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Gebetsmuffel gründet Gebetshaus

Rainer Harter findet für Gebetsabende regelmäßig Ausreden. Ausgerechnet er erhält von Gott den Auftrag, ein Gebetshaus zu gründen. Heute betet er mehrere Stunden täglich.

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Mit diesem Artikel starten wir die Serie „Wir beten, weil wir lieben“, die Gebetshaus-Gründer Rainer Harter für das Hauskreismagazin des SCM Bundes-Verlags geschrieben hat. In den nächsten Tagen folgen die weiteren Teile der Serie.

Zu beten ist einerseits „logisch“ für uns Christen, andererseits treffe ich auf viele, denen das Beten schwerfällt. Ihre persönlichen Gebetszeiten empfinden sie als langweilig und das Gebet im Hauskreis ist auch nicht besonders prickelnd: Immer wieder beten dieselben, manche verkünden unter dem Deckmantel eines Gebets eher ihre theologischen Überzeugungen. Dann gibt es noch die Momente peinlicher Stille, wenn in einer Gebetsrunde niemand beten will …

Ich kenne diese Herausforderungen sowohl im persönlichen Gebet, als auch im Kontext von Gruppen. Viele Jahre habe ich selbst Hauskreise geleitet und anschließend Hauskreisleiter betreut. In dieser Kolumne möchte ich euch auf eine Reise ins Gebet mitnehmen. Dabei soll jede Etappe mehr in die Freude und die Tiefe des gemeinsamen Betens hineinführen. Ich möchte Herausforderungen anschauen, Tipps geben und ermutigen, das gemeinsame Gebet vielleicht ganz neu zu entdecken.

Gebet neu entdecken

Beginnen möchte ich – ihr werdet es ahnen – mit einem Gebet: „Vater, ich bete, dass du uns im Laufe der kommenden Artikel durch deinen Geist inspirierst und unser Beten im Hauskreis zu einem gemeinsamen Akt der Liebe machst. Führe uns tiefer in das Mysterium der Kommunikation zwischen unserer Endlichkeit und deiner Unendlichkeit, zwischen Menschen und Gott. Belebe unser Gebet im Hauskreis ganz neu. Amen.“

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Ende der Neunzigerjahre wurde mit großer Spannung der „Year 2000 bug“ erwartet. Man befürchtete, dass die Jahreszählung bei vielen Computersystemen beim Wechsel ins neue Millennium kollabieren würde. Für mich persönlich war das Jahr 2000 ebenfalls ein Neuanfang, denn um diese Zeit begann für mich die Neuentdeckung des Gebets. In den davor liegenden Jahren war „Gebet“ eher ein schwieriges Thema.

Wenn in meiner Gemeinde zu einem Gebetsabend aufgerufen wurde, kam ich regelmäßig in die Klemme: Ich gehörte nämlich zu den Leitern und hatte dadurch eine Vorbildfunktion, aber ich wollte trotzdem nicht hingehen. Ich wusste, wie anstrengend die Zeit für mich werden würde. Also suchte ich nach einer Ausrede – und wurde regelmäßig fündig.

Damals war Gebet für mich eher eine Art Verpflichtung und darüber hinaus hatte es hauptsächlich einen funktionalen Charakter. So geht es vielen Christen. Bei mir änderte sich der Zugang zum Gebet erst 1999, als ich mich für ein Jahr aus den meisten der zahlreichen Verantwortlichkeiten in der Gemeinde verabschiedet hatte, um mehr Zeit für die persönliche Beziehung zu Gott zu haben. Als jungem Familienvater mit einem Karrierejob blieb dafür sonst kaum Spielraum.

Ein Gebetshaus gründen? Ich?

Völlig unerwartet sprach Gott am Ende dieses Jahres in mein Herz hinein: Ich solle ein überkonfessionelles Gebetshaus gründen. Ich? Damals hätte man auf den Gedanken kommen können, dass Gott an dem betreffenden Tag seine Brille verlegt hat.

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Zu der Zeit gab es in Deutschland keine Gebetshäuser, wie wir sie heute kennen, deshalb musste ich mich selbst auf den Weg machen, um herauszufinden, was es denn mit dem Beten auf sich hat und wie ein Gebetshaus aussehen könnte. Im ersten Jahr des neuen Milleniums begab ich mich auf eine regelrechte Forschungsreise durch die Bibel und die zweitausendjährige Kirchengeschichte. Ich lernte das Staunen und erkannte, dass Beten viel mehr ist als das, was ich aus meiner Kirche kannte, ja sogar mehr als die Summe der unterschiedlichen Gebetstraditionen zusammen!

Beten = Lieben

Stück um Stück wurde mir klar, dass es beim Beten weniger um eine bestimmte Form oder um besonders fromme Worte geht, sondern immer die Interaktion mit einer Person im Vordergrund steht. Der Durchbruch erfolgte, als ich erkannte, dass es sich beim Beten letztlich um eine „Liebesreaktion“ handelt: Heute kann ich nicht anders, als mit dem ins Gespräch zu kommen, der mich so sehr liebt und will unbedingt mit meinen Handlungen, aber eben auch mit meinen Gebeten darauf antworten. Mit meiner Fürbitte wiederum möchte ich auf seine Liebe zu den Menschen reagieren. Auf den Punkt gebracht lautet mein Verständnis über Gebet heute folgendermaßen: Beten = Lieben.

Diese Sichtweise macht einen gewaltigen Unterschied. Von dieser Grundlage aus zu beten, ist nicht kompliziert. Wenn das Gebet einem Herzen entspringt, das fasziniert und erfüllt von der Liebe Gottes ist, bricht es sich wie von selbst Bahn. Nicht umsonst stehen in Lukas 6,45 die folgenden Worte Jesu: „Aus der Fülle des Herzens redet der Mund.“

Ökumene bringt Reichtum in Gebetszeiten

Im Jahr 2001 habe ich dann mit Freunden zusammen tatsächlich den Vorläufer des heutigen Gebetshauses Freiburg gegründet. Von Beginn an stand das gemeinschaftliche Beten im Vordergrund und von Anfang an waren wir ökumenisch aufgestellt. Das brachte einen unglaublichen Reichtum in unsere Gebetszeiten, den die Christen aus den verschiedenen Traditionen mitbrachten. Bis heute lernen wir voneinander und inspirieren uns gegenseitig.

2011 habe ich auf dem Höhepunkt meiner Karriere in einem Forschungsinstitut dort gekündigt, um vollzeitlich im Gebetshaus zu arbeiten. Es war zu dem Zeitpunkt so stark gewachsen, dass ich meine Aufgaben nicht mehr ehrenamtlich ausfüllen konnte.

Gebet ist kein religiöser Zwang

Mein Alltag heute ist von Gebet durchdrungen. Meist bete ich mehrere Stunden am Tag – in ganz unterschiedlichen Formaten und mit vielen verschiedenen Menschen. Das Gebetshaus ist auf mittlerweile 150 Mitarbeiter gewachsen und eine feste Größe in unserer Stadt und darüber hinaus geworden.

Glücklicherweise wird das Gebet in meinem Umfeld nicht als religiöser Zwang verstanden und auch nicht als endloses Reden gegen die Wand oder eine Wiederholung der immer gleichen Klagen. Das könnte ich nicht ertragen. Wir erleben Gebet gemeinsam als spannend, leidenschaftlich, interaktiv und beflügelnd. Das geht, weil im Vordergrund die spezielle Motivation für das Beten steht, die wir uns zu eigen gemacht haben: Wir beten, weil wir lieben.

Rainer Harter ist Gründer des Gebetshauses in Freiburg. Er ist Autor der Bücher „Intimität mit Gott“, „Brannte nicht unser Herz?“, „Majestät“, „Die Gebetshausbewegung“ (alle SCM) und „Radical Love“ (Herder).

Serie „Wir beten, weil wir lieben“:

Weiterlesen:

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Dieser Artikel ist im Hauskreismagazin erschienen. Das Hauskreismagazin ist Teil des SCM Bundes-Verlags, zu dem auch Jesus.de gehört.

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4 Kommentare

  1. Jeder Mensch ist einn Gedanke Gottes ! Was für ein Auto würde Jesus fahren? Mercedes BMW ,VW oderähnliches ? Nein keines von allen weil er würde zu Fuß gehen um die Menschen persönlich zu erreichen!(Vorschlag zu einer zeitgemäßigen Predigt)

  2. Haben wir neuerdings wieder einen Frömmigkeitswettbewerb, wer am längsten täglich betet? Als ob es Gott darauf ankommen würde. Gott interessiert die Qualität unserer Gemeinschaft mit Ihm und nicht, wer die meisten Gebetsstunden aufzählen kann.
    In diesem Wettbewerb haben sich dereinst schon die Pharisäer begeben und Jesus war alles andere als begeistert davon.
    Zitat:
    „Mein Alltag heute ist von Gebet durchdrungen. Meist bete ich mehrere Stunden am Tag – in ganz unterschiedlichen Formaten und mit vielen verschiedenen Menschen.“ Mal ganz nüchtern betrachtet: Das kann er nur, weil andere ihn finanziell tragen. Wie war da doch gleich mal noch: Ora et labora und nicht: orare et non operantur? (Bete und arbeite und nicht: bete statt zu arbeiten.)

    „Das Gebetshaus ist auf mittlerweile 150 Mitarbeiter gewachsen und eine feste Größe in unserer Stadt und darüber hinaus geworden.“ Und was soll das nun sein? Kloster 2.0? Die alten Klöster brauchen wir so gut wie nicht mehr und nun machen wir neue auf?

    Sorry, aber diesem Trend kann ich wenig abgewinnen. Nicht etwa dem Trend, dass Christen sich wieder mehr auf das Gebet besinnen und Räume dafür vorfinden können. Das ist sehr gut. Doch es geht vor allem um Qualität und nicht Quantität.
    Aber diesen „Gebetshelden“, die sich fürs Gebet auch noch bezahlen lassen, mit denen kann ich gar nichts anfangen.

    Vor dem „Vater unser“ sagte Jesus:
    „Mt 6:5 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler; denn sie lieben es, in den Synagogen und an den Ecken der Straßen stehend zu beten, damit sie von den Menschen gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin. 6 Wenn aber betest, so geh in deine Kammer, und nachdem du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist! Und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten. 7 Wenn ihr aber betet, sollt ihr nicht plappern wie die von den Nationen; denn sie meinen, daß sie um ihres vielen Redens willen erhört werden. 8 Seid ihnen nun nicht gleich! Denn euer Vater weiß, was ihr benötigt, ehe ihr ihn bittet.“ (Rev.Elb.)

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