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Jesu, meine Freude

Ein Politiker, der dichtet – das war Johann Franck. Sein Lied „Jesu, meine Freude“ ist ein wunderbares Antidepressivum. Tröstlich, gefühlsstark und voller Jesusliebe.

  1. Jesu, meine Freude,
    meines Herzens Weide,
    Jesu, meine Zier,
    ach wie lang, ach lange
    ist dem Herzen bange
    und verlangt nach dir!
    Gottes Lamm, mein Bräutigam,
    außer dir soll mir auf Erden
    nichts sonst lieber werden.
  2. Unter deinem Schirme
    bin ich vor den Stürme
    aller Feinde frei
    Lass den Satan wettern,
    lass die Welt erzittern,
    mir steht Jesus bei.
    Ob es jetzt gleich kracht und blitzt,
    ob gleich Sund und Hölle schrecken,
    Jesus will mich decken.
  3. Trotz dem alten Drachen
    trotz dem Todesrachen
    trotz der Furcht dazu
    Tobe, Welt, und springe;
    ich steh hier und singe
    in gar sichrer Ruh.
    Gottes Macht hält mich in acht;
    Erd und Abgrund muss verstummen,
    ob sie noch so brummen.
  4. Weg mit allen Schätzen!
    Du bist mein Ergötzen,
    Jesu, meine Lust.
    Weg, ihr eitlen Ehren,
    ich mag euch nicht hören,
    bleibt mir unbewusst!
    Elend, Not, Kreuz, Schmach und Tod
    soll mich, ob ich viel muss leiden,
    nicht von Jesu scheiden.
  5. Gute Nacht, o Wesen,
    das die Welt erlesen,
    mir gefällst du nicht!
    Gute Nacht, ihr Sünden,
    bleibet weit dahinten,
    kommt nicht mehr ans Licht!
    Gute Nacht, du Stolz und Pracht;
    dir sei ganz, du Lasterleben,
    gute Nacht gegeben!
  6. Weicht, ihr Trauergeister!
    denn mein Freudenmeister,
    Jesus, tritt herein.
    Denen, die Gott lieben,
    muss auch ihr Betrüben
    lauter Freude sein.
    Duld ich schon hier Spott und Hohn,
    dennoch bleibst du auch im Leide,
    Jesu, meine Freude.
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Johann Franck


Das Lied „Jesu, meine Freude“ aus dem Liederschatz-Projekt von Albert Frey und Lothar Kosse.

Ein dichtender Politiker

Zwar sind sie überaus selten, aber es gibt sie: Politiker, die sich auch als Dichter einen Namen gemacht haben. Es gibt sogar Politiker, die Gesangbuchlieder geschrieben haben! Johann Franck war einer davon. Geboren wurde er im Jahr 1618, als der Dreißigjährige Krieg begann, der längste, der je in Deutschland wütete.

Als Franck starb, lag das Ende dieses Krieges immerhin fast dreißig Jahre zurück. Er wurde Ratsherr und schließlich Bürgermeister seiner Heimatstadt Guben. Diese liegt an einem breiten Strom, der seit 1945 zur Staatsgrenze zwischen Deutschland und seinem östlichen Nachbarn Polen geworden ist. So ist die Stadt heute zweigeteilt.

Jesus als Freudenmeister

Der Choral „Jesu, meine Freude“ ist ein Lied der Jesusliebe. Die Liebe findet für den Geliebten immer neue Namen. Das lässt sich auch bei diesem Lied beobachten. Eine besonders schöne Bezeichnung Jesu hat der Dichter Johann Franck in der sechsten Strophe geschaffen. Da nennt er Jesus seinen „Freudenmeister“ – eines der schönsten Worte, die es in der deutschen Sprache gibt, eine wunderbare Übertragung des französischen „maître de plaisir“, also dessen, der bei einem
Fest mit seiner Kunst dafür zu sorgen hat, dass die Besucher fröhlich sind.

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Es ist aber auch ein äußerst gefühlsstarkes Lied: Starke Worte wie „ach“ oder „trotz“ und „weg“ kommen darin vor. Und den Verderbensmächten ruft der Dichter in der fünften Strophe nicht weniger als viermal ein ironisches „Gute Nacht!“ zu. Strophenform und Versmaß entnahm der dichtende Politiker weltlichen Vorbildern. Da hieß die Geliebte noch Cynthia oder Flora. An ihre Stelle tritt im geistlichen Lied Jesus.

Herausfordernder Trost

„Jesu, meine Freude“ ist sehr tröstlich – ein wunderbares Antidepressivum. Es fordert aber auch heraus: Reiche Jünglinge und Jungfrauen werden sich mit der vierten Strophe schwertun. Die kräftige Melodie verdanken wir Johann Crüger, dem Kantor, der neben Paul Gerhardt an der Berliner Nikolaikirche wirkte und zu vielen seiner Lieder die Melodie geschrieben hat.

Johann Sebastian Bach hat zu diesem Lied eine seiner schönen Motetten geschaffen, wobei der Liedtext mit biblischen Worten aus dem achten Kapitel des Römerbriefs garniert ist. Anklänge an Worte aus Römer 8 bietet schon der Liedtext: Zum Ende der vierten Strophe mag man Römer 8,38 f. vergleichen; in der Schlussstrophe klingt Römer 8,28 an.

Text: Reinhard Deichgräber


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