In einigen US-Bundestaaten wird diskutiert, ob Pastoren beim Impfen gegen Corona zügig drankommen sollten. Viele schwarze Pastoren lassen sich impfen, um unter ihren Gemeindemitgliedern die Impfbereitschaft zu steigern.

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Von Konrad Ege (epd)

In den USA nimmt die Impfkampagne gegen Corona weiter an Fahrt auf. Ende Februar wurden jeden Tag mehr als eineinhalb Millionen Menschen geimpft. Erst kamen Menschen in Pflegeheimen und Beschäftigte im Gesundheitswesen an die Reihe. Bei der Vergabe der schützenden Impfdosen zeigt sich zudem das soziale Gefälle. Ethische und praktische Fragen fordern die christlichen Kirchen heraus, die selbst mitten in einer Debatte über die Impfpraxis stecken: Manche Pastoren möchten möglichst bald selbst den Pieks in den Oberarm – entweder als Vorbild für Impfskeptiker oder um in ihren Gemeinden besser helfen zu können.

Impftermine werden gewöhnlich online gebucht. Dies bevorzugt gebildete, jüngere und wohlhabendere Menschen, also in der Regel Weiße. Viele Afroamerikaner sind dagegen skeptisch. Die überwiegend schwarze Bevölkerung in ihrer Nachbarschaft in Texas leide stark unter Covid-19, sagte die Leiterin der Hilfsorganisation „Dallas Bethlehem Center“, Chelsea White, kürzlich in der Zeitung „USA Today“. Doch sie hätten kein großes Vertrauen in die Regierung und in Hilfsorganisationen: „Sie versprechen zu viel, liefern zu wenig, und gehen wieder.“ In manchen Südstaaten seien Impflokale vornehmlich in mehrheitlich weißen Vierteln zu finden, berichtete der Rundfunksender NPR.

Ein Ausdruck von Nächstenliebe

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Doch während sich vielerorts schwarze Pastoren demonstrativ impfen lassen, um unter ihren Gemeindemitgliedern die Impfbereitschaft zu erhöhen, gibt es auch eine Debatte, ob Pastoren bevorzugt geimpft werden sollten. In der Bibel stehe, man solle seinen Nächsten lieben wie sich selbst, betonte der leitende Bischof der anglikanischen Episkopalkirche, Michael Curry. „Sich impfen zu lassen, eine Gesichtsmaske zu tragen, Abstand zu halten und Menschenmengen fern zu bleiben“ seien einfache Wege, Liebe zum Ausdruck zu bringen. Und man helfe sich selber, sagte Curry.

Die von den Bundesstaaten festgelegten Regeln für die Impfreihenfolge sehen vor, dass ältere Menschen und für die Gesellschaft besonders wichtige Berufsgruppen, etwa im Gesundheitswesen, bevorzugt werden. Manche Gläubige sind der Ansicht, Pastorinnen und Pastoren gehörten dazu. Es gehe nicht nur um den Impfschutz für Pastoren, sondern um die Gesundheit aller, mit denen Pastoren in Kontakt kommen in ihrem „Dienst an Jesus Christus“, erklärte der Direktor eines baptistischen Krankenhauses in Winston-Salem in North Carolina. Bischof Talbert Swan von der Spring of Hope Church of God in Christ in Massachusetts forderte, Geistliche sollten in der ersten Impfphase zum Zuge kommen. Sie riskierten ihre Gesundheit bei Bestattungen, Gebeten für Sterbende oder bei der Essensausgabe für sozial Schwache.

Geistliche als essenzielle Arbeiter

Im Bundesstaat Pennsylvania hat die Episkopaldiözese daher beantragt, Pastorinnen und Pastoren als unentbehrliche Beschäftigte einzustufen. Für Mitte März seien in einer Kirche in Philadelphia Impfungen für 800 Geistliche und kirchlich Beschäftigte geplant. „Wir können uns nicht um die Kranken kümmern, wenn unsere Pastoren selber krank sind“, sagte der für Pennsylvania zuständige Episkopalbischof, Daniel Gutiérrez, im Informationsdienst seiner Kirche. In Kentucky dürfen Pastoren seit dem 1. März bevorzugt geimpft werden. Der Gesetzgeber hat Geistliche als „essenzielle“ Arbeiter klassifiziert. Sie sind damit den Beschäftigten im Verkehrswesen und in Lebensmittelläden gleichgestellt. Der Generalsekretär des ökumenischen Nationalen Kirchenrates, Jim Winkler, hat angeregt, Kirchen bei kommenden Großimpfungen zu nutzen. „Wir haben den Raum, die Parkplätze, und die Freiwilligen“, sagte er.

Die Impfungen sollen auch den Weg dafür frei machen, dass Gottesdienste wieder gemeinschaftlich gefeiert werden können. Man werde überlegen müssen, ob geimpfte und nicht geimpfte Mitglieder separat zusammenkommen sollten, schrieb das evangelikale Magazin „Christianity Today“. Ein Kommentar im Jesuitenmagazin „America“ stellte zur Diskussion, ob nur geimpfte Gläubige zur Messfeier zugelassen werden sollen. Es sei verantwortungslos, hieß es, zum Gottesdienst einzuladen, ohne alles getan zu haben, um das Risiko zu verringern.


Mehrere Fragezeichen in Sprechblasen
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1 DIREKT-KOMMENTAR

  1. Auch bei uns haben alle Fehler gemacht

    Ob nun Pfarrer*innen auch in Deutschland bevorzugt gegen Corona geimpft werden sollen ? Ist das wirklich ernst gemeint ?
    Es macht mich wütend, dass die weltweite Coronapandemie und alle damit verbundenen Themen, ständig nur negative Themen und Reaktionen hervorbringen. Was für den einen Eifersucht ist, weil nicht er sondern ein anderer wichtigerer Mensch geimpft wird, wird bei den anderen insbesondere als Sündenbockspiel bis zum Exzess praktiziert. Wenn etwas vergessen, zu spät oder nicht genügend veranlasst wurde, daran ist immer der Bundesgesundheitsminister schuld. Bei der AfD ist es die Unfähigkeit und Bösartigkeit der Bundeskanzlerin. Dabei ist logisch, dass niemand Pandemiebekämpfung dieser Art erlernt oder studiert hat und es tausend Köche gibt die zehntausend Breie kochen und sich gegenseitig auf die Füsse treten. Wir sollten hier bei uns, unter starkem hintanstellen aller auch berechtigten Kritik, alles tun um zu: Impfen, impfen, impfen, impfen und dann nochmals zu impfen. Jede leere Fabrikhalle sollte dazu dienen und alle Hausarztpraxen. Dabei sollte man sich nicht totpriorisieren, denn es ist nicht verwerflich auf mehreren Impfstraßen nebeneinander unterschiedliche Altersstufen zu versorgen. Leerstehende Fußballstationen wären dazu gut geeignet. Auf solche Idee kommt leider niemand. Das schreibe ich in der Hoffnung, dass genug Serum kommt, und zwar in alleskürzester Zeit.
    Dass die ganze Katastrophe von einem Schließen fast aller Geschäfte bis zu ihrem Wiederöffnen, und die Befürchtung es könnte so im Wechsel weitergehen, auch noch in ein Superwahljahr fällt, scheint die Rechtsaussenpolitiker mehr als zu freuen. Auf unserem Streit kochen sie ihr Süppchen, das da lautet: Das Ganze ist eine einzige Katastrophe, die gesamte Pandemie mehr oder weniger eine Erfindung, und deshalb: Alles sofort öffnen, Masken in die Mülltonne und nach uns die Sintflut. Dann soll auf den Resten unseres Zusammenhaltes und unseres Staaten die neue braune Realität beginnen. Dabei fehlt jeglicher eigener substanzieller Beitrag. Also lasst uns mehr zusammenhalten, gebt zu dass ihr alle Fehler gemacht habt und blickt nur noch in Richtung Zukunft. Ich habe einen Bibelvers umformuliert: „Wir sind allzumal Fehlermacher/innen und mangeln den Ruhmes, vor dem kritischen Wähler und der Opposition zu bestehen“! Im übrigen: So sehr es ärgerlich ist, dass hunderttausende Finanzhilfen nicht sofort kommen, weil jeder Antrag geprüft werden muss, so ist etwas anderes unverständlich: Würde kaum oder nicht geprüft, gäbe es ein fürchterliches Zeder und Mordiogeschrei. Das scheint in den USA genau so zu sein. Wenn man immer wieder feststellt, dass das Glas halb leer ist und nicht halb voll, ist schon eine emotionale Erschütterung erschaffen. Wenn wir uns jetzt unsere Fehler nicht vergeben, brauchen wir vielleicht bald nichts mehr zu vergeben.

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