Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat Verständnis für die Exkommunikation der österreichischen Kirchenkritikerin Martha Heizer.

Es sei "nicht korrekt", dass sie privat und ohne Priester die Eucharistie gefeiert habe, sagte Vizepräsident Thies Gundlach vom EKD-Kirchenamt der "Zeit"-Beilage "Christ & Welt". Dies sei in keiner katholischen Kirche der Welt möglich. Bei den Protestanten wäre Heizers Handeln "auf andere Weise" ebenfalls nicht in Ordnung.

 Die Vorsitzende der Bewegung "Wir sind Kirche" in Österreich war in der vergangenen Woche exkommuniziert worden. Hintergrund sind Privatgottesdienste ohne Priester, die Heizer in ihrem Haus in Absam in Tirol veranstaltete. Die Exkommunikation betrifft auch Heizers Mann Gert. Beide dürfen keine Sakramente mehr empfangen oder kirchliche Ämter ausüben.

 Erschwerend kommt nach Ansicht von Gundlach hinzu, dass Heizer als Vorsitzende der Reformgruppe amtiere. Damit verbinde sich die Regelverletzung mit dem Anspruch der Gruppe, "mitzubestimmen, was Kirche ausmacht, bis hin zu dem Anklang, die eigentliche Kirche zu sein". Dies mache den Regelverstoß nicht richtiger, und es schwäche die Gruppe.

 Bei den Sakramenten sei immer die "Gemeinschaft der Glaubenden" und damit die Kirche im Spiel, sagte Gundlach mit Blick auf private Abendmahls- und Tauffeiern. "Es kommt darauf an, dass eine von der Gemeinschaft der Glaubenden berufene Person, die Sakramente Taufe und Abendmahl, ordnungsgemäß einsetzt", argumentierte der Theologe.

 Die evangelische Kirche würde allerdings nach Einschätzung des EKD-Vizepräsidenten bei Verstößen keine Exkommunikation aussprechen und damit die härteste Kirchenstrafe verhängen. "Auch wir würden das Gespräch suchen und wahrscheinlich länger im Dialog bleiben, wenn jemand einen Regelbruch gegen alle Verabredungen inszeniert", argumentierte Gundlach.

 In diesem Zusammenhang verwies der EKD-Theologe auf den Fall eines evangelischen Pfarrers in Bayern, der das Abendmahl einer Frau gereicht hatte, die aus der Kirche ausgetreten war. Die bayerische Landeskirche hatte ein von dem Geistlichen gegen sich selbst beantragtes Disziplinarverfahren abgelehnt. "Die Kirchenleitung hat klug entschieden, sich vor keinen Skandalisierungskarren spannen zu lassen," sagte Gundlach.

 Das Verfahren gegen die Heizers lief bereits seit 2011. In der vergangenen Woche weigerte sich das Ehepaar, das Exkommunikationsdekret vom zuständigen Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer anzunehmen. Nach kirchlicher Auffassung ist das Nachahmen einer Eucharistiefeier ohne Geistlichen ein schweres Vergehen. In der Eucharistie werden nach katholischem Verständnis Brot und Wein in Leib und Blut Christi verwandelt.

(Quelle: epd)