Thomas Middelhoff, Cornelius Boersch: Zukunft verpasst?

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Google und Tesla als die führenden Automobilproduzenten der Welt – mit diesem fiktiven Weckruf startet die Lektüre von Cornelius Boersch (Unternehmer / Gründer zahlreicher Technologieunternehmen) und Thomas Middelhoff (Strategievorstand / Boardmember).

Haben wir die Digitalisierung verpasst? Diese Frage haben sich vermutlich einige Leser seit Beginn des Covid-19-Lockdowns gestellt und wie in anderen Bereichen zeigt die Pandemie auch hier wie ein Brennglas auf die Wunden. Ja, Deutschland hat die Digitalisierung verschlafen. Da sind sich die Autoren des Buches absolut sicher. Und das nicht erst jetzt, sondern schon zu Beginn des neuen Jahrtausends. Was wir heute erleben, sind nur die Folgen, wie die beiden immer wieder betonen.

Sie nehmen den Leser hinein in ihre Lebenswelt und lassen ihn an ihren Erfahrungen teilhaben. Sie zeigen auf, was alles schief lief und belegen dies in Studien und Tabellen am Ende des Buches. Dort finden sich auch viele Links und Hinweise auf andere Bücher für diejenigen, die sich tiefer mit dem Thema beschäftigen möchten.

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Anhand unzähliger Beispiele zeigen Boersch und Middelhoff auf, dass Deutschland noch kaum Anzeichen zeigt, aus diesem „Dornröschenschlaf“ zu erwachen, obwohl so viele Zeichen daraufhin deuten, dass es als bedeutendes Wirtschaftsland abgehängt wurde bzw. in den kommenden Jahren noch wird.

Das Land der Tüftler und Denker technikfeindlich und nicht innovativ – „Ein Bollwerk der Veränderungsunwilligkeit“. Das alles ist starker Tobak, der dem Leser aber die Augen öffnet, wie China und die USA Deutschland in den Schatten stellen konnten und dass auch die Zukunft eher düster aussieht. Nichtsdestotrotz geben die Autoren nach ihrer ausführlichen Analyse der Situation ein ausführliches und konkretes 10-Punkte-Programm zur Sicherung der deutschen digitalen Zukunft mit auf den Weg. Dieses beinhaltet nicht nur Forderungen an die Politik und das Bildungssystem, sondern zeigt auch auf, wie diese digitale Entwicklung finanziert werden könnte.

In ihrem Werk äußern sich die beiden zudem zu den politischen Rahmenbedingungen, den Auswirkungen von Corona auf die Digitalisierung und gehen auf die Problematik hinsichtlich der Anonymität des Internets und dessen unkontrollierbarer negativer Folgen ein: z. B. Manipulierbarkeit durch Bilder oder sekundenschnell geteilte Hassparolen. Daher befürworten sie einen digitalen Nutzerpass, um Straftatbestände ahnden zu können.

Insgesamt vermittelt die Lektüre also breit gefächertes Wissen und interessante Informationen. Obwohl das Thema eher trocken ist, gelingt es den Autoren mit einem flüssig zu lesenden Schreibstil, auch den Laien unter den Lesern einiges aus der Welt der Wirtschaft nahezubringen und verständlich zu machen. Ein Buch, das sich zwar nicht zum Schmökern eignet, wohl aber zum Nachdenken anregt.

Von Birgit Graf

Leseprobe (PDF)

Verlag: Adeo
ISBN: 978-3-86334-284-5
Seitenzahl: 336
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
4,5

2 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Als ich den Teaser im jesus.de-Newsletter las, war ich gespannt, was die Autoren mit „Digitalisierung“ meinen. Diese Rezension ist leider genauso wenig konkret wie fast alle Aussagen unserer Volksvertreter im Bundestag und in Talkshows – und keiner fragt nach. Unsere Telekommunikationsnetze können z.B. nicht gemeint sein, denn die sind bei uns schon länger voll digitalisiert als die in den USA.
    Aber ich hätte bei dem Opener schon gewarnt sein müssen: Google und Tesla als „die führenden Automobilproduzenten der Welt“ hinzustellen, ist – wenn man auf unsere Straßen schaut – ja ein Witz. Außerdem können die nur Elektroautos bauen, mit denen man am Stück nicht sehr weit kommt und deren Herstellung so viel mehr CO2 erzeugt, dass ich mit meinem Diesel schon ca. 80.000 km Vorsprung habe.
    Es gibt noch ganz viel zu tun, aber mit der Wiederholung von Politiker-Phrasen kommen wir nicht weiter.
    Ich habe fertig 😉

  2. Leider hat Hr. Schütz nur Halbwahrheiten zum Thema eAuto erwähnt. Und nebenbei „Schuld sind immer die da oben“ hilft uns nicht weiter

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