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Marathon gegen die Armut

Wenn Pater Tobias läuft, dann läuft er nicht nur. Er betet und er sammelt Spenden. Kilometer für Kilometer gegen die Armut.

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Pater Tobias, Sie sind bei einem Ultra-Marathon 172 Kilometer durch die Wüste von Oman gelaufen: eine Extrembelastung für den Körper. Warum tut man das?

Pater Tobias: Ich kannte die Oman-Wüste schon, bin dort die 42 Kilometer gelaufen. Bereits da hat mich diese Wüste fasziniert. Als ich später recherchiert habe wegen Ultra-Marathons, habe ich gesehen, dass es in Oman diesen Lauf gibt – und dachte: Du kannst die 172 ja mal versuchen. Ich stelle mir oft die Frage: Was steckt in meinem Körper noch drin, was kann ich noch erreichen? Und hier war natürlich auch die Spendenakquise eine Herausforderung: dass man durch einen Extrem-Marathonlauf auch mehr Geld zusammenbekommt.

Auf das Thema Spenden kommen wir gleich. Zuerst noch mal grundsätzlich: Wie oft haben Sie schon gedacht „Warum tue ich mir das eigentlich an?“

(lächelt) Darüber bin ich tatsächlich längst hinaus. Ich habe bisher 111 Marathonläufe absolviert, etwa 15, 16 Ultra-Marathons. Letztes Jahr war ich in Vietnam und bin dort 72 Kilometer durch den Dschungel gelaufen. Das sind auch tolle Erfahrungen: andere Länder kennenzulernen, die Umgebung, die Schöpfung. In Vietnam denkt man unwillkürlich an die Kriege, die dort stattgefunden haben. Vor allem aber begegnet man Menschen, die einen herzlich aufnehmen. Und dann sind wir Läufer auch eine riesige Familie: Man trifft sich irgendwo auf der Welt immer wieder.

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Und wenn Sie durch den Dschungel laufen: Begegnen Sie dann anderen?

In Vietnam bin ich mehrere Stunden allein gelaufen. Ich habe Leute gesehen, die auf Feldern gearbeitet haben; weit weg von der Zivilisation. Als Tourist kommt man da nicht hin. Einmal liefen mir Kinder nach oder einen Teil der Strecke mit; dann habe ich Fotos zur Erinnerung geschossen. Als Ultra-Marathonläufer laufen wir langsamer und genießen die Läufe viel mehr.

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Sie sind die klassischen „Big Five“-Marathonläufe schon gelaufen: Boston, London, Berlin, Chicago, New York …

… fehlt noch Tokio für die „Six Stars“ im Weltmarathon. Die möchten viele Läufer schaffen. Aber aufgrund der Corona-Pandemie ist Tokio erst mal verschoben; da muss ich bis zum 7. März 2022 warten. Zehn Jahre habe ich inzwischen darauf hingearbeitet. Nur wenige Läufer auf der Welt haben bisher die sechs großen Marathonläufe geschafft, ungefähr 6.000, in Deutschland nur 438.

Dann wünsche ich Ihnen, dass Sie nächstes Jahr den sechsten Stern erlaufen können. Welcher von den „Big Five“ ist denn Ihr Favorit?

New York! Die riesigen Brücken machen diesen Marathon aber auch sehr schwer.

Was macht Brücken-Läufe so schwer?

Dort weht der Wind kräftig. Und die Brücken ziehen sich ganz schön … da rauf und wieder runter zu laufen, das strengt an. Und zum Schluss geht es nur noch bergauf Richtung Central Park. 2008 war ich da, ich möchte den New York-Marathon aber nochmal laufen, vielleicht zum Jubiläum, bei meinem 150. Marathon.

Das Laufen hat für Sie als Pater auch eine geistliche, spirituelle Bewertung. Laufen ist Gebet, sagen Sie. Oder allgemeiner: Laufen bedeutet Begegnung. Welche Erfahrung machen Sie damit?

Als Priester und Ordensmann verbinde ich das Laufen natürlich immer mit Gebet. Das Vaterunser läuft mir dabei automatisch über die Lippen. Wenn ich laufe, sehe ich die Schöpfung Gottes, Blumen am Wegrand, Tiere. Das gehört alles dazu: Schauen, Sehen, das Meditieren. Zu laufen, ist für mich Erholung. Ich genieße es und tue meiner Seele etwas Gutes.

Beim Laufen kann ich besser nachdenken, als wenn ich am Schreibtisch sitze. Die Gedanken fließen viel besser. Seit ich das erkannt habe, schreibe ich die Impulse auf, die mir unterwegs kommen. Ich teile sie auf Facebook, zusammen mit Segenswünschen – und viele Leute freuen sich darüber. Das zeigen die Klicks.
Und wenn ich meine Trainingsläufe mache, dann denke ich an viele Menschen, die mir jetzt in der Pandemie ihre Not und Sorgen zugetragen haben. Viele suchen das Gespräch; Unternehmer beklagen, dass sie kurz vor der Insolvenz stehen … Diese Sorgen nehme ich mit in die Läufe und bete für die Menschen. Ich bin gern für Menschen da.

Armut und Kirche ist ein wichtiges Thema für Sie. Durch Ihre Läufe haben Sie in den vergangenen 13 Jahren rund 1,5 Millionen Euro an Spenden gesammelt. Und Sie haben das Projekt „LebensWert“ gegründet. Was machen Sie in diesem Projekt?

Das hat sich, Gott sei Dank, über zwölf, dreizehn Jahre stark entwickelt, auch mit der Unterstützung der Deichmann-Stiftung. Wir beschäftigen mittlerweile 19 Mitarbeiter. Ich versuche die Arbeit mal kurz zusammenzufassen:

Wir betreiben mit zwei Sozialarbeitern eine Beratungsstelle, wo bedürftige Menschen Hilfe in Problemsituationen finden oder zum Beispiel eine Hartz-IV-Beratung bekommen. Es ist eine deutsche Gastronomie entstanden, wo wir mittags älteren Menschen, aber auch Hartz-IV-Empfängern, ein Essen für wenig Geld anbieten.
Wir haben ein Kinderprojekt gestartet, aus dem das Hilfswerk KiPa-cash-4-kids entstanden ist. Es fördert benachteiligte Kinder in und um Duisburg. Dort gibt es eine Kinderlernküche, wo Kinder gesundes Kochen und Backen lernen. Zwei Grundschulen mit 124 Kindern bekommen aus der Küche immer dienstags ein gesundes Schulfrühstück, unterstützt durch Stiftungen und Spender. Wir haben mit Schwimmbädern Kontakt aufgenommen und bieten Schwimmkurse an, denn viele Kinder in Deutschland können nicht schwimmen. Das ist erschreckend. Andere Kinder machen eine Reittherapie bei uns, die wir mit Pferden aus dem Nachbarort organisieren.
Durch meinen Kontakt zu syrischen Geflüchteten sind einige von ihnen auch Marathonläufer geworden – und die haben inzwischen für „ihre“ Kinder auch Spendengelder erlaufen: zuletzt 5.000 Euro für syrische Kinder in Beirut.
Als die Syrer zu uns kamen, habe ich gefragt: „Könnt ihr hier mal ein Praktikum machen?“ Mehrere haben eine Ausbildung gemacht, als Koch, als Restaurantkaufmann, und mittlerweile haben sie ihre Ausbildung beendet. Wir haben sie übernommen – und daraus ist das syrische Restaurant „Sham“ entstanden.

Was ist das Ziel von LebensWert?

Bei dem ganzen Projekt LebensWert gucken wir: Wo kann man Menschen helfen? Ich versuche mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Und ich frage mich immer wieder: Was würde Jesus heute tun? Er würde Nächstenliebe ausüben. Das begleitet mich: Nächstenliebe. Nichts anderes würde Jesus auch tun.

Pater Tobias, vielen Dank für das Gespräch! Und noch viele Marathon-Kilometer!


Das Interview führte Jörg Podworny für das Magazin Lebenslust. Lebenslust erscheint regelmäßig im SCM Bundes-Verlag, zu dem auch Jesus.de gehört. 

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