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Konfirmation geschafft, Kirche adé?

Überall dasselbe Bild: Nach der Konfirmationszeit kehren die meisten Jugendlichen der Kirche den Rücken. Wirklich überall? Pfarrer Markus Weimer aus Radolfzell und sein Team haben rund sechzig leidenschaftliche Ex-Konfis, die sich mit Begeisterung in ihrer Gemeinde engagieren. Was war der Auslöser? Gibt es ein „Erfolgsrezept“? Es begann ganz schlicht mit einem Gebet, erzählt Markus Weimer.

Herr Weimer, wie inspirieren Sie Ihre Jugendlichen während der Konfirmationszeit?

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Markus Weimer: Bei uns ist es nicht so, dass ich zusammen mit einem Kollegen alleine den Konfirmationsunterricht mache, sondern dass wir ein Team von 20 Trainees haben, ehemaligen Konfirmanden, die die Konfigruppe mit begleiten. So können wir in die Lebenswirklichkeit der Jugendlichen hineinsprechen.

Wie haben Sie es geschafft, die einstigen Konfirmanden so für Kirche zu begeistern, dass sie nach der Konfirmation geblieben sind und nun als Trainees arbeiten?

Das klingt jetzt total fromm, aber am Anfang stand ein Gebet. Als ich vor fünf Jahren hier angefangen habe, stand ich nach der Jugendstunde mit 25 Jugendlichen immer noch in dem Raum und habe gebetet: „Gott, ich wünsch mir, dass dieser Raum einmal nicht mehr ausreicht.“ Sehr kindlich, wie ich das gesprochen habe, aber das Coole ist, was draus geworden ist: Der Raum reicht tatsächlich nicht mehr. Ich habe zu den Teens gesagt: „Hört zu, ich habe richtig Lust, dass das hier weitergeht, aber das, was bei mir Jugendarbeit war, ist nicht mehr das, was heute dran ist. Habt ihr Lust, mit mir gemeinsam neu weiterzudenken?“

„Sie spüren: Da meint es jemand wirklich gut mit mir!“

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Zehn von 25 Konfirmanden sind dabei geblieben. So haben wir die ersten Gehversuche mit dem Traineeprogramm gemacht. Am Ende der vier Jahre bekommen die Jugendlichen die Jugendleitercard und ein ausführliches Trainee-Zertifikat, indem alle Module aufgelistet sind, die sie gelernt haben. Neben den Grundlagen schulen wir sie in den Bereichen Gruppenleitung, Rechtsfragen, Theaterpädagogik, Erlebnispädagogik, Spielpädagogik, Gruppendynamik, usw. Im zweiten Jahr sind sie automatisch im Konfiteam drin – was für alle das Highlight ist.

Und dadurch haben Jugendliche Freude an Kirche und Gemeinde?

Das Rezept war, ihnen nicht irgendwas zu verkaufen, sondern es war ein Gebet und eine ehrliche Leidenschaft, gemeinsam etwas mit den Teens zu entwickeln. Die Jugendlichen entwickeln diesen ganzen Traineeprozess jedes Jahr aufs Neue mit uns weiter. Wir bleiben nicht stehen, wir müssen das immer wieder neu modifizieren. Ganz wichtig: Unser primäres Ziel war es nicht, aus den Jugendlichen Kirchgänger zu machen. Wir wollen mit den Jugendlichen gemeinsam eine neue Form von Kirche entwickeln. Wir sind dabei, einen eigenen Jugendgottesdienst zu machen, genannt Instafam – aus Instagram und Family, einen Namen, den die Jugendlichen selbst gewählt haben. Die Jugendkirche ist eng angedockt an unsere Gemeinde, aber sie wird ihre eigenen Gottesdienste feiern, ihr eigenes Leitungsteam bekommen und ihren eigenen Weg gehen. Wir können uns noch so anstrengen, mit tollen Predigtreihen und hippen Liedern am Sonntagmorgen. Es ist nicht ihre Uhrzeit, es ist auch nicht ihre Community. Es ist ganz wichtig, die Ideen der Jugendlichen zuzulassen und Raum zu bieten, das auszuprobieren und sie dabei gut zu begleiten.

Was kann Kirche Jugendlichen heute noch geben?

Wir möchten als Kirche gerne einen dritten Raum öffnen. Und zwar neben dem Raum Familie, der ja nicht immer nur ein schöner, heiler Raum für die Jugendlichen ist. Und neben dem zweiten Lebensraum Schule und Freunde, wo sie aktiv sind. Gerade in diesem öffentlichen Raum stehen Jugendliche enorm unter Druck. Da müssen sie funktionieren, Leistungen erbringen, da müssen sie gut aussehen, angesagt sein. Unser Ansatz ist es, einen Raum zu schaffen, wo sie frei von Druck sind, wo sie einfach sein können, wo sie mit ihrer Persönlichkeit, mit ihren manchmal auch schrägen Verhaltensweisen sein können. Und wir arbeiten mit ihnen gemeinsam, wir helfen ihnen, einen Blick auf sich selber zu werfen, führen viele Einzelgespräche mit ihnen, coachen sie und fordern sie heraus. Sie spüren so: „Da meint es jemand wirklich gut mit mir.“

Was bedeutet für Sie die Konfirmation im Blick auf das Leben eines Jugendlichen?

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Die Konfirmation ist für mich ein ganz wichtiger Meilenstein auf der Glaubensreise. Es ist nicht der Endpunkt und ich mache auch keine Witze darüber, dass mit der Konfirmation die Kirchen leer bleiben. Die Konfirmation ist für mich Durchgangspunkt, um nächste Schritte zu gehen.

Gibt es etwas, dass Sie sich – im Gegenzug für Ihr Engagement – von den Jugendlichen wünschen?

Ich kann nur sagen, dass die Jugendlichen uns, über unsere Wünsche hinaus, beschenken. Es ist ja oft bei selbstlosen oder liebevollen Geschenken so, dass ganz viel zurückkommt. Wir merken, wenn man ihnen auf Augenhöhe begegnet und sie ernsthaft bittet, dann kommt unglaublich viel zurück und das ist einfach beeindruckend.6x

Vielen Dank für das Gespräch!

Interview: Hella Thorn


Das vollständige Interview ist zuerst in der Zeitschrift teensmag Special „Konfirmation“ erschienen. Dieses Special im handlichen A5-Format gibt Jugendlichen einen genialen Guide für die Zeit nach der Konfirmation mit auf den Weg. Das Heft eignet sich hervorragend als Geschenk und ist einzeln oder zu günstigen Mengenpreisen zu erwerben.

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