Ungewöhnlich scharf hat Papst Leo XIV. die soziale Ungerechtigkeit weltweit angeprangert. Er rief zu einem Wandel auf – und bezeichnete soziale Dienste als „gelebtes Evangelium“.
„Unerwünschte“ werden zunehmend behandelt, als seien sie Müll und keine Menschen, sagte Papst Leo XIV. am Donnerstag bei einer Begegnung mit Vertretern sozialer Bewegungen im Vatikan. Er kritisierte den „Missbrauch der verletzlichen Migranten“ und die weltweite soziale Ungerechtigkeit, berichtet Vatican News.
Es sei paradox, dass „Millionen Menschen keinen Zugang zu Land, Nahrung, Wohnung und Arbeit haben“, während neue Technologien „raffinierte Bedürfnisse“ anderer Menschen befriedigen. Unter dem „Vorwand des Fortschritts“ würden Ungleichheiten erzeugt. Auch unter der Klimakrise leiden „immer die Ärmsten“, prangerte der Papst an. Außerdem kritisierte er die Verherrlichung von wirtschaftlichem Erfolg in sozialen Netzwerken, die Ausbreitung neuer synthetischer Drogen und die Ausbeutung von Bodenschätzen in armen Ländern.
Trotzdem gebe es Hoffnung: Laut Vatican News appellierte der Papst, bedürftigen Menschen beizustehen. Sie seien „unser Nächster, unser Bruder und unsere Schwester. … Wenn Genossenschaften und Arbeitsgruppen gebildet werden, um die Hungrigen zu speisen, Obdachlosen Schutz zu bieten, Schiffbrüchige zu retten, sich um Kinder zu kümmern, Arbeitsplätze zu schaffen, Zugang zu Land zu ermöglichen und Häuser zu bauen, dann dürfen wir nicht vergessen: Das ist keine Ideologie – das ist das gelebte Evangelium.“
(Malin Georg)
Link: Papst: Migranten werden wie Müll behandelt und Völker ausgeraubt (Vatican News)

Gott ist Liebe und heute ist Ninive
Der Papst sagt nichts neues, allerdings leider viel Wahrheit. Denn unter dem Stichwort „Migration stark zurück zu fahren“, auch die Abschiebungen drastisch zu erhöhen, wird (auch unbeabsichtigt) das fatale Narrativ gepflegt: Migranten stören, sind unerwünscht, das Stadtbild verödet darunter, wir haben dunkle Ecken und nachts Angst. Leider formulieren die Parteien der Mitte, nur in etwas friedlicherer Sprache, dass was die Originale an den Hecken und Zäunen der Welt als Alternative verkünden: Wir wollen keine Fremden. Da erscheint eine Willkommenskultur unerwünscht und geradezu naiv. Es verbreitet sich die Idee, es müsste so wie früher werden, wo fast jeder ein weißer Deutscher war und keine bunte Stadtlandschaft, keine Einheit in der Vielfalt. So könnten unsere ungeliebten, aber gern gewählten Rechtsradikalen, hierzulande Heimatgefühle von vorgestern gut verbreiten: Ohne die Realität einer Einwanderungsgesellschaft, ohne Vielfalt der Kulturen und mit sehr stabiler deutscher Leitkultur. Ade ihr schöne Europäischen Werte mit den Menschenrechten, wenn Flüchtlinge ohne Gerichte an der Grenze abgewiesen werden. Dann wird die Mauer zur AfD eingerissen, da es doch Überschneidungen im Mehrheitswillen des Bundestages gibt. Aber es werden bald jene regieren, die uns zurück in die sehr abstruse Zukunft führen. Dann könnte man sich auch einen sanften Trumpismus vorstellen und wieder mehr Nationalstaat. Aber die Bergpredigt ist nicht umformulierbar. Dass die Bibel links wären, würde ich volkstümlich „Bullschitt nennen“. Aber selbst die alten Israeliten pflegten eine sehr revolutionäre Sicht auf eine Zukunft, in der die Schwerter zu Pflugscharen werden und im Gehorsam Gottes die Kriege weltweit geächtet sind. Das Chorstück „alle Menschen werden Brüder“ hat dies vertont und damit die Wahrheit formuliert: Wir alle sind Gottes Kinder, aber leben es nicht. Was ich vergessen habe, was viele vergessen: In der wunderschönen Zukunft der Deutschnationalen fehlt der Klimawandel, aber der wird uns all jenes bescheren, was so manche regelrecht hassen: Riesige Flüchtlingsströme. Wir können es ändern, Ninive ist heute und auch unsere Umkehr zu Gott. Wenn biblisch Gott in allen Dingen und alle Dinge in Gott sind, dann ist er in jedem Menschen mit jeder Hautfarbe und im Flüchtling. Auch in ihm begegnen wir Gott ganz persönlich und er erhebt den hohen Anspruch, geliebt zu werden. Wenn alle lieben, sind auch alle geliebt. Ganz einfach.