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Nach Blutbad in Texas: US-Kirchen wollen Gläubige besser schützen

Kirchen sind besonders verwundbar. Immer wieder kommt es in den USA zu Gewalttaten in Gotteshäusern, wie zuletzt im texanischen Sutherland Springs Anfang November. Sollen Kirchen deshalb bewaffnete Schutzleute einstellen?
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Von Konrad Ege (epd)

Nicht erst seit der Bluttat in einer Baptistengemeinde im texanischen Sutherland Springs Anfang November wollen US-Pastoren den Schutz für die Gottesdienstbesucher erhöhen. Die Kirchen mit ihren offenen Türen erscheinen besonders verwundbar. Jetzt sind die Sicherheitsfirmen auch in diesem Bereich zunehmend gefragt.

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Carl Chinn aus Colorado leitet das „Glaubensgegründete Sicherheitsnetzwerk“. Persönliche Erfahrungen brachten ihn dazu, Kirchen in Sicherheitsfragen zu beraten. 1996 war er auf dem Gelände des christlichen Verbands „Focus on the Family“ als Geisel genommen worden. Es sei gut ausgegangen, erzählt Chinn. Doch der Vorfall habe ihn wachgerüttelt. Viele Pastoren der 350.000 Kirchen in den USA gingen noch immer davon aus, dass bei ihnen „so etwas“ wohl nicht passieren wird, berichtet Chinn. „Statistisch gesehen haben sie recht. Doch sollte etwas passieren, kann man die Statistiken vergessen.“

Besorgte Pastoren besuchen Sicherheitsseminare

Sein Kollege Vaughn Baker hat es ständig mit besorgten Pastoren zu tun: Er bekomme haufenweise E-Mails und Telefonanrufe von Gemeinden, sagt der Präsident der Sicherheitsfirma Strategos International in Grandview im Zentrum der USA. Für das Jahr 2016 wisse man von 246 Gewalttaten, die in Kirchen stattfanden. Strategos habe allein im vergangenen Jahr 75 Sicherheitsseminare für Gemeinden organisiert. Im kommenden Jahr werden es mehr, ist sich Baker sicher.

„First Baptist“-Kirche in Sutherland Springs nach dem Attentat (Bild: Austin American-Statesman/AP Images).

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Als Motiv für das Massaker in Sutherland Springs vermuten die Behörden einen Familienstreit. Am 5. November schoss dort ein Mann mit einem Sturmgewehr auf Gottesdienstbesucher. 26 Menschen starben. Ein bewaffneter Kirchennachbar stoppte den Täter. Der Mörder wurde nach dem Massaker tot aufgefunden, vermutlich tötete er sich selbst.

Nach der Tat wurden erneut schärfere Waffengesetze gefordert. Doch der Justizminister von Texas, Ken Paxton, verteidigt die freizügige Regelung in seinem Staat. Damit sei es möglich gewesen, einen Todesschützen zu stoppen, bevor dieser Gelegenheit gehabt habe, noch mehr Leute zu erschießen. Auch US-Präsident Donald Trump lobte den Verteidiger in Sutherland Springs. Glücklicherweise habe dieser zurückgeschossen.

„Nicht alle Angriffe lassen sich verhindern“

Dagegen betont der Sicherheits-Experte Baker, nur gut trainierte Menschen sollten mit Schusswaffen Sicherheitsdienst leisten. Große Kirchen können sich Sicherheitskräfte leisten, kleine Gemeinden nicht. Und man müsse realistisch sein, warnt Baker: Nicht alle Angriffe ließen sich verhindern. Seine Kurse stellten Schusswaffen daher nicht in den Vordergrund.

Wichtig sei vielmehr, dass in jeder Gemeinde ein paar aufmerksame Mitglieder ein Auge auf auffälliges Verhalten hätten. Schließlich seien Kirchen Orte, die sehr unterschiedliche Menschen einladen. Ratsam sei in solchen Fällen eine „aggressive Freundlichkeit“. Das soll heißen, dass sich Gemeindemitglieder „intensiv“ um einen auffälligen Besucher kümmern.

Bild: Pixabay / stevepb

Megakirchenpastor Robert Jeffress aus Dallas in Texas sagte im Fernsehsender Fox, viele seiner Gemeindemitglieder kämen mit einer Waffe zum Gottesdienst. Er fühle sich deswegen sicherer. Dem widerspricht der Baptistenpastor Benjamin Boswell aus Charlotte in North Carolina. Der Wunsch nach Sicherheit habe erst zur derzeitigen Lage geführt, so Boswell. Wegen des „Verlangens nach Sicherheit“ gebe es heute „in Amerika mehr Schusswaffen als Einwohner“.

Der Staat stelle zurzeit kein Geld für die Sicherheit von Kirchen zur Verfügung, sagt der Security-Fachmann Baker. Doch hätten viele Gemeinde gute Beziehungen zur Polizei.

Quelleepd

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