«Ohne uns könnt ihr nicht gewinnen!» lautet die Botschaft. Konservative christliche Aktivisten gaben sie am Samstag in Washington den Präsidentschaftskandidaten der Republikanischen Partei mit auf dem Weg.

 Nahezu alle Bewerber nahmen an der Wahlstrategie-Konferenz «Faith and Freedom Coalition» (Koalition für Glauben und Freiheit) teil, so etwa der Kongressabgeordnete Ron Paul, Ex-Gouverneur Mitt Romney und Ex-Senator Rick Santorum.

 Der Vorsitzende der rechtschristlichen Koalition, Ralph Reed, sagte der «Washington Post», an die 17 Millionen Evangelikale seien 2008, als Barack Obama siegte, nicht wählen gegangen. Mobilisiere man bei den Wahlen im November 2012 nur die Hälfte von ihnen, könne der Ausgang «dramatisch» verändert werden. Die Republikaner müssen Reed zufolge christlich motivierte Konservative zusammen bringen mit «fiskalisch konservativen» Wählern, die sich in «Tea Party»-Gruppen engagieren beim Protest gegen Steuern, Haushaltsdefizite und «big government» (einen zu mächtigen Staat).

 Der Ex-Gouverneur Mitt Romney, nach Umfragen gegenwärtig knapp Spitzenreiter unter der Republikanern, äußerte sich ähnlich. Kurz sprach er über Abtreibung und die «Heiligkeit des Lebens», konzentrierte sich dann aber auf Obamas Wirtschaftspolitik. Die Wirtschaftskrise sei eine «moralische Krise». Die Kongressabgeordnete Michelle Bachmann erklärte, sie werde Obamas Gesundheitsreform rückgängig machen.

 Ex-Gouverneur Tim Pawlenty attackierte ebenfalls Obamas Wirtschaftspolitik, und forderte, die Nation müsse sich «Gott zuwenden.» Der frühere Senator Rick Santorum, ein engagierter Abtreibungsgegner, vertrat die Meinung, dass «big government» per se «die Familie» unterdrücke.

 Republikanische Präsidentschaftsanwärter und -anwärterinnen haben guten Grund, sich um die konservative christliche Basis zu kümmern. Evangelikale machen bei republikanischen Vorwahlen rund 40 Prozent der Wähler aus. Die ersten Vorwahlen finden im Februar nächsten Jahres in den Bundesstaaten Iowa und New Hamphire statt. Der Wahlkampf läuft seit Monaten.

 Bei den Republikanern hat die «Faith and Freedom Coalition» Gewicht allein wegen ihres Gründers Ralph Reed. Er leitete von Ende der 80er Jahre bis 1997 die «Christliche Koalition», die wohl erste effektive konservativ christliche Graswurzelorganisation. Der «New York Times» sagte Reed vor kurzem, diese Organisation werde eine Datenbank von «29 Millionen konservativen Wählern» aufbauen. «Wir werden denen Emails schicken, wir rufen sie an, wir klopfen an ihre Türen, und wenn nötig, fahren wir sie in die Wahllokale.»

 In den vergangenen Jahren war es eher ruhig geworden um die «christliche Rechte». Als Motor der Opposition gegen Obama gilt inzwischen die «Tea Party»-Bewegung. Sie verlangt, die Regierung solle sich so wenig wie möglich einmischen in das Leben der Bürger. Das steht im Gegensatz zur Forderung mancher konservativer christlicher Gruppen, der Gesetzgeber müsse «Familienwerte» schützen. Dennoch identifizierten sich weiße Evangelikale Umfragen zufolge nach wie vor überwältigend mit den Republikanern. Der Religionswissenschaftler Mark Silk von der Universität in Connecticut warnt davor, ihre politische Kraft zu unterschätzen.

 Einen eindeutigen «Liebling» haben die konservativen Christen dieses Jahr noch nicht. Positiv sieht man anscheinend besonders Bachmann und Pawlenty, beide evangelikale Christen, und die Celebrity-Politikerin Sarah Palin. Die Ex-Gouverneurin von Alaska blieb der Konferenz aber fern und hat noch nicht verraten, ob sie wirklich Präsidentin werden möchte.

 Bauchschmerzen bereitet Evangelikalen die Kandidatur von Romney und Ex-Gouverneur Jon Huntsman. Beide sind Mormonen, und manche Evangelikale halten die «Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage» für eine Sekte. Bei einer vergangene Woche veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts «Pew Center» sagten 34 Prozent der Evangelikalen, ein Mormone sei für sie weniger wählbar.

 Allerdings findet Romney, erfolgreicher Unternehmer und ehemaliger Gouverneur von Massachusetts (2003-07), Anhänger im Rest der Republikanischen Partei. Der frühere republikanische Parteivorsitzende Haley Barbour warnte die Evangelikalen laut «National Journal» vor der Versuchung, sich auf einen einzigen hundertprozentig «richtigen» Kandidaten festzulegen. Reinheit sei «der Feind des Sieges», sagte Barbour. Und so blieb die Favoriten-Frage erst einmal offen.

(Quelle: epd)