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Ostern: Auferstehungsfest auf dem Friedhof

Wie wird Ostern in anderen Ländern eigentlich gefeiert? Die christliche Minderheit in Japan greift auf einen Mix aus verschiedenen Ostertraditionen zurück.

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Japan im Frühling – wer sich überhaupt schon mal mit diesem ostasiatischen Land beschäftigt hat, denkt dabei an blühende Kirschbäume und an Familien, die inmitten leuchtender Blütenlandschaften picknicken. Osterhasen im Gras oder Ostereier an den Sträuchern kommen da weniger in den Sinn. Tatsächlich ist Ostern in Japan noch weitgehend unbekannt. Das Weihnachtsfest mit Nikolaus und Jingle Bells in den Kaufhäusern ist inzwischen weit verbreitet. Es wird, ähnlich wie in Europa Halloween, als exotisch-kommerzielles Fest gerne gefeiert, auch wenn es kein offizieller Feiertag ist. Ostern dagegen ist gerade erst im Kommen.

Seit einigen Jahren tauchen in den japanischen Supermärkten allerdings vermehrt Schoko-Ostereier auf, und der „Disneyland“-Park in der japanischen Hauptstadt Tokio gestaltet zu Ostern eine Sonderausstellung. Während der japanische Name für Weihnachten, Kurisumasu, vom englischen „Christmas“ abgeleitet ist, wird für Ostern das englische Wort „Easter“ als Lehnwort gebraucht. Die religiöse Bedeutung von Ostern ist jedoch in Japan weitgehend unbekannt.

Osterbräuche aus aller Welt

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Christen sind in Japan eine kleine Minderheit. Sie machen nur etwa ein Prozent der Bevölkerung aus und leben in einem Umfeld, das weder die kulturellen Bräuche noch die tieferen Inhalte des Osterfestes kennt. Wie feiern diese Christen Ostern? In den vergangenen Jahrhunderten haben Katholiken, Lutheraner, Orthodoxe und verschiedene Freikirchen eigene Gemeinden in Japan gegründet. Und jede dieser Kirchen hat ihre Osterbräuche mitgebracht. Gleichzeitig knüpfen die japanischen Christen an japanische Sitten und Bräuche an, denn sie möchten ihren Landsleuten gerne die tiefere Bedeutung des Osterfestes nahebringen. Das führt zu für uns manchmal überraschenden Aktionen.

Christian-Johannes Weigl lebt seit 2015 in der japanischen Stadt Kani und arbeitet dort in einer freikirchlich-evangelisch geprägten Gemeinde, die von einem japanischen Pastor geleitet wird. Als Missionar der deutschen Allianz-Mission sucht er nach Wegen, Kontakte zu Japanern zu knüpfen, die vom Christentum noch nichts gehört haben, und ihnen schrittweise den Inhalt der christlichen Botschaft nahezubringen. Dabei hilft ihm die Faszination der Japaner für die kulturellen Bräuche des Westens, wie das Weihnachts- oder eben das Osterfest.

Unter anderem bietet Christian Englisch- und Deutschkurse an. Und Kochkurse, weil er selbst leidenschaftlich gerne kocht, und die Japaner gerne europäische Kochkünste kennenlernen. Dort werden vor Ostern auch Osterlämmer gebacken sowie „Hot Cross Buns“. Christians japanische Frau Sae lernte während eines Englandaufenthaltes diese dort traditionellen süßen Hefebrötchen kennen, die auf der Oberfläche kreuzförmig eingeritzt sind. Als Geschenk oder während einer Kochstunde sind diese Brötchen eine gute Gelegenheit, die Botschaft von Ostern weiterzugeben. Genauso wie das gemeinsame Bemalen von Ostereiern, zu denen sich viele Kinder gerne einladen lassen.

Besondere Gottesdienste

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Eine Ostertradition seiner Gemeinde war für ihn zunächst gewöhnungsbedürftig: Nachdem am Vormittag des Ostersonntags der traditionelle Ostergottesdienst gefeiert wird, trifft sich die Gemeinde am Nachmittag auf dem örtlichen Friedhof! Dort haben mehrere christliche Gemeinden je einen Abschnitt erworben, auf dem sie ihre Verstorbenen – nach japanischer Sitte als Urnenbestattungen – beisetzen. Die Gemeinde versammelt sich auf ihrem Abschnitt, singt Oster- und Loblieder und verkündet die Botschaft, dass Jesus Christus auferstanden ist und den Tod überwunden hat. Nach der anfänglichen Verwunderung scheint es Christian heute sehr passend, gerade am Ort des Todes den Sieg des Lebens zu verkünden.

In einer anderen Stadt versammeln sich alle Gemeinden früh am Ostersonntagmorgen zu einem ökumenischen Gottesdienst im Stadtpark. Wie auf dem Friedhof kann hier jeder, der zufällig vorbeikommt, vom Sinn des Osterfestes hören. Danach feiert jede Gemeinde ihren Gottesdienst im eigenen Gemeindehaus.

Ostern ist in Japan also viel weniger präsent als bei uns und besteht für die Christen fast ausschließlich darin, besondere Gottesdienste zu feiern. Als Christian mit seiner Familie vor einigen Jahren zu Besuch in Deutschland war, fand seine Frau Sae die fröhliche Festlichkeit auch im Familien- und Freundeskreis sehr beeindruckend. Besonders gefiel ihr ein Kreuzweg, den eine Gemeinde entlang eines Fahrradweges eingerichtet hatte: In mehreren Stationen wurde dargestellt, wie es Jesus erging – von seiner Festnahme bis zum Tod am Kreuz. Diese Art, das Geschehen von Ostern lebendig und erfahrbar zu machen, wäre in ihren Augen auch in Japan eine gute Möglichkeit, den ursprünglichen Sinn von Ostern bekannt zu machen: dass Jesus von den Toten auferstand und nun jedem, der sich ihm anvertraut, ewiges Leben gibt. Christian und Sae sind überzeugt: Das ist die beste Botschaft der Welt, nicht nur für Japan!


Diesen Artikel schrieb die freiberufliche Autorin und Theologin Beate Schütz für das Magazin lebenslust. Das evangelistische Verteilmagazin erscheint regelmäßig im SCM Bundes-Verlag, zu dem auch Jesus.de gehört.

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