Wegen der Corona-Pandemie schränkt der Privatsender RTL seine TV-Inszenierung zur Kreuzigung Jesu deutlich ein. Die für Karmittwoch (8. April) vorgesehene Live-Aufführung der Passionsgeschichte in der Essener Innenstadt wirde nach jetzigem Stand ohne Publikum stattfinden.
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Zudem werde eine für 800 Teilnehmer geplante Prozession ohne Publikum starten und auf 30 bis 40 Kreuzträger reduziert, sagte eine Sprecherin der RTL-Gruppe gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. An der Besetzung als solches ändere sich ansonsten aber nichts. Allerdings seien die Planungen von der weiteren Entwicklung in Sachen Corona und eventuellen Auflagen der Stadt abhängig, erklärte die Sprecherin.

Die Passionsgeschichte soll auf dem Essener Burgplatz gegenüber dem Dom in Szene gesetzt werden. Die Hauptrolle als Jesus übernimmt der Sänger, Musicaldarsteller und Schauspieler Alexander Klaws. Als Judas ist Mark Keller („Alarm für Cobra 11“) zu sehen. Als Erzähler fungiert TV-Moderator Thomas Gottschalk. An der Hauptbühne auf dem Burgplatz hatte RTL mit rund 4.500 Besuchern gerechnet. Außerdem gibt es eine Live-Schalte zu einer Passions-Prozession, bei der ein großes, leuchtendes Kreuz durch die Innenstadt zur Hauptbühne am Burgplatz getragen wird. RTL-Moderatorin Nazan Eckes begleitet den Kreuzweg.

Das erzählerische Konzept der Passionsgeschichte hat RTL vom niederländischen Fernsehen übernommen. Dort ist das Event schon seit zehn Jahren zu Ostern fest im Programm und erzielt regelmäßig herausragende Quoten. Allein 2016 schalteten über 40 Prozent der Zuschauer ein.

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1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. Reduziertes oder gar ausfallendes RTL-Event ist bedauerlich

    Etwas scheint mir widersprüchlich, wenn es nur wenige Kreuzträger gibt, aber an der Hauptbühne ein sehr großes Publikum. Vielleicht ist die jetzige Planung auch dem Umstand geschuldet, daß die Einschätzung der Coronasituation sich täglich ändert und möglicherweise sich am Karfreitag positiver darstellt.Leider glaube ich dies nicht. Jedenfalls ist dies alles sehr schade, denn ungeachtet der wie üblich großen Bedenkenträgerschaft hielte ich eine solche öffentliche Demonstration biblischen Glaubens für sinnvoll und notwendig. Wir leben in heutiger Zeit in einer Mediengesellschaft und wir als Christinnen und Christen konkurieren mit den vielen Lebenssinn- und Unterhaltungsangeboten und gemäß dem Apostel Paulus sollten wir dem Juden ein Jude und dem Römer ein Römer sein. Will sagen: Das dringend an den Hecken und Zäunen gepredigte Evangelium von der Liebe Gottes muss erst einmal akzeptieren, daß die Menschen (bildlich gesehen) auch an den Hecken und Zäumen beheimatet sind. Wenn wir sie, wie im Gleichnis hier auch gleichnishaft, zum großen Hochzeitsmahl Gottes einladen wollen, müssen wir erst einmal anfangen ihnen etwas zu erzählen. Kommunikation ist notwendig. Sie kommen nicht im Eilschritt in unsere heiligen Hallen und wunderschönen Gottesdienste. Wir sollten erst einmal dorthin gehen nach dem Motto „kommt der Prophet nicht zum Berg, muss der Berg zum Propheten kommen“. Kirche
    (wenn hier auch indirekt) an ungewohnten Orten deckt sich mit der Art und Weise Jesu in seiner irdischen Sendung. Er war auch eine öffentlche Person, sein Dienst nicht im Tempel, sondern mitten unter den Menschen. Man kann über die Qualität von Fernsehsendern im Programmangebot sicherlich zu recht kritisch denken, aber auch für RTL gilt immer auch das Wort Jesu: „Wer nicht gegen mich ist, ist für mich“! (sinngemäßes Zitat). Etwa auch über den großen Evangelisten Billy Graham ist unterschiedliche Meinung möglich.Auch er wählte die größtmögliche Effektivität in einer Erreichbarkeit von Menschen, wenn er in großen Fußballarenen predigte. Die Kreuze Christi am Karfreitag durch Essen zu tragen ist bereits dann zu begrüßen, wenn das Event gar nicht stattfinden würde. Im übrigen sind Christenmenschen ganz häufig Fußballfans, jubeln in großen Fußballstadion ihrem Verein zu und daher ist das Event ansich weder gut noch böse, sondern nur die Möglichkeit, viele Seelen zu erreichen. Sei es ein Event in der Event- oder Spaßgesellschaft oder irgendeine andere gut überlegte und sinnvolle Aktion: Mitten im Leben, als Salz der Erde, Licht der Welt, sollte unser Christsein sich nicht zu schade sein, auch über das Medium Unterhaltung und Show zu wirken. Auch Passionsspiele sind nichts anderes, nur eine doch einigermaßen andere Form dieses Bemühens. Im Angesicht von Corona es (fast) nur zu übertragen, würde wegen fehlender Unmittelbarkeit weniger Frucht bringen. Aber immerhin, dann fällt es diesjährig nicht ins Wasser. Wiederholung erwünscht. Ich bin mit einer Philosophin einig, die kürzlich in einer Fernsehsendung sagte, daß der Coronageist nicht nur ein Gespenst zu sein braucht sondern auch eine Chance ist, daß die Menschen in unserem Land und der Welt wieder mehr zusammenrücken. Vielleicht sollten wir notfalls auch unsere Gottesdienste absagen. Eventuell werden dann die Einjährigen, die nur einmal oder nur an hohen Feiertagen im Jahr ihre religiöse Pflicht zu erfüllen glauben, dann doch merken, daß ihnen etwas fehlt. Es ist menschlich, daß wenn uns etwas abhanden kommt, wir überhaupt erst einmal merken was uns wirklich fehlt. Das Schlechte hat auch etwas Gutes, zumindest auf den zweiten Blick. Aber dann muss Essens Karfreitagevent dringend im nächsten Jahr nachgeholt werden: Der Geist Gottes weht wo er will, nicht nur wo es sich die Bedenkenträger gegenüber Neuem wünschen.

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