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Kleines Geschenk, große Freude

Mike hat das Downsyndrom. Jedes Jahr zu Weihnachten bekommt sie zu ihrer großen Freude von den Nachbarskindern einen Weihnachtsteller. Doch in einem Jahr scheint die Bescherung auszufallen.

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Von Hanni Rötsches

Meine Schwester und ich wuchsen in einem Dorf im Rheinland auf. Im Sommer spielten wir draußen mit Murmeln und dem Kreisel und fuhren mit den Rollschuhen auf den noch ruhigen Straßen umher. Es war eine schöne und unbeschwerte Zeit.

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Besonderen Spaß hatten wir, wenn unser Nachbarskind Mike zu uns in den Garten kam. Unser Vater hatte einen kleinen Sandkasten gebaut, in dem wir alle zusammen „Kuchen backen“ konnten. Obwohl Mike am Downsyndrom litt und sich nur durch Laute verständlich machen konnte, brachte sie uns durch ihre Gesten und ihre Mimik immer wieder zum Lachen. Doch diese Freude währte nur kurz. Mikes Gesundheitszustand ließ es bald nicht mehr zu, dass sie zu uns kam. Und wir vermissten sie sehr.

Ein Weihnachtsteller für Mike

An Heiligabend desselben Jahres spielten meine Schwester und ich nach der Bescherung glücklich mit unseren Geschenken, als unsere Mutter uns fragte: „Was haltet ihr davon, wenn wir für Mike einen leckeren Teller zusammenstellen und ihn ihr bringen?“ Wir waren sofort Feuer und Flamme und nahmen sogleich einige Köstlichkeiten von unserem Weihnachtsteller. Sogar ein kleines Püppchen gaben wir bereitwillig ab. Mit selbst gebackenen Plätzchen, rotbackigen Äpfeln, Nüssen und glitzernden Schokoladenfiguren liefen wir ins Nachbarhaus. Und Mike freute sich sehr. Sie strahlte uns an, als sie den Weihnachtsteller in Empfang nahm. Immer und immer wieder streichelte sie mit ihren Patschhändchen unsere Gesichter.

In den folgenden Jahren verschoben sich bei uns die Rituale des Heiligabends und die Bescherung begann erst später am Abend. Irgendwann waren unsere Vorbereitungen noch nicht abgeschlossen, als es plötzlich an der Haustür klingelte. Mikes Schwester stand davor, und es war ihr sichtlich peinlich, uns zu fragen: „Kommt ihr Mike in diesem Jahr nicht besuchen?“

Wahre Weihnachtsfreude

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Wir waren ganz erstaunt über diese Frage. „Natürlich kommen wir, so wie in jedem Jahr!“ Zugegeben, hatten wir keine Sekunde darüber nachgedacht, was es wohl für Mike bedeutete, dass wir später kommen würden. Wir wussten nicht, dass sie unruhig auf ihrem Stuhl hin und her rutschte, sich fragend umschaute und sich mit ihren Lauten verständlich zu machen suchte. Erst als sie immer wieder mit dem Finger in die Richtung unseres Reihenhauses zeigte, begriffen ihre Angehörigen, dass sie auf „ihren“ Teller wartete.

In diesem Jahr wurde Mike als Erste von uns beschenkt. Aber in Wirklichkeit waren doch eher wir die Beschenkten. Dieses behinderte Kind hat uns bis an sein Lebensende durch sein Warten auf uns, durch dankbare und zärtliche Gesten und wahre Weihnachtsfreude in seinen Augen beschenkt. Kann denn Weihnachten schöner sein?


Diese Geschichte erschien bei Gerth Medien im Buch „Im Dunkel scheint dein Licht“ von Andi Weiss. Gerth Medien gehört wie Jesus.de zur SCM Verlagsgruppe.

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