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Hauskreise leiten – aber wie?

Gemeinsam in der Bibel lesen, miteinander beten und Gemeinschaft haben: Hauskreise bieten – gerade in der Krise bei Abstand und Sorge – viel Potenzial. Doch wie kann ein Hauskreis gelingen? Worauf sollte man als Leitung achten?

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Der erste Hauskreis, den ich geleitet habe, war gleichzeitig meine erste Erfahrung mit einer Kleingruppe. Ich hatte ihn gegründet, weil ich einen Dienst brauchte, der mich durch mein Theologiestudium begleiten sollte. Dass diese fünf Frauen mein Leben so stark prägen und bereichern würden, hätte ich nicht für möglich gehalten. Wir kannten uns anfangs kaum und sind nach kurzer Zeit zusammengewachsen wie Schwestern.
Ich denke noch immer gern an unsere Abende in der WG, die gemeinsamen Spaziergänge über die Felder, Filmabende in meinem Wohnzimmer oder wie mein Mann und ich ihnen verkündeten, dass wir unser erstes Kind erwarten, und sie kurze Zeit später für mich da waren, als meine Schwester gestorben war. Sie waren zu unserer Familie geworden und sind es teilweise noch heute.

Ein Ort der persönlichen Gespräche

Es war nicht in erster Linie die tolle Gemeinschaft, die uns verband, sondern der gemeinsame Herzschlag. Wir liebten Jesus, wir wollten wachsen, und ich als Leiterin war – aus meiner Sicht zumindest – diejenige, die am meisten gelernt hat. „Kleingruppen sind der erste Atem der Kirche“, sagt der Pfarrer Hans-Hermann Pompe. Das lesen wir in Apostelgeschichte 5,42: „Und sie hörten nicht auf, jeden Tag im Tempel und in den Häusern zu lehren und Jesus als den Christus zu verkündigen.“ Die Zeit im Tempel hatte nicht gereicht. Die ersten Christen wollten mehr. Sie wollten tiefer. Und das gemeinsam.

Die Gemeinde bietet uns Lehre, Gemeinschaft, Lobpreis und vieles mehr. Ein Hauskreis kann dies durch enge, persönliche Gespräche ergänzen. Wir können tiefer in das Gelernte einsteigen. Hier können wir persönliche Fragen stellen oder von Kämpfen und Zweifeln erzählen, durch Krisen begleiten und das Leben teilen.

Meine drei größten Fehler

Für mich war der Hauskreis auch der Anfang meiner Berufung. Gott hatte mir deutlich gezeigt, dass er mich in der Arbeit mit Frauen gebrauchen möchte. Ich begann damit, auf Veranstaltungen zu predigen, Mädchen und Frauen seelsorgerlich oder als Mentorin zu begleiten. Aber die Arbeit in einer Kleingruppe blieb einzigartig und besonders für mich. Nachdem „meine fünf Mädels“ weggezogen waren, übernahm ich die Teenie-Mädchen meiner Freundin. Ich hatte es mir genauso schön und erfüllend vorgestellt, doch ich musste schnell lernen, dass nicht jede Gruppe gleich funktioniert und dass es große Herausforderungen geben kann.

1.Nicht auf meine Grenzen achten

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Als meine Freundin mich fragte, ob ich ihre Mädels übernehmen würde, sagte ich direkt zu. Ich hatte weder mit Gott darüber gesprochen, noch hatte ich mir bewusst gemacht, was dies bedeuten würde so kurz nach der Geburt meines zweiten Kindes. Sollte ich nicht jede Gelegenheit wahrnehmen, um Gott zu dienen und mich in andere Frauen zu investieren? Es war doch eine so erfüllende Aufgabe. Aber es war nicht meine Zeit. Das war mir irgendwo klar, aber ich wollte es unbedingt. Ich ging dafür über meine Grenzen hinaus und fast daran kaputt. Mein Ausweg war, eine zweite Leiterin ins Boot zu holen und bald darauf auszusteigen.

Uns muss bewusst sein, dass Hauskreisarbeit nicht bedeutet, zwei Stunden in der Woche einen netten Abend zu haben. Dieser Dienst fordert sehr viel mehr Zeit und auch Kraft, als wir anfangs denken. Es kann sogar bedeuten, eine andere Aufgabe abzugeben, um wirklich Raum zu haben für diese Beziehungen.

2.Nicht auf das Eingehen, was die Frauen sich wünschen

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Oder in diesem Fall die Mädchen. Ich dachte, was in meinem ersten Hauskreis geklappt hat, wird auch hier einschlagen. Doch irgendwann, viel zu spät, habe ich gemerkt, dass unsere Erwartungen sich nicht deckten. Sie wollten etwas anderes, als was ich ihnen geben wollte oder zu dieser Zeit konnte. Dies wäre vermeidbar gewesen, wenn ich direkt zu Beginn gefragt hätte, wo ihre Interessen lagen und was genau sie sich vorstellten. Ein wichtiges Prinzip, das ich in der Frauenarbeit gelernt habe, gilt auch hier: Finde eine Balance zwischen dem, was die Frauen brauchen, und dem, was sie sich wünschen.

3.Die falsche Motivation

Leitest du einen Hauskreis, weil es sonst niemand macht? Oder hast du das Gefühl, die Frauen brauchen dich? Mit dieser Einstellung wirst du keine Ausdauer in dieser Arbeit haben oder sie wird zwischen dir und den Frauen stehen. Das habe ich leider auch schon erlebt. Diesmal war ich allerdings klüger und habe meine spontane Zusage schnell wieder zurückgenommen. Wenn du nicht mit ganzem Herzen dabei bist, wirst du nicht du selbst sein können. Dabei ist es wichtig, dass wir als Leiterinnen authentisch und ehrlich sind, auch zu unseren Schwächen stehen, damit die anderen sich öffnen können.

Deshalb ist es so wichtig, dass du weißt, warum du diesen Dienst tust. Die Frage ist: Hat Gott dich dazu beauftragt? Ein Dienst ist immer ein Weg für Gott, an uns zu arbeiten, uns zu formen und uns wachsen zu lassen. Wir dürfen daran mitwirken, wenn Gott Menschen berührt und verändert, ja sogar unseren Teil dazu beitragen. Es ist ein Segen für uns.

4 Tipps für eine gelingende Hauskreisarbeit

1. Ein Ziel setzen

Warum tue ich, was ich tue, und wo möchte ich hin? Ich brauche ein Ziel, auf das ich zusteuern kann. Ein Ziel, das mich motiviert und das ich messen kann, um immer wieder zu refl ektieren, ob ich in meiner Leitung noch auf dem richtigen Weg bin. Bevor ich mir überlege, was ich mit den Frauen vorhabe, muss ich ihre Welt verstehen. Was sind ihre Lebensumstände und Nöte, die sie haben? Denn es geht nicht um meine Interessen, sondern darum, die Frauen dort abzuholen, wo sie sind, und auf sie einzugehen.

Außerdem brauchen wir als Hauskreis eine Vision. Ein gemeinsamer Fokus schweißt zusammen. Wir müssen wissen, warum wir uns treffen. Es ist gut, diese Vision gemeinsam zu entwickeln. Im Gebet, unter der Leitung des Heiligen Geistes. Er wird uns zeigen, welchen Schwerpunkt wir legen sollen, schließlich muss nicht jeder Hauskreis gleich aussehen. Manche legen eine Betonung auf das Bibelstudium, andere nehmen sich besonders viel Zeit für das Gebet. Wieder andere möchten nichtgläubige Menschen einladen. Der Schwerpunkt kann sich nach einiger Zeit verändern. Wichtig ist nur, Klarheit und Einheit zu schaffen.

2. Beziehungen aufbauen

Wenn wir als neue Gruppe zusammenkommen, ist nicht auf Anhieb Vertrauen da. Es braucht Zeit, bis dieses entstehen kann. Wenn ich einen möglichst persönlichen Austausch anstrebe, ist es wichtig, dass wir uns Zeit nehmen, in das Kennenlernen zu investieren und die Beziehungen aufzubauen. Das erreichen wir, wenn wir entsprechende Themen wählen, aber auch die Gemeinschaft fördern, indem wir uns Zeit nehmen, um zusammen zu essen oder auch außerhalb des festen Termins etwas miteinander zu unternehmen. Wenn wir Raum schaffen, um miteinander zu lachen, dann wird es leichter, auch miteinander zu weinen. Und wenn das Vertrauen da ist, können wir in unseren Themen und Fragen tiefer gehen.

Ich habe in meinem ersten Hauskreis erlebt, dass es auch nach einem Höhenflug wieder bergab gehen kann. Dass Gruppen durch verschiedene Phasen gehen, ist normal. Die Frage ist, wie wir damit umgehen, wenn es plötzlich vermehrt zu Konflikten kommt oder einige Frauen häufig absagen. Dadurch wird das Vertrauensverhältnis gestört. Wenn wir einander wieder näherkommen wollen, ist es wichtig, Konflikte zu lösen und wieder zueinanderzufinden, indem wir mehr Zeit miteinander verbringen, das gemeinsame Lachen wiederfinden und uns neu auf unser Ziel ausrichten.

3. Die Frauen aktivieren

Es ist nicht meine Aufgabe, den ganzen Abend zu reden. Das ist nicht nur eintönig, sondern auch wenig effektiv. Die Frauen werden viel mehr herausgefordert, wenn sie selbst zu Wort kommen. Das erreiche ich in erster Linie durch Fragen. Und selbst wenn die Frauen Fragen an mich stellen, kann ich diese zurück in den Raum werfen oder wir schlagen die Bibel auf und machen uns gemeinsam auf die Suche nach der Antwort. Ich kann auch jemand anders bitten, den Abend anzuleiten bzw. das Thema vorzubereiten. Oder ich überlege mir kreative Elemente, die zum Thema passen und die Frauen aktivieren. Wir können uns Aktionen einfallen lassen, bei denen wir als Hauskreis der Gemeinde dienen oder uns in die Gesellschaft einbringen können.

4. Ein Hauskreisleiterforum

Einen Hauskreis zu leiten, fordert heraus, wirft Fragen auf und führt manchmal an die eigenen Grenzen. Wäre es nicht super, wenn es jemanden gäbe, mit dem wir darüber sprechen könnten? Einen Mentor oder eine Mentorin für alle Hauskreisleitenden der Gemeinde, der Orientierung gibt und schult. Oder einfach eine Art Forum, in dem man sich aussprechen und Erfahrungen austauschen kann. Natürlich ist es dabei wichtig, keine persönlichen Dinge der Gruppe weiterzugeben, aber es können Probleme besprochen, Ideen gesammelt werden und vor allem kann man einander ermutigen und gemeinsam beten.

Daran mitzuwirken, dass Frauen Gott begegnen und in ihrem Wachstum voranschreiten – ob durch einen Hauskreis oder auf eine andere Weise – ist eine der schönsten Aufgaben, die Gott mir anvertraut hat. Ich habe daraus so viel gelernt und bin selbst gesegnet worden.


Diesen Artikel schrieb Regina Neufeld zuerst für die Zeitschrift Joyce. Die Joyce erscheint regelmäßig im SCM Bundes-Verlag, zu dem auch Jesus.de gehört.

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