Seit zwei Jahren stellt sich Karoline Preisler israelfeindlichen und antisemitischen Demonstrationen entgegen – mit Pappschild und Blumen.
Antisemitismus habe sie schon immer bekämpft, sagt die Juristin Karoline Preisler. „Wo antisemitische Verschwörungserzählungen verbreitet werden, da ist Gegenrede zwingend erforderlich.“ Seit zwei Jahren ist sie deshalb auf pro-palästinensischen Demonstrationen unterwegs – „bewaffnet“ mit Pappschild und Blumen. Sie möchte auf das Schicksal der israelischen Geiseln aufmerksam machen. Und auf sexualisierte Gewalt der Hamas. Die Blumen dienten als Zeichen von Friedfertigkeit und Deeskalation, sagt sie im Interview mit dem Christlichen Medienmagazins PRO. Preislers friedlicher Protest ist bewusst sichtbar: Ihre klar formulierten Schilder tauchten in den Smartphone-Videos der Demonstranten auf und wirken so als „digitale Gegenrede“.
Kritisch äußert sich Preisler, die FDP-Mitglied ist, zur Medienberichterstattung über den Nahostkonflikt. Ungeprüfte Angaben und verzerrte Kontexte hätten Vertrauen verspielt. „Ich würde mir wünschen, dass unsere seriösen Medien mittlerweile klüger geworden sind und nicht mehr ungeprüft Zahlen der Hamas übernehmen“, sagt sie. Besonders deutlich wird sie beim Blick auf den christlichen Auftrag: „Wir können Juden nicht zumuten, allein gegen Antisemitismus zu kämpfen. Gerade Christen sind aufgerufen, beizustehen, wo Hilfe nötig ist.“
„Gut geerdet und gut gehimmelt“
Ihr christlicher Glaube spielt dabei eine zentrale Rolle. Preisler beschreibt ihn als Quelle von Erdung und Hoffnung: „Ich bin gut geerdet und gut gehimmelt.“ Die freiheitlich-demokratische Grundordnung gebe Halt – der Glaube gebe Freiheit. Beides zu verteidigen, sieht sie als Pflicht angesichts wachsender antisemitischer Tendenzen.
Trotz Anfeindungen, Spuckattacken und körperlicher Gewalt hält sie an ihrem Engagement fest: „Es sind bittere Erfahrungen. Aber es gibt auch viele gute Gespräche und positive Rückmeldungen.“ Mittlerweile habe sich ihre stille Form des Protests in ganz Deutschland und sogar international verbreitet – eine „feminine, ruhige und friedliche Art“, für jüdisches Leben und Menschenrechte einzustehen. Preisler spricht im Interview auch über politische Konsequenzen. Antisemiten sollten nach ihrer Ansicht keinen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland erhalten. Symbole, die zunehmend in der antisemitischen Szene auftauchen, sollten als verfassungsfeindlich eingestuft werden.
Preisler ist Preisträgerin des Jahres 2024 des Eugen-Kogon-Preises für ihre „klare Haltung gegen Extremismus“ und ihren „offenen Dialog mit Kritikern der Demokratie“. Im selben Jahr war sie auch für den Simon-Wiesenthal-Preis nominiert. 2025 verlieh ihr der Zentralrat der Juden in Deutschland den Paul-Spiegel-Preis.
Das vollständige Interview mit Karoline Preislerist in der aktuellen Ausgabe des Christlichen Medienmagazins PRO erschienen und online verfügbar.
Weiterlesen:
Die Frau mit den Blumen (Jüdische Allgemeine)

“ Ihr christlicher Glaube spielt dabei eine zentrale Rolle. Preisler beschreibt ihn als Quelle von Erdung und Hoffnung: „Ich bin gut geerdet und gut gehimmelt.“ Die freiheitlich-demokratische Grundordnung gebe Halt – der Glaube gebe Freiheit. “
Das kann ich von mir nicht behaupten, der Glaube erdet nicht, Hoffnung macht nicht frei,, überhaupt sind Religionen ein ständiger Quell für Hass, Unterdrückung, Unterwerfung.
Außerdem ist Religion nicht Grundvoraussetzung, um gegen Antisemitismus zu sein.
Es gibt in der Jüdische Allgemeine einen lesenswerten Artikel über Karoline Preisler, der einen mehr
unverstellten Blick auf die Person Preisler zeigt.
https://www.juedische-allgemeine.de/unsere-woche/die-frau-mit-den-blumen/
Wir haben den Artikel aus der JA jetzt auch in unserem Pressespiegel verlinkt. MfG, das JDE-Team
Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen sind nicht verrechenbar
Den Respekt mit dieser Frau, die sich dem Antisemitismus bei uns entgegen stellte, teile ich vollständig. Die Kritik an den Medien, (ich sehe nur die öffentlich-rechtlichen Medien) sind was den Gazastreifen betraf, gut recherchiert. Dass der liebe Stammtischbruder in die deutschen Politiker kein Vertrauen besitzt, kann ich aber nicht vollständig nachvollziehen, denn zugereiste Antisemiten sieht man dies generell nie an, Gedanken zu lesen vermag noch niemand, man kann nur ausgesprochene Wort und ihren genauen Sinn möglicherweise gut erkennen. Das Unrecht der Hamas an Israel und das Unrecht der israelischen Soldateska mit einem gewesenen Häuserkampf in Gaza an die Palästinenser, kann man nicht miteinander verrechnen, es bleiben immer die Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen. Meine Liebe zu Israel hat nichts zu tun mit meiner Kritik an der rechtsgerichteten Regierung in Israel. Wenn wir hier nicht die Haftbefehle höchster Weltgerichte akzeptieren, votieren wir weiter auch für das Unrecht im Namen der Politik auch unterschiedlicher Richtungen. Mit Jesus und unserem Glauben haben Krieg, Gewalt, Terror und Gegenterror nichts zu tun, der Glaube ist auch eine feste Hoffnung, dass sich Konflikte langfristig nur friedlich lösen lassen, auch wenn dies wie Utopie klingt. Es dürfte eine gesunde und normale Einstellung sein, dass jede/r der etwas mit Glaube und Hoffnung zu tun hat, derzeit wenig findet an Heiligkeit im Heiligen Land.
Mich würde interessieren, was sie zu den massiven Menschenrechtsverbrechen Israels sagt. Bezüglich der Hamas bin ich mit ihr einer Meinung. Ich kann nur nichts finden, ob sie hier wirklich die schlimmen Verbrechen beider Seiten im Blick hat.
Und genau hier hat sie meinen vollen Respekt. Weil ich mit ihr wohl offen und anständig darüber diskutieren könnte.
Ich finde das gut, dass sie Einseitigkeit etwas entgegen setzt, ich hoffe, sie ist nicht ebenfalls einseitig, vermute aber bei ihr eher eine reflektierte Haltung.
Ich war einmal in meinem Leben in so einer Situation, dass ich zusammen mit einer jüdischen Gemeindegruppe auf einer Demonstration massiv bedroht wurde. Dank Hilfe von Mitgliedern des Hamburger schwarzen Blocks (der -für manche vielleicht überraschend- in großen Teilen prosemitisch ist) kamen wir da heil wieder raus. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, mich ständig so einer Gefahr auszusetzen. Noch dazu allein. Insofern nochmals Respekt vor dem, was sie tut.
Respekt vor dieser Dame, sie scheint mit reichlich Empathie und gesundem Menschenverstand gesegnet zu sein.
Ihre Kritik an den deutschen Medien gerade zum Thema Israel ist mehr als berechtigt.
Als (deutscher( Christ sollte es eine Selbstverständlichkeit sein auf der Seite Israels zu stehen, was leider nicht weit verbreitet ist.
Und wie lösen wir das Problem der zureisten Antisemiten? Da habe ich recht wenig Vertrauen in unsere Politiker.