Teil 2 von Lecraes Album RECONSTRUCTION ist über eine Stunde lang, und sowohl in Umfang als auch in Abwechslung breit gefächert. Rhythmische Trap Beats, Gangster-Rap (die Melodie betreffend) und Gospelchöre bieten Rap-Fans jede Menge Originalität. Aber: Es wirkt stellenweise etwas überladen.
Dieses Album ist nichts für Menschen, die Rapmusik nur entspannt im Hintergrund hören, während sie sich unterhalten oder entspannen wollen. Sowohl Lecreas Stimme, als auch seine Texte und die plötzlichen Genre- und Melodiewechsel innerhalb vieler Lieder fesseln den Hörer und verlangen nach aktivem Zuhören.
Die vielen Blasinstrumente im Hintergrund (Trompete, Saxophon etc.) vermitteln ein Gefühl von Freude und Erfolg. Aber das Album bietet instrumental noch mehr: Gitarre, E-Gitarre, Synth Melodien, ein „Hips don’t lie“-Sample, altmodischer 30er-Jahre Rauschen-Hintergrundgesang und Geige. 26 Songs voller Innovation.
Die Texte sind mehrsilbig gereimt, drastisch persönlich und radikal. Sie stehen eindeutig im Mittelpunkt des Albums. Abgesehen von der Betonung der Vergänglichkeit von Geld und Ruhm – „Watch, everything in gold chains Melt down everything in gold flames“ („Sieh zu, wie alles in goldenen Ketten in goldenen Flammen schmilzt“ – in Holidaze) und Warnungen vor den hedonistischen Verlockungen des Teufels – handelt Reconstruction vor allem von Schuld und Erneuerung.
Lecrea erzählt offen von seinen Tiefpunkten: „Take another shot and pop a pill, don’t wanna face it, […] Thought I had nobody, I was broken like a promise“ („nimm noch einen Shot, und eine Pille, will es mir nicht eingestehen […] ich dachte ich hätte niemanden – war so gebrochen wie ein Versprechen“), heißt es beispielsweise in „Living Water“. Aus der Verantwortung stiehlt er sich jedoch nicht:
„But when I take a look in the mirror, The blood of Uriah’s on my hands ‚cause I’m that killer, Who had Bathsheba in his quarters, I’m that- who let Eve taste the fruit of death, I’m that sinner“ („Wenn ich in den Spiegel schaue ist das Blut von Urija an meinen Händen, denn ich bin der Mörder, der Batseba in seine Gemächer führte, ich bin das, was Eva die Frucht des Todes probieren ließ, ich bin dieser Sünder„) – aus „Die for the party“.
Das Album beinhaltet auch deutliche Kirchenkritik: Mega-Churches und der Fokus auf religiöse Vorschriften statt auf Christus sind Thema.
reingehört_Lina_Ellert
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