die Aussagen des Kirchenoberhauptes über Kondome auf seiner Afrikareise als «inakzeptabel» gerügt. Der Vatikan wies den vom belgischen Botschafter vorgetragenen Protest entschieden zurück.
Mach mal Sonntag: Verein „Andere Zeiten“ startet bundesweite Kampagne
«Mach mal Sonntag» lautet das Motto einer bundesweiten Plakat- und Postkarten-Aktion, die der ökumenische Hamburger Verein «Andere Zeiten» am Donnerstag gestartet hat.
