Aus Sicht des hannoverschen Landesbischofs Ralf Meister hat der Mensch ein Recht auf Selbsttötung. Geschäftsmäßige Sterbehilfe lehne er jedoch ab, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Montag).

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In der Debatte um eine Neuregelung der Sterbehilfe in Deutschland äußerte der Theologe Zweifel, ob ein Gesetz das eindeutig definieren könne. „Denkbar wäre so etwas wie eine Beratungspflicht, wenn möglich zusammen mit Angehörigen und Ärzten“, sagte Meister. „Wir sollten alle Möglichkeiten eröffnen, dass ein Leben bis zum letzten Atemzug lebenswert bleibt“, forderte der hannoversche Landesbischof. Zugleich sei Respekt vor jenen gefordert, die den Zeitpunkt ihres Todes selbst wählen wollen und um angemessene Hilfe bitten.

Das Bundesverfassungsgericht hatte im Februar das seit 2015 geltende Verbot organisierter Hilfe beim Suizid gekippt. Das Gesetz sei verfassungswidrig, weil es das allgemeine Persönlichkeitsrecht einschränke, urteilten die Karlsruher Richter. Entgegen einer gemeinsamen kritischen Stellungnahme der Spitzen der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hatte Meister das Urteil begrüßt, weil es zeige, dass die Würde des Menschen auch dessen Selbstbestimmungsrecht beinhalte.

Selbsttötung als „theologische Möglichkeit“

Der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte der hannoversche Landesbischof, er sei gegen jede Form von geschäftsmäßiger Assistenz zum Suizid. „Die vom Verfassungsgericht gekippte Gesetzgebung reichte jedoch nicht aus, um diese Fragestellung umfassend zu klären“, sagte Meister, der auch Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) ist. Das „Recht“ auf Selbsttötung verstehe er nicht juristisch, sondern als eine „theologische Möglichkeit“.

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Er distanziere sich von dem „heroischen Begriff der Selbstbestimmung“, wie er in dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts entfaltet werde, sagte er. „Doch es bleibt für mich auch festzuhalten, dass die Selbstbestimmung immer eine relationale ist, die im Gegenüber zu Gott und Menschen lebt. Sie mit naturrechtlichen Kategorien ohne die Billigkeit der konkreten menschlichen Situation zu erfassen, ist meines Erachtens nicht ausreichend“, erläuterte Meister.

Der hannoversche Landesbischof nannte als „beste Konsequenz dieses Urteils“, offen und ehrlich darüber zu sprechen, wie Menschen in dieser Gesellschaft sterben wollen. Auf die Frage, ob es Ärzten erlaubt sein sollte, ein tödliches Medikament zu verabreichen, sagte Meister: „Ja. Genau über diesen Punkt sollten Gesetzgeber und Ärztekammer sprechen.“


Falls ihr selbst in einer verzweifelten Situation seid, sprecht mit Freunden und Familie darüber. Hilfe bietet auch die Telefonseelsorge.Sie ist rund um die Uhr anonym und kostenlos erreichbar: 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222. Auch die Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

35 DIREKT-KOMMENTARE

  1. „Ihr werdet sein wie Gott“ war eine der ersten großen Lügen in der Geschichte der Menschheit. Die Auswirkungen dieser Lüge sind verheerend. Der selbstbestimmte Mensch, der keinen Herrn mehr über sich duldet, möchte über den eigenen Körper bestimmen und ungeborenes Leben gegebenenfalls „abtreiben“. Außerdem möchte er in der Lage sein, seinen Todeszeitpunkt selber zu bestimmen. Bei allem Verständnis für unheilbar kranke und leidende Menschen – wir sollten den Fokus lieber darauf setzen, unsere jetzt schon gute Pallativmedizin weiter zu verbessern und das Leben lebenswert zu erhalten und gestalten . Wir sind nämlich nicht Herr über Leben und Tod. Wir sind nicht Gott. Was kommt sonst als nächstes? Werden ungewollte Kinder, Kranke und Behinderte einfach per Spritze ins Jenseits befördert, damit sie unsere Lebensqualität nicht verringern? Wann fangen wir dann an, wieder von unwertem Leben zu sprechen? Nein, wir sind auf keinem guten Weg – Selbstbestimmung ist nicht alles…

    • Sicher. Selbstbestimmung ist nicht alles. Doch wer sind wir, dass wir der „Welt“ unsere „christlichen Werte“ (die, nebenbei bemerkt, auch nicht immer wirklich biblisch sind) aufzwingen wollen. Glaube lebt sehr stark von Glaubwürdigkeit. Daher sollten wir immer mit gutem Beispiel voran gehen, Alternativen aufzeigen, Hilfe anbieten. Doch wir sollten sehr zurückhaltend sein, wenn es darum geht, anderen unsere eigenen Erfahrungen als Gesetz aufzuzwingen.

      Viele Menschen vertreten immer mehr die Ansicht, dass sie „wie Gott“ sein werden. Bei etlichen ist dies allerdings auch nur als eine Art Ersatzreligion vorgeschoben, weil wir „Frommen“ die Nachfolge Jesu nicht immer gerade erstrebenswert scheinen lassen. Mit Gesetzen und Verboten können wir dabei keinen einzigen Menschen gewinnen.

      Suizid läasst sich nicht unter Strafe stellen. Entweder kommt sie ohnehin zu spät oder sie trifft, im Falle des Überlebens, Menschen, die eine gute seelsorgerliche Betreuung nötiger hätten. bleibt uns also nur noch eine Option: Dem Vorbild Jesu folgen und die Menschen zur Wahrheit hin lieben.

      • Nach der Zeit des Nationalsozialismus haben die Gründerväter der Bundesrepublik Deutschland bewusst ein Grundgesetz geschaffen, das von christlichen Werten inspiriert ist. Die Vergangenheit sollte sich nicht wiederholen. Dafür dürfen wir dankbar sein. Es geht auch nicht darum, irgend jemandem irgend etwas aufzuzwingen. Es geht um bestehende Gesetze, um einen bestehenden gesellschaftlichen Konsens. Dieser Konsens wird immer mehr verändert und die Frage ist, wer hier wem etwas aufzwingt. Außerdem wird in dem Artikel von einer „theologischen Möglichkeit“ der Selbsttötung gesprochen und das ist ein Widerspruch in sich, eine Unlogik…

        • Das sehe ich auch so,
          Es wird langsam unbequem, denn bei solchen Fragen zu Jesus und zu seinem Wort zu stehen, erfordert Mut, Klarheit und Nachfolge ist nicht bequem

          • Das stimmt total. Jesus nachzufolgen ist nicht immer bequem. Gott sei Dank, dass er uns dafür die Kraft gibt. Ich möchte trotz aller Unbequemlichkeit keinen anderen Weg gehen, denn auf seinem Weg ist Segen und er führt in das ewige Leben…
            Er hat sein Leben ja auch für uns gegeben…

        • So gut es auch ist, dass unsere Verfassung von christlichen Werten geprägt ist, so handelt es sich dennoch, wie Du richtig schreibst, lediglich um eine „Inspiration“. Nein, die Vergangenheit sollte bzw. DARF sich nicht wiederholen. Doch der „humanere“ (ich persönlich stehe dem Humanismus kritisch gegenüber) Umgang unserer Gesellschaft mit dem Suizid ist etwas völlig anderes als die Tötung unerwünschten – oder wie es damals hieß „unwerten“ – Lebens.

          Zur Glaubensfreiheit, die in Artikel 4 des Grundgesetzes garantiert ist, gehört nun mal, dass sich auch der gesellschaftliche Konsens ändert. Ob es uns „Frommen“ nun passt oder nicht. Einen christlichen Gottesstaat wird es, zumindest bis Jesus wiederkommt, niemals geben. Und Vieles was für uns als Konsens galt, ist mit dem was dazu in der Bibel steht, längst nicht so vereinbar wie manche Christen behaupten. Häufig sind wir Christen mit unseren Regeln sogar für die seelische Not Suchender mit verantwortlich!

          Jesus hat vor allem die „Frommen“ attackiert, die religiöse Oberschicht, die den Übrigen ein Vorbild sein sollte. Das sollte uns zu denken geben. Alle anderen hat er zur Wahrheit hin geliebt. Die Begegnung mit Ihm führte zwar bei den einen zu Hass, bei den anderen jedoch zu Schulderkenntnis. Ohne, dass Er sie ausdrücklich auf ihre Fehler hinwies. Wenn wir ihm wirklich nachfolgen wollen, dann sollte dies auch unser Weg sein.

          • Ein befreundeter Arzt hat an der Grenze zu den Niederlanden gearbeitet. Von dort kommen ältere Menschen nach Deutschland zur Behandlung, weil sie Angst davor haben, in den Niederlanden ins Jenseits befördert zu werden. Hier von einem humaneren Umgang zu sprechen ist Zynismus…
            Außerdem weiß niemand von uns, was wirklich nach dem Tod passiert. Einfach zu behaupten, ein Suizid wäre eine Erlösung, ist absolut unwissenschaftlich. Wenn wir mal den Glauben beiseite lassen, dann weiß niemand, was mit der Seele nach dem physischen Tod passiert. Alles ist Spekulation. Wenn wir die Bibel ernst nehmen und an das ewige Leben glauben, dann ist Suizid keine Option. Alle, aber wirklich alle, Bibelstellen zum Thema Suizid sind negativ in der Bewertung. Wir haben einen absolut barmherzigen und gnädigen Gott, der gerne hilft. Suizid ist für ihn aber offenbar keine Option…Der Tod entzieht sich der Wissenschaft…

            • Nicht grundlos habe ich „human“ in “ “ gesetzt. Für mich ist dieser Weg ebenfalls der falsche. Doch mir steht es nicht zu, über die zu urteilen, die ihn wählen. Ich kann nur alles daran setzen ihnen eine (DIE) Alternative aufzuzeigen. Unsere fromme Empörungskultur ist da eher kontraproduktiv. Und die Behauptung, Selbstmörder wären rettungslos verloren, ist ebenso unbiblisch.

              • Hab ich nicht behauptet…Wir sind nicht der Richter…Falsch ist es trotzdem, und das darf man auch ruhig sagen, bzw. schreiben. Alles andere gehört in Gottes gute Hände…

            • Wenn keiner weiß, was nach dem Tod passiert, wäre es dann nicht sinnvoll, jedem Menschen die Entscheidung selbst zu überlassen?

              Sterbehilfe ist keine wissenschaftlice Frage, es ist eine ethische.

              • Eine Entscheidung in einer existentiellen Krisensituation ist keine freie Entscheidung. Sollen wir denn das 14-jährige Mädchen ruhig von der Brücke springen lassen, ohne zu intervenieren, weil es ja ihre eigene Entscheidung ist? Für wen gilt dann eigentlich das Entscheidungsrecht? Und sollen dann Ärzte oder Angehörige auch entscheiden dürfen, dass ein Leben zu beenden ist? Ein bisschen tiefer denken sollten wir schon…
                Ich denke, dass die Entscheidung über Leben oder Tod am besten in Gottes Händen bleiben sollte. Der Atheist könnte es auch in etwa so formulieren: Das Leben selber sollte die Entscheidung treffen. Sonst sind wir schnell wieder an dem Punkt, wo über wertes und unwertes Leben entschieden wird…

        • Der gesellschaftliche Konsens von 1949 passt aber auch nicht mehr für die medizinischen Möglichkeiten des Jahres 2020 oder die Gesellschaft insgesamt. Menschen, die 1949 nicht medizinisch versorgt werden konnten, überleben heute ihre Erkrankung. Damit geht aber auch einher, dass wir und heute überlegen müssen, was wir machen.
          Ich denke, dass Einigkeit darüber herrscht, dass wir die medizinische Versorgung nicht aufgeben möchten. Das bedeutet aber auch, dass man darüber nachdenken muss, ob es die Bibel hergibt, dass wir Menschen dazu verdammen auf ihren Tod warten zu müssen, obwohl es das Leben unerträglich macht. Sollen wir alle zwingen, dass sie sich für diese Wochen ins künstliche Koma legen lassen – und was unterscheidet das von einem schnellen, selbstbestimmten Ende?
          Und an welcher Stelle lässt man denn Gott entscheiden? Da sollte man ganz konkret an sich selbst denken, denn die Überlegung, Sterbehilfe zu dekriminalisieren, kommt ja nur deswegen auf, dass man Krankheitsverläufe mildert. Pfuscht man schon beim Antibiotikum Gott ins Handwerk oder bei einer Aneurysma-OP oder bei der Einnahme irgendwelcher Medikamente?

          Natürlich muss man das diskutieren! Aber ich denke, dass es nicht sinnvoll ist, dass man das mit „Dammbruchargumenten“ tut, denn die sind ja nicht stichhaltig, weil sie Zukunftsvisionen darstellen, aber eben keine Tatsachen.
          Gruß, Nicole

          • Es gibt einen Unterschied zwischen passiver und aktiver Sterbehilfe. Ich bin auch dagegen, das Leben um jeden Preis künstlich zu verlängern. Eine aktive Tötung, ein bewusster Suizid, ist aber eine völlig andere Kategorie. Den Menschen gehen zu lassen, indem man auf eine künstliche Lebensverlängerung an einer Beatmungsmaschine verzichtet ist etwas völlig anderes, als jemanden durch ein Medikament bewusst zu töten…

    • 100% Zustimmung ….

      Sehr viele vergessen das es zu 99,99% Depressionen sind die Menschen in eine Todessehnsucht treiben. Diesen Menschen kann man helfen, es gibt eine bessere Alternative als den Tod!

  2. Glaube dieser Theologe ist nicht in dem was Gott sagt . Jeder braucht den Anderen und Gemeinsam sind WIR stark . Schade daß ein Theologe uns dies nahelegt . Für mich ist dies Menschliche Armut . Mut zum Leben ist gefragt . Mit Jesus den Herrn haben WIR die Antworten . Ich glaube mit einer Gottesbeziehung kommt man durch alle Täler des Lebens und dereinst zu Gott nach Hause .

    • Da haben Sie absolut Recht.Solche „Theologen“ zählen lt. Bibel zu den falschen Propheten, Irrlehrern und zum Antichrist. 1. Joh. 2,19 sagt: „Sie sind von uns ausgegangen, aber sie waren nicht von uns; denn wenn sie von uns gewesen wären, so wären sie bei uns geblieben. Aber es sollte offenbar werden, dass sie alle nicht von uns sind.“ Aber Herr Meister hat immer noch die Chance, seinen Irrtum einzugestehen und um Vergebeung zu bitten, bei den von ihm Fehlgeleiteten und vor Gott.

      • Es ist ganz sicher ein heikles Thema. Aber würden Sie Ihre Äußerungen zum Beispiel gegenüber einem Todkranken, dem auch die Palliativmedizin nicht helfen kann (solche Fälle sind selten, aber es gibt sie), genau in dieser Form auch tätigen? Mit freundlichen Grüßen, das Jesus.de-Team

  3. Da kann man sehen, wie verwirrt viele „Christen“ bis in die obersten Leitungsspitzen hinein sind. Sie kennen die Bibel nicht mehr oder legen sie eigenmächtig ohne Zusammenhang aus. Mord bleibt Mord, Tötung bleibt Tötung. Und Mördern wird der Zutritt zu Gott, dem Himmel und damit zu einem ewigen Zusammensein mit dem Dreieinigen Gott absolut verwehrt. Offenb. 22,15: „Draußen aber sind die Hunde und die Zauberer und die Unzüchtigen und die Mörder und die Götzendiener und jeder, der die Lüge liebt und tut.“ Diese Menschen erhalten ein ewiges Leben bei Satan in der Hölle, dem Mörder von Anfang an.

    • Ich kann nur dringend empfehlen, einmal zu lesen, was w_i_r_k_l_i_c_h in der Bibel steht anstatt wahllos einen Vers aus der Offenbarung zu zitieren…
      Wie wäre es, für den Anfang mal von vorne im Neuen Testament anzufangen und es bis zum ende durchzulesen? 😉

    • Es gibt kein ewiges Leben in der Hölle und bei Satan, denn er wird – siehe Offb. 21 mit seinen Nachfolgern(Engel und auch Mensche) für immer vernichtet.

    • Ethik kommt an ihre Grenzen,

      dadurch, daß wir den natürlichen Tod zeitlich sehr hinauszögern können, dank unserer modernen Medizin, entsteht auch die Frage: Darf ein Mensch sich den Tod wünschen – und dürfen wir ihm dabei helfen ? Ich will die moderne Medizin nicht verdammen, aber sie hält, vielleicht nicht in vielen Fällen, Menschen sehr lange am leben, ausgeliefert an Apparatemedizin und die Frage, ob, wann, und nach wessen Willen, wir sie abstellen dürfen. Einem völlig von Schmerzen und Atemnot Gequälten helfen, seinen ganz normalen Tod zu sterben, den er auch sterben würde ohne Apparate, ist keinesfalls Mord. Allerdings muss man wahrscheinlich dagegen setzen, daß in ganz vielen Fällen sehr schwer erkrankte und etwa beatmete Patienten keine Angst haben und über keinerlei Scherzen verfügen. Hierauf könnte man das Argument nicht mehr anwenden, man wolle einen Betreffenden von seinem Leiden erlösen. Andererseits stellt sich die Frage, ob ein Mensch ohne Bewusstsein und ohne Überlebensfähigkeit fern der Intensivmedizin über eine sehr lange Zeit am Leben gehalten werden muss ? Ist das Leben ? Allerdings gibt die Bibel hierüber eine Antwort, weil in biblischer Zeit diese Fragen sich nicht stellten. Ich würde empfehlen, der unter Menschen höchsten Instanz zu folgen, dem eigenen Gewissen. Ich selbst würde meinen Schöpfer selbst fragen. Aber ich bin nicht in einer solchen Situation – ich habe gut reden.

    • Geht es noch?? Wir reden von schwer kranken Menschen. Egal wie gut jemand Palliativ mit Medikamenten eingestellt ist, man hat immer Schmerz Phasen. Die Kranken wollen nicht leiden . Wieviel Leid ein Mensch ertragen kann und will sollte ihm selbst überlassen sein. Das hat Niemand zu bestimmen. Unser Vater im Himmel blickt gütig auf seine Kinder und hat bestimmt Verständnis für einen schwer kranken leidenden Menschen. Unser Glaube ist nicht dazu da Angst vor Gott zu haben.

      • Liebe Christiane,

        was ich geschrieben habe wird im Großen und Ganzen stimmen: Es muss sehr selten jemand unerträgliche Schmerzen haben. Positiv ausgedrückt: Nicht alles, aber vieles ist medizinisch beherrschbar. Ansonsten stimme ich deinem Kommentar vom 11. August voll zu. Ich habe es fast zu meinem Credo gemacht, daß man vor Gott keine Angst zu haben braucht. Er ist vollkommene Liebe.

    • Nein, dem widerspreche ich vehement! Ich kenne den Fall eines 14 jährigen Mädchens, die unbedingt schon mit 13 konfirmiert werden wollte, mehrere Aufenthalte in der Psychiatrie hinter sich hatte und dann mit 14 einen voll durchgeplanten Suizid beging. Das hat uns alle sehr mitgenommen und ich weiß, dass dieses Mädchen jetzt bei Jesus ist! Wenn man sooo verzweifelt ist als Kind, dass man das Leben einfach nicht mehr aushält, wird Gott einem ganz bestimmt nicht in die ewige Gottesferne schicken! Dieses Kind hat zeitlebens schon genug gelitten und ich weiß, wovon ich spreche, weil ich seit 40 Jahren an Depressionen leide.

  4. Wir sind ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu, kein Produkt des Zufalls und deshalb haben wir kein Recht, Gott zu spielen. Egal was die jeweilige Meinung auch sein mag. Die alte Auffassung, dass Gott das Leben gibt und auch den letzten Moment des Lebens bestimmt, drückt unsere Verantwortung für uns selbst und unsere Hochachtung vor dem Unendlichen aus.
    Modern sein wollen, ist in einer postchristlichen Gesellschaft ganz schnell Gottlosigkeit und hat keinen Nutzen. Wenn wir immer unserer Verantwortung für uns selbst gemäß leben würden, ohne Alkohol, Tabak, Rauschmittel und mit einer gesunden Ernährung mit ausreichend Bewegung, könnten wir auch mit über 90 Jahren noch fit sein und bleiben. Ich kenne viele Beispiele. Somit ist Krankheit und Elend im Alter all zu oft, nur die Ernte dessen was ich gesät habe und deshalb bin ich nicht berechtigt meinem Leben ein Ende zu setzen, denn es ist das Ergebnis eigenen Verschuldens.

    • Entschuldigung, es geht mir nicht um die „Berechtigung“, aber eine solche Formulierung („denn es ist das Ergebnis eigenen Verschuldens.“) ist ein Schlag ins Gesicht vieler tadkranker Menschen, auch jüngerer. Mein Schwager ist mit Mitte 30 an einem Gehirntumor gestorben. Anti-Alkoholiker, sportlich, gesund ernährt. Das empfinde ich als herz- und respektlos.

  5. Ich finde es traurig, dass ein Landesbischof solche Äußerungen macht. Selbstmord ist – wie Mord – Sünde, denn Gott hat den Menschen das Leben gegeben und Er entscheidet auch, wann und wie es beendet wird. Also ist Selbstmord keine theologische Möglichkeit.

    Und ich bin sicher, dass Gott auch für die wenigen Patienten, bei denen selbst die Palliativmedizin nicht mehr helfen kann, eine Lösung hat.

    Wir brauchen nur nach Belgien oder in die Niederlande zu schauen, wo mittlerweile sogar Menschen gegen ihren Willen oder den Willen der Angehörigen getötet werden. Wollen wir das wirklich auch?

    • Sehr geehrte Frau H., ich lese mit Schrecken Ihre Aussage, dass in den Niederlanden Menschen gegen ihren Willen und den Willen ihrer Angehörigen getötet werden. Könnten Sie mir bitte verlässliche Informationen darüber zukommen lassen? Mit freundlichem Gruß, Dr. Gossmann

  6. Es ist typisch für einen Bischof der EKD sich dem Zeitgeist anzubiedern.
    Einer der Gründe warum so viele Menschen die Kirche verlassen.

    • Lustig, wenn ein bekennender Katholik der EKD „Anbiederung an den Zeitgeist“ vorwirft! 😉
      Hat denn die rkK in den letzten gut anderthalb Jahrtausenden nicht ständig getan? Woher kommen sonst die heidnischen Bräuche und der modifizierte Isiskult? 😉

    • Das möchte ich nicht so stehen lassen!
      Ja, ich finde das durchaus kritisch, was „mein“ Bischof da gesagt haben soll (Pressezitate sind in ihrer Auswahl nicht immer einfach einzuordnen). Aber ich denke auch, dass er das recht hat, sich dieser Herausforderung zu stellen, was er auch tut. Aber wenn ich nicht „nur“ EinFragender bin, sondern eben der Landesbischof, dann interessieren sich viel mehr Menschen für das, was ich so sage oder schreibe. Ich selber sehe das mit dem „Recht“ auf Selbsttötung schon ziemlich schwierig und denke, dass es keine für alle Fälle zustimmende gesetzliche Regelung dafür geben kann. Aber ich kann diese Frage letztlich auch nur für mich selbst beantworten, und wenn ich als Arzt oder allgemein als Christ von jemandem um Beistand dabei gebeten würde, dann müsste ich eine ganz persönliche Entscheidung treffen, die nur ich vor mir und meinem Gott verantworten muss. Dadurch können Freundschaften und Vertrauensverhältnisse ins Wanken kommen und auch mein Glaube wird extrem stark herausgefordert. Ich würde in einem solchen Fall immer um Hilfe und Beratung bitten, aber die Entscheidung muss ich allein fällen. Und dann möchte ich damit genau so anerkannt werden, wie ich mich darum bemühe, die Entscheidung anderer Menschen zu akzeptieren.
      Also das mit dem Zeitgeist und den Gründen, warum Menschen die Kirche verlassen ist mir in diesem Zusammenhang etwas zu billig gedacht …

    • Lieber Einfragender,

      die Frage des selbstbestimmten Todes, was man ja auch zu Lebzeiten schriftlich regeln kann, ist ein schwieriges ethisches Thema. Es eignet sich nicht für holzschnitzartige Aussagen; schon gar nicht in Form einer Annäherung von Bischof Meister an den Zeitgeist. Der Zeitgeist ist eher die Möglichkeit, den Tod sehr lange hinaus zu schieben, was dann uU auch Leiden verursachen kann. Aber wer wollte diesen Zeitgeist ehrlicherweise einfach ignorieren.

  7. sehr schwieriges und komplexes Thema.
    Auf Sterbehilfe im Allgemeinen bezogen:
    Ich denke es gibt einen breiten Konsens, dass palliative Behandlungen ihre unbedingte Daseinsberechtigung haben. Sie zielen darauf ab Symptome zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern. Für mich ist das ein Dienst am Leben, etwas worauf Gott mit Wohlwollen blicken könnte.
    Und jetzt gibt es unheilbar Kranke, Tag und Nacht von unerträglichen Schmerzen geplagt, können nicht schlafen, nicht essen, keine Medikation wirkt mehr, sind körperlich und psychisch am Ende. Und dieser Zustand dauert an, die lebenswichtigen Funktionen sind alle soweit in Takt dass das Dahinvegetieren noch lang so weitergehen kann. Palliative Behandlungen wirken nicht mehr. Was ist nun der Dienst am Leben, wie sieht er aus? Wie ist diesem Menschen zu helfen? (ja ich weiß das ist äußerst selten, denn mittlerweile ist es schon fast immer möglich, Schmerzen auf ein erträgliches Maß zu lindern)

    Auf jeden Fall abzulehnen ist geschäftsmäßige Sterbehilfe und alles Weitere, was den Esprit verbreitet dass das menschliche Leben so etwas wie ein Wegwerfprodukt ist. Dass Selbsttötung eine „theologische Möglichkeit“ ist, verstehe ich inhaltlich nicht.

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