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Hochzeits-Chaos: Keine Trauscheine für homosexuelle Paare in Alabama

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Adam und Steve statt Adam und Eve: Eine Bundesrichterin hat das Verbot der gleichgeschlechtlichen Ehe im US-Staat Alabama für verfassungswidrig erklärt. Doch die zuständigen Richter verweigern schwulen und lesbischen Paaren den Trauschein.

Standesämter in Alabama widersetzen sich einem Urteil des Bundesgerichts, wonach in dem US-Bundesstaat erstmals auch gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürfen. So herrschte in der vergangenen Woche Hochzeitschaos in dem fünf Millionen Einwohner zählenden Staat im Südosten, im "Bible Belt" ("Bibelgürtel"). In Alabama sind Nachlassrichter für Trauscheine zuständig. Nach Angaben des Bürgerverbandes "Human Rights Campaign" stellten Richter am Donnerstag in 26 der 67 Landkreise überhaupt keine Trauscheine aus, und in 18 nur an heterosexuelle Paare. In 23 Kreisen durften alle Paare heiraten.

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Das von vielen Richtern missachtete Urteil zur Homo-Ehe wurde am 23. Januar von Bundesrichterin Callie Granade in Mobile gesprochen, der größten Hafenstadt von Alabama. Dass der Bundesstaat die gleichgeschlechtliche Ehe verbiete, sei verfassungswidrig, befand Granade. Am 9. Februar wurde das Urteil rechtskräftig.

Der Oberste Richter von Alabama, Roy Moore, sprach sich in einem Schreiben an die Nachlassrichter für die Missachtung des Urteils aus. Er gehe um Glaubensfreiheit und die Befugnisse der nationalstaatlichen Bundesgerichte. Im Sender CNN erklärte Moore, Bundesgerichte seien überhaupt nicht autorisiert, neue Definitionen von Ehe zu "erfinden". Der Vorsitzende der Republikanischen Partei von Alabama, Bill Armistead, schrieb auf seiner Webseite, Gott verabscheue die Homo-Ehe und werde Alabama strafen.

Moore, der von vielen konservativen Christen geschätzt wird, hat Erfahrung bei Glaubensstreitigkeiten: 2003 verlor er seinen Posten als Oberster Richter, weil er ein Granitmonument mit den zehn Geboten in einem Gericht aufstellen ließ. Nach bundesrichterlichem Urteil verstieß das Denkmal gegen das Verfassungsprinzip der Trennung von Kirche und Staat. 2012 wurde Moore jedoch erneut zum Richter in Alabama gewählt.

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In den USA sind Traditionalisten offenbar vom Trend zugunsten der Homo-Ehe überrumpelt worden. Vor wenigen Jahren noch konnten konservative Politiker mit Warnungen vor dem Kollaps der Institution Ehe punkten: Gott habe Adam und Eve erschaffen, nicht Adam und Steve, hieß es damals. Doch inzwischen dürfen in 37 der 50 Bundesstaaten gleichgeschlechtliche Paare heiraten – in den meisten aufgrund von Urteilen wie dem in Alabama.

Im Juni befasst sich das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten mit der Homo-Ehe. Fachleute erwarten eine Grundsatzentscheidung für die Legalisierung. Selbst der Präsident der Ethikkommission des südlichen Baptistenverbandes, Russell Moore, erklärte im Informationsdienst seiner Kirche, er rechne mit einer Erlaubnis der Homo-Ehe im ganzen Land.

Der Protest in Alabama erinnerte an den weißen Widerstand gegen Bürgerrechtsgesetze der 50er und 60er Jahre. Damals stellten manche staatliche Schulen im Süden den Betrieb ein, um Integrationsvorschriften zu umgehen. Bei Kontroversen um die Befugnisse nationaler und örtlicher Gerichte gewinnen im Allgemeinen die nationalen. 1967 erklärte der Oberste Gerichtshof das damals noch in 16 Staaten geltende Verbot der Eheschließung zwischen Schwarzen und Weißen für verfassungswidrig. 2003 hob das Gericht Gesetze gegen homosexuellen Geschlechtsverkehr auf, der damals noch in 14 Bundesstaaten illegal war.

Laut dem Public Religion Research Institute (PRRI) sind 54 Prozent der Amerikaner der Ansicht, gleichgeschlechtliche Paare sollten heiraten dürfen. Alabama sei gegenwärtig der Staat mit dem stärksten Widerstand – nur 32 Prozent der dortigen Bürger seien dafür. Bei einem Volksbegehren 2006 stimmten 81 Prozent der Wähler in Alabama für das Gesetz gegen die Homo-Ehe – also für das Gesetz, das laut Bundesrichterin Granade gegen die Verfassung verstößt. Besonders ausgeprägt sei der Widerstand bei weißen Evangelikalen – nur 21 Prozent von ihnen stimmen zu. Mit 60 Prozent hat Alabama eine ausgesprochen hohe Kirchgangsrate.

Der Rechtsstreit hält vorläufig an. Am Donnerstag befasste sich Richterin Granade mit der Klage mehrerer heiratswilliger Paare, denen der Trauschein verwehrt worden war. Der verantwortliche Richter müsse den Schein ausstellen, urteilte die Juristin, die 2002 vom damaligen Präsidenten George W. Bush berufen worden war. Anscheinend jedoch betrifft das Urteil vorläufig nur den einen verklagten Richter. Es werde aber wohl Signalwirkung haben, erklärte die "Human Rights Campaign".

(Quelle: epd)

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