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Durchs Gebet das Gottesbild verändern

Unsere Wortwahl im Gebet hängt davon ab, ob wir Gott als liebenden Vater oder peniblen Buchhalter sehen, meint Gebetshaus-Gründer Rainer Harter. Aber: Unsere Gebete können unser Verständnis von Gottes Wesen erweitern.

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Teil 2 der Serie „Wir beten, weil wir lieben“. Hier geht es zum ersten Teil.

Vielleicht erinnert ihr euch noch, dass ich in Folge 1 über die grundlegende Motivation für das Gebet gesprochen und behauptet habe, dass das Beten eigentlich ein Ausdruck von Liebe ist. Kurz zusammengefasst: In der Anbetung lieben wir Gott, in der Fürbitte lieben wir Menschen.

Dann habe ich die Frage nach der Motivation zum Gebet im Hauskreis ins Spiel gebracht und mit Blick auf Folge 2 abschließend gefragt, warum ihr im Hauskreis betet und wie ihr das tut. Ich hoffe, ihr hattet einen guten Austausch darüber!

Worte fürs Gebet haben mit Gottesbild zu tun

Heute geht es um die Worte, die ihr beim Beten verwendet. Wenn ihr im Hauskreis betet, dann tut das wahrscheinlich jede und jeder mit ganz bestimmten Worten. Manche verwenden Formulierungen, mit denen sie ihre geistlichen Vorbilder nachahmen, andere beten viel mit den Worten der Bibel und wieder andere sprechen mit Gott wie mit ihrem besten Freund. Aber es gibt auch Menschen, denen es schwerfällt, Worte zu finden.

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Unsere Art zu beten – unsere Wortwahl, unsere Haltung, unsere Themen –, das alles hat viel mit unserem Gottesbild zu tun. Wer mit Gott vor allem einen peniblen Buchhalter in Verbindung bringt, wird andere Gebete formulieren und mit einer anderen Herzenshaltung bitten und danken als Menschen, die das Bild des liebenden Vaters verinnerlicht haben.

Unsere Gebete können unser Gottesbild verändern.

Doch es geht auch andersherum: Unsere Gebete können unser Gottesbild verändern.

Vor vielen Jahren hörte ich einen bekannten Prediger sagen, dass es lohnenswert sei, seine persönlichen Gebetszeiten mit den Worten „Hier bin ich, deine Geliebte bzw. dein Geliebter“ zu beginnen. Er bezog sich damit auf den allegorischen Vergleich der Hirtin Sulamith und des Königs Salomon im Hohelied.

Viele Theologen sehen nämlich darin das Bild von der Gemeinde als Braut und Christus als Bräutigam und König. Weiter meinte er, dass man dies eine längere Zeit tun sollte, um dann irgendwann zu realisieren, dass die Worte stimmen. Im Sinne von: „Mach es zwei Wochen und du fühlst dich komisch, mach es zwei Jahre und dein Herz wird verändert.“

Eigenschaft Gottes in Fokus der Gebetszeit stellen

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In einer späteren Folge werde ich ausführlicher über das Beten mit der Bibel sprechen, jetzt möchte ich euch einen Vorschlag machen, bei dem keine biblischen Passagen, sondern nur bestimmte Charaktereigenschaften und Rollen Gottes den Fokus eures gemeinsamen Gebets bilden.

Ich schlage vor, dass ihr in den kommenden Wochen in eurer Gebetszeit im Hauskreis jeweils eine ganz bestimmte Eigenschaft Gottes in den Vordergrund stellt, auf die ihr dann in euren Gebeten Bezug nehmt und sie entsprechend formuliert.

Zum Beispiel einigt ihr euch darauf, Gott, den Vater, im Gebet anzusprechen. Wählt dafür Gebetsanliegen aus, in denen sein Eingreifen als Vater „gefragt“ ist. Passende Gebete könnten durchdrungen sein von Worten der Innigkeit und Vertrautheit, religiöse Floskeln sollten darin keinen Platz haben. Auch die Bitten an den Vater wären entsprechend formuliert und würden zum Beispiel darauf abzielen, dass seine Vaterschaft sich euch und anderen offenbart.

Gebete werden zielgerichteter

Ein anderes Beispiel wäre, zu Gott als König zu beten. Dabei könnten die Aspekte seiner Herrlichkeit, Stärke und Majestät und das Beten um das Kommen seines Reiches im Vordergrund stehen. Weitere Möglichkeiten wären, Gott beim Beten bewusst als Schöpfer, Hirte, Tröster, als Herrn, Erlöser, Ratgeber, Gott der Gerechtigkeit oder als den Allmächtigen anzusprechen.

Das Beten entlang der Charaktereigenschaften, Namen und Rollen Gottes kann dazu führen, dass eure Gebete „breiter“ werden, euer Verständnis über sein Wesen wächst und dass die gesprochenen Gebete zielgerichteter sind. Zudem weckt es die Aufmerksamkeit beim Beten. Viel Freude beim Ausprobieren!

Rainer Harter ist Gründer des Gebetshauses in Freiburg. Er ist Autor der Bücher „Intimität mit Gott“, „Brannte nicht unser Herz?“, „Majestät“, „Die Gebetshausbewegung“ (alle SCM) und „Radical Love“ (Herder).

Serie „Wir beten, weil wir lieben“:

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Dieser Artikel ist im Hauskreismagazin erschienen. Das Hauskreismagazin ist Teil des SCM Bundes-Verlags, zu dem auch Jesus.de gehört.

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2 Kommentare

  1. Wir sollen uns kein Bild von Gott machen. Kinder Gottes zu sein, war ein Grundanliegen von Jesus. Das „Vater unser“ ist der wichtigste Baustein aller Gebete zum Herrn in seiner Grundsätzlichkeit. Gott ansprechen zu dürfen, als „Vater“ ist nur möglich, wenn wir „den Weg des Herrn“ gehen. Die Gottesliebe zum Menschen, ist ohne die Passion Christi nicht darstellbar und ist ein unverdientes Gnadengeschenk für uns Menschen..

  2. Ein richtig guter Artikel und hilfreiche Gedanken. Vor allem geht es ja nicht nur darum das richtige Gottesbild zu haben (es gibt so viele wie es Christinnen und Christen gibt), sondern dass vor allem auch ein Ausdruck eigener Glaubens- und Gotteserfahrung sein darf. Der leider oft viel geschmähte Ökumenische Rat der Kirchen – als Vertreter*innen von über 300 Kirchen – bringt eine große Buntheit an Frömmigkeitstraditionen mit. Aber in der weltweiten Christenheit, ebenso mit unseren katholischen Geschwistern, gibt es überall diese Erfahrung mit Gott, die uns Jesus Christus selbst liebevoll schildern. Da geht es im Gleichnis um den Verlorenen Sohn. Er bleibt immer Sohn (oder sie eine Tochter) bei fast jeder Mutter und Vater, auch abtrünnig, in der Ferne, auf Abwegen und in jeder Not und Sünde. So ist auch er als unser Gott und nur vollkommener, als unsere innere Heimat, zu der wir immer wieder zurückkommen dürfen. Die Geschichte von der herzlichen Aufnahme zuhause ist bekannt – Gott ist ein zärtlicher Schöpfer. Dazu hat er auch den Menschensohn geschickt, ein Mensch wie wir, aber in ihm wohnte ganz Gott. An Jesus, seinen Gleichnissen, den Umgang mit seinen Mitarbeiter*innen, seiner Bergpredigt und letztlich dem Tod am Kreuz anstelle unserer Schuld wird gezeigt: Es gibt keine größere Liebe, und niemand und nichts ist mehr das absolut Gute wie der Schöpfer aller Dinge.

    Dabei ist Gott unendlich groß als Erschaffer eines fast unendlichen Universums, mit wahrscheinlich 1 Billionen Galaxien. Dabei hat jede Galaxis 200-400 Milliarden Sonnen. Zudem wird dieses 13,7 Milliarden Jahre alte Weltall noch 1 hoch 27 Jahre alt. Aber wenn ich sterbe gehe ich nur durch eine Tür und bin sofort da wo das Paradies ist, nämlich in einem Zustand in dem Gott „alles in allem“ ist: Gottes Neue Welt: Ein völlig neues Universum. .
    Gott ist ein persönlicher Gott, wie eine Mutter und ein Vater. Trotz seiner Größe. Mit ihm darf jeder und jeder immer sprechen. Denn das Beten drückt unsere Liebe aus, denn Er liebt jeden Menschen unendlich, sonst wollte er nicht jeden erlösen. Und wir dürfen ihnen zurücklieben. Er hat meine Gebete immer beantwortet, auch viele meiner Wünsche – aber nicht alle erfüllt.

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