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Bischof Meyns: „Die Kirche ist und bleibt eine Sünderin“

Der braunschweigische Landesbischof Meyns blickt auf die Schattenseiten der Kirche. Seine These: Geht es um Geld und Macht, wird die Nächstenliebe nebensächlich.

Insbesondere die Auseinandersetzung mit dem Thema sexualisierte Gewalt als Beauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) habe ihm die Illusion genommen, dass die Kirche ein Ort besserer Gerechtigkeit sei, sagte Meyns am Samstag im Braunschweiger Dom. Der 63-Jährige wurde nach elf Jahren an der Spitze der Landeskirche mit einem Gottesdienst in den Ruhestand verabschiedet.

Er sehe deutlicher als noch zu seiner Einführung, wie schnell es mit der christlichen Nächstenliebe vorbei sein könne, wenn es um Geld und Macht gehe, sagte der evangelische Theologe. Oft genug gehe es allzu menschlich zu: «Die Kirche ist und bleibt eine Sünderin, aufgerufen, sich laufend selbstkritisch im Lichte der Liebe Gottes zu überprüfen und umzukehren, wo ihr Reden und Handeln der Botschaft des Evangeliums widerspricht.»

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Experte für Reformprozesse

Meyns wurde am 5. Juli 2014 in sein Amt eingeführt. Vor seiner Wahl zum Bischof hatte er sich unter anderem als Experte für Reformprozesse in der Nordkirche profiliert und zum Thema «Management als Mittel der Kirchenreform» promoviert. In der Landeskirche Braunschweig stieß er unter anderem einen Zukunftsprozess an – mit dem Ziel, die evangelische Kirche im Braunschweiger Land auf allen Ebenen neu aufzustellen. Seit 2016 ist er zudem EKD-Beauftragter für den Kontakt zu den evangelischen Kommunitäten.

Zur braunschweigischen Landeskirche gehören eigenen Angaben zufolge 270 Gemeinden mit rund 274.000 Mitgliedern im Südosten Niedersachsens und im Ostharz angegliedert. Sitz des Landeskirchenamtes ist die historische Residenzstadt Wolfenbüttel vor den Toren Braunschweigs.

Quelleepd

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4 Kommentare

  1. Ein beinahe unauflösbarer Widerspruch! „Die Kirche, die Ekklesia, die Herauserufene,die Gemeinschaft der Heiligen, die Gemeinde die von der Hölle nicht überwunden wird. Und eben auch die „Sünderin“ mit ihren Skandalen und Fehltritten. Lasst das Unkraut mit dem Weizen zusammen aufwachsen, am Tag der Ernte wird „abgerechnet“ (frei nach Jesus)

    • Vielleicht will die Gesellschaft, die ja inzwischen mehrheitlich auch nicht mehr christlich ist, nicht so lange abwarten und beim Missbrauch nur wegschauen.

      Was ja nachvollziehbar und auch richtig wäre.

      Ich hoffe jedenfalls, dass in absehbarer Zeit da auch von außen eingegriffen wird.

  2. Die >Kirche ist keine Sünder/in

    Der braunschweigische Landesbischof Meyns blickt auf die Schattenseiten der Kirche. Seine These: Geht es um Geld und Macht, wird die Nächstenliebe nebensächlich. Richtiger wäre es, wenn wir gemeinsam NICHT glauben was als oberste Überschrift den Artikel umrankt: „Bischof Meyns: „Die Kirche ist und bleibt eine Sünderin. Richtig ist dagegen: Nur Menschen als Personen sind Sünder, denn Verantwortung zu haben ist eine zutiefst menschliche Aufgabe. Sogar ein Soldat oder ein Polizist kann bestraft werden, wenn er Befehle/Anweisungen seines Vorgesetzten, die gesetzwidrig sind, ausführen würde.

    Schon einer der Bundespräsidenten sagte, er liebe nicht den Staat, sondern seine Ehefrau. Was für den Staat gilt, muss auch für die Kirche richtig sein Denn ich glaube, daß die Kirche mindestens aus den zwei oder drei Menschen vor Ort besteht – gewünscht sind immer mehr – die durch Jesus Kirche bilden und bei denen er dann immer geistig-geistlich anwesend sein wird. Die Kirche, egal welcher Konfession, kann aber nicht für mich glauben, für mich Jesus nachfolgen, für mich Verantwortung übernehmen und sie ist auch keine Sünder/in. Sünder sind Menschen, die von Gott getrennt leben – gewissermaßen unversöhnt mit ihm sind. Ich kann aber nur als Individuum mit Gott im Zwiespalt leben bzw. unversöhnt sein. Ich bleibe nun trotzdem lebenslang ein Sünder, aber als solcher der versöhnt mit Gott ist solange ich lebe, wenn ich es mir zur Angewohnheit mache, immer aus der Vergebung Jesu zu leben. Dazu gehört ungetrennt, auch dem Mitmenschen immerzu auch zu vergeben.

    Aber selbstverständlich habe ich Verantwortung, wenn ich meine Kirche kritisieren, oder sie nicht kritisiere und/oder wenn sie total falsches vertritt.
    Genauso könnten wir hier so nicht postulieren, eine Kirche sei zu wenig fromm, denn echte Frömmigkeit, auch wenn es davon unterschiedlichste Formen gibt, ist immer eine nur individuelle Angelegenheit. Eine solche Benotung von Kirche/n wäre zudem zutiefst ungerecht, weil wie überall und nicht nur im Gleichnis Jesus, sondern auch in der real existierenden Kirchenwelt, dass Unkraut immer zwischen dem Weizen wächst. Und schon der antike Landwirt zur Zeit Jesu wusste, welches Unheil man anrichtet, kollektive Werturteile zu fällen und/oder oben auf den Acker das Unkraut auszureißen, wo doch unter der Ackerkrume doch die Wurzeln sich auch am Weizen verhaken. Modern würde man daher heute fordern: Schüttet nicht das Kind mit dem Bade aus. Übrigens trifft dies nicht nur auf die Kirche zu.

    Wo es um Geld geht und Macht, da hört bei Menschen leider auch die Freundschaft auf, beim Staat die Menschenrechte und bei der Kirche die Geschwisterlichkeit. Also den Staat betreffend: Auch die damalige Kirchentagspfarrerin (in Dortmund) sagte in ihrer Predigt, Flüchtlinge nicht mehr zu retten, das gehe gar nicht. Der Beifall war groß. Als jetzt unser (auch nicht christlicher) Staat in Form der Bundesregierung und auch des Bundestages in ihrer Weisheit beschlossen haben, die Flüchtlingsrettung nicht mehr zu finanzieren, war der Aufschrei der EKD gescheiden. Die größte Dummheit von unserem ehrenwerten Außenminister bestand zudem in der Aussage, früher seien ja auch keine Rettungsschiffe auf dem Mittelmeer gefahren und außerdem sei es auch erlaubt und geboten, wenn man dort Flüchtlingen auf dem Meer zufällig begegne, diese dann erforderlichenfalls auch zu retten. Die Schildbürger würden hier grüßen, wäre es nicht eigentlich ein Skandal und ein Beweis, daß man immer und überall Geld sparen darf, nur nicht jenes von reichen Leuten.

    Und selbstverständlich ist jeder kirchliche Machtmissbrauch – und hier insbesondere der Skandal von sexuellem Mißbrauch – ein sehr großes Unrecht. Aber es sind immer Menschen, die Unrecht praktizieren, auch in der Kirche. Für das Herausfinden des Unrechtes hat der moderne Staat mit seiner Gewaltenteilung die richterliche Gewalt. Die muss man dann alarmieren, wenn eine Institution Unrecht produziert. Aber das sind keine Systeme, die nicht funktionieren, sondern einzelne oder viele Menschen. Im übrigen ist es auch eine psychologisch Form des Selbstbetruges, das System, die Institution, den Staat und die Kirche, für Fehler zu kritisieren, die im Prinzip einzelne Menschen tun. Es ist auch zumindest teilweise ein ursprünglich marxistisches Erklärungsmuster, ein System für schuldig zu erklären, weil das System angeblich die Menschen formt und damit sehr fremdbestimmt. Wir als Christen sollte diese Denke ablehnen. Ich muss mir zuerst immer meinen eigenen Balken aus dem Auge ziehen, bevor ich andere Leute zulässigerweise kritisiere. Nicht ein System dieser Welt macht Menschen schlecht, sondern sie sind schlechte Menschen wenn sie Empathie nicht praktizieren und ihre Mitmenschen nicht lieben. Aber dafür gibt es die beste Erfindung des Himmels: Unser eigenes Gewissen. Für Kirchen gilt immer, daß ihre Gremien kollektive Verantwortung haben, aber jeder mit dieser Verantwortung muss auf sein Gewissen hören und die regelbasierten Vorgaben wegen dem Sexuellen Mißbrauch beachten. Eine Aufarbeitung ist nur mit außenstehenden Fachleuten möglich, insoweit die Kirche im Innenverhältnis und nach dem Kirchengesetzen dafür zuständig ist. Jede Art von Selbsttherapie, so darf man voraussetzen, scheidet dabei immer aus.

    • Du hast Recht und wieder doch nicht.

      Schuldig sind immer Menschen. Einzelne und Gruppen.

      Organisationen sind aber eben Gruppen von Menschen.

      Und bei den Kirchen hat sich gezeigt, dass der Missbrauch keine von der Kirche unabhängigen Taten einzelner waren sondern durch die Organisation begünstigt, unterstützt, verheimlicht und oft auch erst ermöglicht.

      Damit wird die Struktur der Kirchen verantwortlich und kriminell.

      So etwas gibt es auch im Strafrecht, z.b. terroristische oder kriminelle Vereinigungen. Da ist ja nicht die Vereinigung als Sache schuldig sondern alle, die ihr angehören.

      Ich denke, diese Schuldschwelle für alle haben wir inzwischen bei den Kirchen überschritten. Jeder weiß von den Verbrechen, wenn auch immer noch nicht mal ansatzweise alles bekannt ist.

      Und wer jetzt diese Organisation weiter unterstützt, wird eben mitschuldig.

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