1525 fand die erste Glaubenstaufe der sogenannten „Täufer“ statt. Der Grundstein für die Bewegung war gelegt, aus der unter anderem die Mennoniten, Baptisten und Amische hervorgingen. 500 Jahre später soll diese Reformation nach der Reformation groß gefeiert werden.

Von Nathanael Ullmann

Erst vor wenigen Jahren feierte ganz Deutschland Reformationsjahr – 500 Jahre war es her, dass Martin Luther seine wegweisenden Thesen an die Wittenberger Schlosskirche genagelt haben soll. Nun steht schon das nächste Jubiläum an: 500 Jahre Täuferbewegung. Und tatsächlich sind die beiden Ereignisse eng verwoben. Wenn man so will, ließen sich die Täufer als Reformation zur Reformation beschreiben. Den Glaubensbrüdern gingen die Reformen Luthers nicht weit genug. Sie sahen beispielsweise die Gemeinden als vom Staat unabhängige Einrichtungen. Auch sollte die Taufe eine bewusste Entscheidung für Jesus sein. Die Kindertaufe lehnten die von der Gesellschaft als „Täufer“ verschrieenen Reformer ab. Und so kam es, dass sich eine kleine Gruppe 1525 in Zürich entschied, sich gegenseitig zu taufen. „In den Geschichtsbüchern wird das mehr als ein spontaner Akt beschrieben“, weiß Astrid von Schlachta, die Vorsitzende des Vereins „500 Jahre Täuferbewegung 2025 e. V.“. Ein Akt allerdings mit weitreichenden Folgen.

Verbrennung von Leonard Bernkopp
Anfangs hatten die Täufer mit extremer Verfolgung zu kämpfen. Dieses Bild zeigt die Verbrennung von Leonard Bernkopp in Salzburg im „Märtyrerspiegel“.

Zeitgleich zu der Züricher Bewegung gab es auch anderswo im deutschsprachigen Raum Christen, die eine Reformation der Reformation forderten. „Täufer steht für Vielfalt, das ist keine homogene Bewegung“, so von Schlachta. Trotz allem sieht der Verein in der Züricher Glaubenstaufe ein offensichtliches Zeichen der neuen Glaubensbewegung. In den Folgejahren wurden die Wiedertäufer oft als eine politische Bewegung missverstanden – sie hatten mit Verfolgung und Ausgrenzung zu kämpfen. Doch zum Schweigen bringen konnte die entschiedenen Gläubigen niemand. Bis heute gibt es Täufer – mittlerweile in den verschiedenen Ausrichtungen wie Mennoniten, Baptisten oder Amische.

Eine Arbeitsgruppe, zu der Vertreter der Mennoniten, der Baptisten und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) gehören, will dieses Jubiläum nun besonders begehen. „Wir wollen allerdings nicht nur Geschichte feiern, sondern das Thema auch in die Gemeinden bringen und uns themenspezifisch nähern“, sagt die Vereinsvorsitzende. Um jedem Thema eine ausreichend große Plattform zu geben, entschieden sich die Verantwortlichen, das Jubiläumsjahr auszuweiten – auf fünf Jahre. Jedes dieser Jahre steht unter einem bestimmten Motto. 2020 soll beispielsweise das Thema „mündig leben“ behandeln. „Mündig leben heißt bezogen auf den Glauben, selber zu entscheiden, wie etwas ausgelegt werden soll. Sich also nicht ein X für ein U vormachen zu lassen“, erklärt die Historikerin das Thema.

Eigenes Heft für jedes Jahr

Auf die Idee, das Jubiläumsjahr auszweiten, kamen die Organisatoren durch die Mennonitische Weltkonferenz. Auch diese feiert unter dem Motto „Renewal“ den Beginn der Täuferbewegung – allerdings über einen Zeitraum von zehn Jahren. Diese Idee adaptierte der Verein im deutschsprachigen Raum, mit einer um die Hälfte verkürzten Zeit.

In jedem Jahr soll es zum jeweiligen Motto ein eigenes Heft geben, in der neben einer historischen Einführung auch Impulse für Bibelkreise und Gottesdienstanregungen zu finden sind. Auch Tagungen und Ausstellungen zu den fünf Themenjahren sind geplant. „Es besteht zudem die Überlegung, einen Film zur Geschichte der Täuferbewegung zu drehen“, sagt die Vereinsvorsitzende. Welche Events genau in den fünf Jahren stattfinden werden, können die Verantwortlichen noch nicht sagen. Dafür ist der Planungsstand noch zu früh. Der Startschuss soll auf jeden Fall 2020 an Christi Himmelfahrt fallen, wenn die Baptisten ihre Bundesratstagung und die Mennoniten ihren Gemeindetag abhalten.

Dass das Jubiläum der Täuferbewegung wohl nicht die Ausmaße des Reformationsjahres erreicht, dessen ist sich Astrid von Schlachta bewusst. Das habe man sich auch gar nicht vorgenommen. Aber man wolle in der Öffentlichkeit bekanntmachen, dass es neben Luther und Zwingli auch andere Reformbewegungen gab: „Über die Täufer wissen viele erst einmal zu wenig – und wenn, dann Falsches.“

Und auch für die Gemeinden selbst soll das Jubiläum noch einmal ein Anstoß zu sein: Zu schauen, wo sie herkommen, aber auch, wo es hingehen soll: „Wir müssen uns fragen, inwieweit wir uns immer neu auf den Weg begeben müssen.“

2 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Erwachsenentaufe?
    Gut und richtig.
    Auf Jesus? Nein.
    Allein auf Gott!
    Jesus als Lehrer,
    aber nicht als Gott.

  2. Der Artikel enthält einen Fehler: Die Baptisten sind nicht Teil der Täuferbewegung, sondern erst knapp hundert Jahre später (wenngleich unter Einfluss niederländischer bzw. waterländischer Mennoniten) entstanden. Die reformatorischen Täufer bestanden damals aus vielen verschiedenen Gruppen, von denen heute noch die Mennoniten und die Hutterer bestehen. Die Amischen haben sich später als Abspaltung der Mennoniten etabliert. Im Englischen unterscheidet man entsprechend auch zwischen Anabaptists (Täufer bzw. Wiedertäufer) und Baptists (Baptisten). Die Baptisten verstehen sich zum Teil auch als Erben der reformatorischen Täuferbewegung (daher wirken sie auch beim Jubiläum mit), sie sind aber halt erst sehr viel später entstanden und bilden konfessionell eine eigene Gruppe. Es gibt auch inhaltliche Unterschiede (zur Frage der Gewaltfreiheit, Spiritualität etc.). Auch haben die Täuferbewegung eher einen kontinentalenund die Baptisten einen anglo-amerikanischen Hintergrund.

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