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Hilfstransport: 34 Stunden ohne Schlaf

Krieg in der Ukraine: Dramatische Situationen erfordern schnelle Entscheidungen. Eckhard Stolz fuhr 2.600 Kilometer in zwei Tagen, um Hilfsgüter für Geflüchtete zu liefern.

Eckhard, andere legen nach einer harten Arbeitswoche die Füße hoch. Du bist dagegen 2.600 Kilometer bis zur polnisch-belarussischen Grenze gefahren, um Hilfsgüter abzuliefern. Warum?

Den Krieg in der Ukraine habe ich im Fernsehen verfolgt. Schrecklich. Mir war klar: Ich möchte helfen. Große Reden sind nicht mein Ding, ich muss immer etwas machen – was sinnvoll ist, wo den Menschen geholfen wird …

Und wie kam es dann zu dieser Hilfsgüterfahrt?

Der TuS Ennepetal [ein Fußballverein im Ruhrgebiet / Anmerkung der Redaktion] hat Kontakt zu einem ehemaligen Spieler, der an der polnisch-belarussischen Grenze wohnt und sich jetzt für die Flüchtenden einsetzt. Der Verein hatte entschieden, Hilfsgüter dorthin zu schicken. Ich wollte eigentlich nur als Unterstützung Kartons von meinem Arbeitgeber vorbeibringen, habe dann aber drei Tage beim Packen mitgeholfen.

„Naja, und da ich für dieses Wochenende keine Schalke-Karten hatte, war die Sache für mich klar.“

Am vergangenen Freitagabend gegen 19 Uhr haben die mich dann gefragt: „Eckes, du kommst doch immer mit dem Sprinter?! Uns ist einer ausgefallen. Hast du Lust, in sechs Stunden zur polnisch-belarussischen Grenze aufzubrechen? Wir fahren um zwei Uhr nachts los.“ Naja, und da ich für dieses Wochenende keine Schalke-Karten hatte, war die Sache für mich klar. [lacht]

Was hat deine Frau dazu gesagt, dass du spontan nach Polen fährst?

Sie fand die Aktion super! Meine Familie stand voll dahinter. Wir haben noch eine zweite Wohnung, die wir bereitstellen würden, falls Geflüchtete nach Nordrhein-Westfalen kommen.

Du bist mit dem Sprinter deines Arbeitgebers gefahren … Wie hat dein Chef darauf reagiert?

Nachdem wir den Wagen mit Hygieneartikeln und etwas Kleidung vollgepackt hatten, habe ich ihm ein Foto davon geschickt. Gefragt habe ich nicht wirklich. [lacht] Ich habe nur gesagt, dass ich dieses Wochenende nach Polen fahre. Nicht dass der denkt: Wo ist der Stolz das ganze Wochenende mit dem Auto? Aber er fand es dann auch eine klasse Idee.

Wie verlief die Fahrt?

Wir haben uns um zwei Uhr nachts am Vereinsheim des TuS Ennepetal getroffen, Zwischenstopps ausgemacht und dann ging es auch schon los. Fünf Sprinter mit je zwei Personen. Wir haben uns viel unterhalten und laut Musik gehört. Jeder hatte Cola und Energy Drinks dabei, Schokolade und all so‛n Mist. Es hat richtig Spaß gemacht.

Wer war außer dir dabei?

Alles Freiwillige aus dem Sportverein. Typen, die wirklich gerne helfen. Das hast du denen abgespürt. Da hat sich jeder auf die Tour gefreut. Einer suchte noch einen Mitfahrer und hat einen Freund angerufen. Der kam dann extra aus Bremen, hat also weit über 3.000 Kilometer an dem Wochenende zurückgelegt.

Zwischendurch hat man übrigens total viele andere Kleintransporter mit deutschem Kennzeichen gesehen.

Was habt ihr am Zielort erlebt?

Am Samstagnachmittag gegen 17 Uhr sind wir an der Lagerhalle im polnisch-belarussischen Grenzgebiet angekommen. Geflüchtete haben wir nicht gesehen, weil es schon spät war und die Lagerhalle außerhalb der Stadt liegt. Wir haben aber die enorme Hilfsbereitschaft der Polen erlebt! Es waren bestimmt 10, 15 Leute da, die kamen und uns beim Ausladen geholfen haben.

Wir haben dann eine Kleinigkeit gegessen, ab aufs Klo und nach einer Stunde sind wir zurückgefahren. Um kurz vor zehn am Sonntagmorgen waren wir wieder in Ennepetal. Ich bin direkt in den Gottesdienst gegangen und danach ins Bett gefallen. Von der Predigt habe ich nicht wirklich viel mitbekommen, denn ich hatte 34 Stunden nicht geschlafen. [lacht]

Habt ihr mit der einen Fuhre schon alle gesammelten Hilfsgüter hingebracht?

Nein, wir hatten nur zwei bis drei Paletten pro Auto dabei. Diese Woche fahren noch mal vier große Lastwagen mit den restlichen 120 Paletten rüber. So viel wurde gesammelt. Die Leute sind echt hilfsbereit, das ist großartig!

Danke für das Gespräch, Eckhard.

Die Fragen stellte Pascal Alius.

Transparenzhinweis: Eckhard Stolz (52) arbeitet im Versand des SCM Bundes-Verlags, zu dem auch Jesus.de gehört. Er hat schon früher Hilfsgüter nach Bulgarien und Serbien gefahren. Mit der FeG-Auslandshilfe hat er nach dem Kosovo-Krieg vor Ort beim Wiederaufbau von Häusern geholfen.

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1 Kommentar

  1. Faszinierende Hilfsbereitschaft

    Egal ob Flutkatastrophe im Aartal, oder dieser unsägliche Krieg in der Ukraine nebst Atomkriegsgefahr: Die Hilfsbereitschaft scheint in aller Regel mit der Größe des Fiaskos zu wachsen. Ich sehe einerseits die Realität des Bibelverses „wir sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes, den wir vor Gott haben sollten“! Der Vers ist realistisch, sogar ganz brutal, wenn man den Krieg als die totale Verweigerung auffasst den Willen Gottes zu tun. Vor allem wenn eine Großmacht ohne jeden Grund einen Nachbarstaat mit Gewalt und Tod übersät. Aber Menschen die gutes tun, in großem Leid völlig uneigennützig auch über längere Zeiträume helfen, lassen zweifeln: Sind wir nur Kain ? Oder sind wir auch ein wenig nach dem Schnittmuster Jesu ? Ich glaube, beides trifft zu. Es gibt nicht nur das Böse und das Gute als zwei sich ausschließende Zustände in unserer Seele und in der Gesellschaft, sondern auch in unserem eigenen inneren Wesen. Ich denke, dass diesbezüglich der gute alte Martin Luther, der doch selbst auch unübersehbare Fehler hatte, zu sehr missverstanden wird. Etwa in der berechtigten Kritik an der Werkgerechtigkeit. Niemand kann Gott für seine Liebe an uns bezahlen mit guten Werken, und daraus gewissermaßen eine beidseitige Geschäftsbeziehung begründen. Die Liebe Gottes ist immer völlig voraussetzungslos. Allerdings ist die Bergpredigt eine ganz praktische und konkrete Beschreibung wie wir eigentlich sein sollten: Liebe üben, barmherzig sein, friedfertig, selbstkritisch und ein Licht der Welt und Salz der Erde. Die Nachfolge Jesu ist die Abstattung von Dank an Gott, seinen Willen nach eigenem Vermögen zu tun. Wenn Jugendliche, Frauen und Männer heute in großartiger Weise den Flüchtlingen in und außerhalb der Ukraine helfen, ist dies immer ein Tun des Willens Gottes.. Dabei kommt es noch nicht einmal darauf an, ob die Helfer*innen Christen sind, sondern dass sie etwas tun was anderen hilft und ihnen u.U. sogar das Leben rettet. Allerdings dürfen wir Gott gerne lieben und als menschlicher Gott wird er sich darüber freuen. Und wenn wir ihn lieben dürfen wir auch Dank abstatten, in dem wir seine Liebe weitergeben. Die Fußwaschung Jesu an seinen Jüngern ist so ein wunderbares Bild wie es sein könnte, wenn die Hierarchie unter uns Menschen sich auflöst in ein Kontakt auf Augenhöhe und die gute Tat den Helfern und Hilfesuchenden gleichermaßen guttut. Denn es gibt keine größere und mächtigere Wirklichkeit als jene der Liebe, denn sie ist göttlich und universell. Wir alle sind ein Ebenbild Gottes, aber wir haben auch den Abgrund in uns alles tun zu wollen was uns in den Sinn kommt, auch die schlimmste Verwirklichung von Unrecht. Unsere Freiheit hat leider auch diese mögliche Nebenwirkung. Sodann wird auch verständlich, warum der Machthaber im Kreml so wenig Rücksicht nimmt auf unsere europäischen Werte.

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