In geistlicher Musik kann Gottes Kraft spürbar werden. Deshalb brauchen Lobpreisleiter nicht nur eine musikalische Gabe, sondern auch einen Draht nach oben.
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Von Frank Döhler

Nicht überall, wo Musik erklingt, tut sich der Himmel auf. Aber wo sich der Himmel auftut, da erklingt auch Musik. Kaum hatte der Engel den Hirten auf dem Feld die Geburt des Messias verkündet, folgte ein Auftritt des Engelchors. Das war nicht nur schön, sondern vor allem mächtig!

Kraft versus Qualität

Wenn ich von Musik in der Bibel lese, lese ich kaum etwas über ihre Qualität, aber viel über ihre mächtige Kraft. Es geht in der Bibel nicht so sehr um den Musiker, sondern um die Wirkung seines Musikdienstes. Das soll jetzt nicht Qualität kleinreden, sondern Gottes Kraft in geistlicher Musik hervorheben. Auch soll es nicht den Musiker für unwichtig erklären, aber demütigen. Denn Demut braucht es, wenn Musik für Gott Kraft haben soll.
Die Israeliten brauchten Demut, als der Musiker Jahasiel die Armee auf den anstehenden Kampf gegen die überlegenen Ammoniter und Moabiter einschwor: „,Glaubt an den Herrn, euren Gott, dann werdet ihr siegen … .’ Nachdem er sich mit dem Volk beraten hatte, ernannte der König Sänger, die in heiligem Schmuck dem Heer vorangehen und dem Herrn singen und seine Herrlichkeit preisen sollten.“ (2. Chronik 20, 20-21). Musiker voran! Das brauchte Demut, aber hatte Kraft – Gottes Kraft. Die Feinde schlugen sich selbst.

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David sollte in jungen Jahren mit seiner Musik die Wutanfälle des Königs Saul besänftigen. Mehrmals wollte der von einem bösen Geist besessene Saul ihn dabei töten. David diente ihm aber immer wieder. Das brauchte Demut, aber hatte Kraft – Gottes Kraft. Die bösen Geister mussten weichen.

Paulus und Silas sangen mit zerfetztem Rücken, blutüberströmt und schmerzverzerrt, die Füße und Hände in einen Block gespannt, um Mitternacht Lobpreislieder. Sie machten Gott keine Vorwürfe und haderten nicht mit ihrem Schicksal, sondern lobten ihn. Das brauchte Demut, aber hatte Kraft – Gottes Kraft. Die Erde bebte und die Gefängnistüren sprangen auf.

„Dabei ist es nicht die Musik, die Kraft hat, sondern Jesus, wenn er in unserer Musik Platz bekommt.“

Wenn nicht unser Ego, unser Stolz Jesus den Platz in der Musik streitig machen. Und mit Stolz kennen wir Musiker uns aus. Einmal hat ein Musikerkollege während eines Auftritts neben mir auf die Bühne erbrochen. Was mich tief bewegt hat, war seine anschließende Analyse: „Wie viel Demut auf der Bühne will mich Jesus denn noch lehren?“ Viel, denn er will mächtig durch ihn wirken.

Beziehung versus Bühne

Eine mächtige Wirkung haben bis heute die Liedtexte, die im Tempel in Jerusalem gesungen wurden. Als David König in Israel wurde, wählte er 4.000 Musiker aus dem Stamm Levi aus, die Gott mit Musik anbeten sollten (1. Chronik 23,3-5). Und das unaufhörlich 24 Stunden, sieben Tage die Woche. Man geht davon aus, dass dieser kontinuierliche Lobpreis über Jahrzehnte anhielt. Es ist wahrscheinlich, dass viele Psalmen diesem ununterbrochenen Lobpreis entstammen. David hatte extra Schreiber ausgewählt, die die Worte aufschrieben, die vor Gott in Anbetung gesungen wurden (1. Chronik 16,4). Wir lesen sie heute noch in der Bibel. Die Lieder entsprangen mitten aus der Anbetung. Das erklärt vielleicht ihre Kraft bis heute. Der Inhalt war mächtig, weil er aus der intensiven Begegnung mit Gott entsprang.

Lieber Musiker, liebe Musikerin, lebst du in dieser intensiven Beziehung mit Jesus Christus? Der eigentliche Dienst als Musiker findet nicht auf der Bühne statt, sondern in der täglichen, disziplinierten Pflege deiner Beziehung zu Jesus. Der Disziplin beim Bibel lesen und Beten. Der Disziplin beim Lobpreis, wenn dir keiner zuhört als Jesus allein.

„Wenn Musiker nicht mehr bei Jesus, nicht mehr in der Bibel und im Gebet zu Hause sind, wird Jesus nicht mehr in ihrem Lobpreis wohnen.“

Lobpreis-Musik ist nicht Beziehung zu Jesus an sich, sondern entspringt aus der lebendigen, hingegebenen Beziehung zu Jesus Christus.

Hier müssen Gemeinden ihre Musiker ermutigen, in ihre Beziehung zu Jesus Christus zu investieren. Eine neue Studie zum Thema Lobpreis¹ kommt zu dem Ergebnis: „Die Generation Lobpreis ist keine Bibelgeneration.“ Gottes Wort ist Nahrung für die Ewigkeit auf unserem Weg durch diese Zeit. Wenn wir Musiker nicht unsere Kraft aus Gottes Wort ziehen, wird unsere Musik keine Kraft haben, keine Herzen verändern und niemanden zu Jesus ziehen. Aber darum geht es am Ende.

Meine Vorliebe versus Gottes Vorliebe

Unsere Musik wird auch kraftlos sein, wenn wir als Musiker nicht in Einheit vor Gott stehen. Wir sind als Christen zusammen, nicht weil wir uns so mögen, sondern weil wir einen gemeinsamen Retter haben: Jesus Christus. Und weil uns von Jesus Christus eine gemeinsame Mission anvertraut ist: die Menschen in unserem Land zu Jesusnachfolgern zu machen. Da es also nicht um Sympathie geht, ist jede Gemeinde ein bunter Haufen – auch was die Musikstile der Gottesdienstbesucher angeht. Als Musiker kannst du es nie allen recht machen. Deshalb gilt für Gottesdienstbesucher und Musiker gleichsam das Bibelwort: „Ertragt einer den anderen in Liebe …“ (Epheser 4,2).

Vor einigen Jahren schrieb einmal ein Gottesdienstleiter in unserer Gemeinde dem Lobpreisleiter für den Sonntag in einer Mail: „Bitte nicht wieder so einen Eierkuchen-Lobpreis.“ Daraufhin schrieb der Musiker zurück: „Deine alten Lieder spiele ich nicht.“ Solche Meinungsverschiedenheiten sind unvermeidlich, müssen ausgetragen und gelöst werden. Aber wie? Hilfreich war mir dabei einmal die Frage: Was suche ich als Musiker in der Gottesdienstmusik? Meine Vorlieben oder Jesus? Der meiste Streit über Musik im Gottesdienst entsteht dadurch, dass wir unsere Vorlieben zu Gottes Willen erklären und durchsetzen wollen. Wir meinen es dabei natürlich auch nur gut, aber Jesus sagt: „… du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.“ (Markus 8,33).

Was hilft mir, meine Vorlieben nicht an erste Stelle zu setzen? Vielleicht die Erkenntnis, dass die Gottesdienstmusik in erster Linie nicht mir gefallen soll, sondern Jesus Christus. Und der hört mehr auf das Herz als auf den Sound, mehr auf die Einheit der Herzen als auf die Vielfalt der Stile.

In zweiter Linie soll die Musik den Gästen gefallen, den Noch-Nichtchristen. Denen, die mal vorbeischauen. Deshalb fragen wir uns nach der Kulturrelevanz unserer Musik. Es geht uns nicht um einen musikalischen Leckerbissen für die langjährigen Christen. Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.

„Die Musik muss den Gästen gefallen, die Jesus noch nicht nachfolgen, nicht den Christen.“

Da müssen Gemeindemusiker von Paulus lernen: „Den Juden bin ich einer von ihnen geworden, um sie für Christus zu gewinnen … Ich versuche bei allen Menschen eine gemeinsame Grundlage zu finden, um wenigstens einige von ihnen für Christus zu gewinnen.“ (1. Korinther 9, 20-22).

Wenn die Gottesdienstmusik für die neuen Gäste eine gute Grundlage, eine Landebahn wird, dann nehme ich es gerne in Kauf, wenn sie nicht immer meiner Vorliebe und der Vorliebe langjähriger Christen entspricht.

Exzellenz versus Professionalität

Aber braucht es dafür nicht doch gute Qualität? Seit ca. 2005 sammeln sich mehr und mehr gute Musiker in unserer Gemeinde. Die Qualität der Gottesdienstmusik ist stetig gestiegen. Soweit, bis einige Musiker sagten: „Ich kann mit dieser Professionalität nicht mithalten.“
Das warf die Frage auf: Was ist der Maßstab, an dem Musiker und ihre Musik in unserer Gemeinde gemessen werden sollen? Natürlich wissen wir um die Anziehungskraft guter Qualität. Viele Leute sind in unserer Gemeinde „hängen“ geblieben, weil sie neben der bibeltreuen Predigt die hohe Qualität der Musik angesprochen hat. Und trotzdem ist Professionalität nicht das Kriterium, an dem wir Musiker messen, sondern Exzellenz. Professionalität ist immer an dem Besten orientiert, was anderen möglich ist. Exzellenz ist an dem Besten orientiert, das mir möglich ist. Mein Bestes bringe ich Gott.

Klar sind andere Musiker besser, aber das stört Gott nicht. Für Minderwertigkeitskomplexe ist genauso wenig Platz wie für Stolz. Es ist aber viel Platz für Entwicklung. Es wird uns Musikern nicht vorgehalten, wenn unsere musikalische Begabung nicht die größte ist. Es wird uns Musikern auch nicht vorgeworfen, wenn wir Fehler machen. Aber wir müssen Eifer in unserem Dienst haben. Jesus verdient unsere Exzellenz: beim Üben, Vorbereiten, Durchführen und in unserer Beziehung zu ihm. Dieser Eifer um Exzellenz im Dienst für Jesus Christus ist unser Maßstab.

In dieser Exzellenz für Jesus klinkt sich unser Lobpreis ein in den Lobpreis der Engel – ob nun auf einem Feld vor Bethlehem oder in einer Hinterhof-Gemeinde in einem Industriegebiet.


Dieser Artikel ist zuerst in der CHRISTSEIN HEUTE erschienen, die wie jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört.

 

2 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Ganz meine Meinung. Es bleibt Gottes Sache, wann ER den „Himmel öffnet“. Vorbereiten, üben, beten – ist alles gut. Und dann sehen wir, was der Heilige Geist kann und möchte. Schon der alte J.S. Bach schrieb unter seine Wunderwerke „Soli deo gloria – Gott allein die Ehre“. Alles andere ist eh vergänglich.

    • Lobpreis, etwa durch Musik, ist immer darauf angelegt, Gott zu ehren. Meines Erachtens ist das wie beim Gottesdienst, der nicht in erster Linie ein Werk an der Gemeinde, sondern ein „Dienst an Gott“ ist. Dem Artikel von Frank Döhler – und auch dem Kommentar von Käte – kann ich zustimmen. Bei Frank Döhler gefällt mir lediglich nicht die Formulierung die suggeriert, irgend eine Verkündigung des Wortes Gottes und sei es noch so schöne Musik, sei ein Köder, der ja nicht in erster Linie den Christen, sondern den Nochnichtchristen schmecken soll. Ich möchte niemand geködert wissen, weder mit guten Predigten, noch mit schöner Musik oder anderen Beeinflussungsmöglichkeiten. Käte schreibt zurecht: „Es bleibt Gottes Sache, wann er den Himmel öffnet“. Wenn wir andere Menschen mitnehmen (oder sie selbst kommen) in unsere Gottesdienste, Lobpreisungen, Kirchenmusiken usw., dann sollen wir als Gemeinde und als einzelne Personen so sein wie wir sind. Obwohl viele Jahrzehnte zurückliegend, hat mich die Erfahrung von Taize sehr geprägt. Das Mitdiskutieren, die Begegnung mit vielen Menschen, die schönen Gesänge, das gemeinsame sehr tiefe und ernsthafte Beten sowie das geschwisterliche Miteinander hat mehr missionarische Wirkung als die Idee, man könnte Menschen ködern. Auch wenn Petrus Menschenfischer sein sollte, stand hier doch vorstellungsmäßig eher im Fokus, dass jemand die Netze auswirft und Menschen einsammelt, die gerne Jesus nachfolgen möchten. Petrus hat ja keinen Regenwurm an eine Angel gelegt, damit der Fisch meint es wäre ein Leckerbissen und somit durch seinen Irrtum sein Leben einbüßt. Das Beispiel von uns Christen hat eine selbstwirkende Verheißung. Es kommt auch auf die Mischung an: Ein Esslöffel unverkrampfte Frömmigkeit, ein weiterer Esslöffel Liebe und Freundlichkeit und ein Teelöffel Natürlichkeit gut verrühren, mit einer Prise Humor würzen und im Ofen der Kirche bei niedriger Temperatur köcheln lassen… allerdings können wir den Heiligen Geist nicht beifügen. Der wirkt nur, wo er will.

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