Auf dem Weihnachtsmarkt in Halle gibt es alles, was das Herz erfreut: Fressbuden, Glühwein – und eine Weihnachts- und Gebetshütte. Seit acht Jahren finden die Besucher hier einen Ruhepol im Adventstrubel. In diesen Häuschen können sie für sich beten lassen, den Glauben entdecken und Jesus kennen lernen. Und damit erreichen die 17 Gemeinden vor Ort nicht nur Christen.

Von Nathanael Ullmann

Als das Stadtmarketing in Halle die dortige Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) vor acht Jahren anfragte, ob sie nicht auch auf dem Weihnachtsmarkt vertreten sein wolle, schien die Idee schon im Vorfeld zu scheitern. Denn niemand von der Arbeitsgemeinschaft wollte im ersten Moment die Initiative ergreifen: „Keiner hat an Weihnachten Zeit“, so Antonia Gerdemann von „Gemeinsam für Halle“. Doch dann entschied sich der Gemeindeverband trotz allem, zumindest eine Stunde pro Tag in einer Weihnachtshütte eine „Stille Stunde“ anzubieten. „Hier konnten die Besucher beispielsweise Gebete in eine Klagemauer stecken oder ihr Anliegen auf Tonscheiben schreiben“, erzählt die Mitorganisatorin.

Anfangs konnten die Besucher ihre Gebete in eine Klagemauer stecken. Foto: Antonia Gerdemann

Die Besucher nahmen das Projekt gut an, die christliche Hütte war auch in den nächsten Jahren auf dem Weihnachtsmarkt in Halle zu finden. Vor vier Jahren hatten die 17 Gemeinden der Arbeitsgemeinschaft dann die Möglichkeit, ihr Angebot auszuweiten. Zusätzlich zur Weihnachtshütte errichteten sie noch eine eigene Gebetshütte.

Auf Schatzsuche nach Jesus

Im vorderen Teil der Hütte erhalten die Besucher unter anderem Kalender und Bibeln. Sie können einfach reinkommen und sich umschauen. Wer mag, darf dann in den hinteren Teil des Häuschens gehen. Dort können die Weihnachtsmarktbesucher für sich beten lassen. In der Weihnachtshütte gibt es mittlerweile jedes Jahr einen anderen Schwerpunkt. In diesem Jahr wird eine Schatzsuche an der Krippe angeboten, eine Art Schnitzeljagd. „Pro Tag haben wir etwa 30 bis 80 Schatzsuchen“, sagt Gerdemann. Die Besucher können von Station zu Station gehen und mehr über die Frohe Botschaft lernen. Bei der ersten Station gilt es beispielsweise, einen Lückentext auszufüllen. Dazu muss aber erst einmal der richtige Vers in der Bibel gefunden werden. In einer anderen Station gibt es einen leeren Beutel, der symbolisiert, dass Jesus auferstanden ist – und trotz allem noch da. Im Finale schaut der Schatzsucher hinter einen Vorhang – und sieht vor sich einen Spiegel mit der Aufschrift „Schatz Gottes“.

Drei Stunden haben die Hütten täglich geöffnet, hinzu kommen eine halbe Stunde Weihnachtsliedersingen und der sonntägliche Hüttenlobpreis. Zehn Ehrenamtliche sorgen jeden Tag dafür, dass im Komplex alles rund läuft. Rund 150 Leute befassen sich insgesamt jedes Jahr mit der Organisation und Durchführung des Projekts.

Dieses Jahr können die Weihnachtsmarktbesucher auf Schatzsuche gehen. Foto: Andy Ziems

„Ich bin ein Hoffnungsträger. Ich möchte den Menschen zeigen, dass man mit Jesus in eine Beziehung treten kann“, beschreibt Antonia Gerdemann ihre Motivation, so viel Mühe in die jährliche Weihnachtsmarktaktion zu stecken. Von vielen positiven Erfahrungen weiß sie zu berichten. Die Menschen, die die Weihnachts- und Gebetshütte aufsuchten, seien zu 85 Prozent Atheisten. Trotz allem zeigten viele Interesse. „Ein Mann meinte mal nach dem Gebet: ‚Jetzt habe ich Pipi in den Augen‘“, so die 47-Jährige. Eine andere Dame habe im vorletzten Jahr für sich beten lassen, weil sie keine Kinder bekommen konnte. Im letzten Jahr besuchte sie erneut den Stand der ACK: „Sie wollte sich bedanken. Sie war schwanger – mit Zwillingen.“

Alltag kommt schnell wieder

Was den zählbaren Gemeindezuwachs angeht, sieht die Koordinatorin allerdings noch Potential. Zwar gebe es den einen oder anderen, der in den Buden zum Glauben fände, aber das seien noch sehr wenige: „Die Menschen erleben Gott in dem Moment. Aber der Alltag hat sie sehr schnell wieder.“ Deswegen planen die Veranstalter für dieses Jahr im Anschluss an den Weihnachtsmarkt auch einen Glaubensgrundlagenkurs.

Christen, die in ihrer Stadt eine ähnliche Aktion durchführen wollen, kann Antonia Gerdemann trotz allem nur ermutigen. Das Modell sei so gut, dass man es auf mehr Plätzen und Weihnachtsmärkten finden könne. Allerdings solle man im Bestfall klein anfangen. Eine Stunde am Tag zu öffnen, sei für den Anfang ausreichend. „Auch ist es gut, wenn man auf Allianzebene arbeitet, beispielsweise zusammen mit der ACK oder der evangelischen oder katholischen Kirche.“ Als weiteren Tipp empfiehlt sie, gewisse Standards festzulegen, beispielsweise beim Gebet. Schließlich besuchten die Hütte mehrheitlich Menschen, die kaum Berührungspunkte mit dem christlichen Glauben hätten.

4 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Wow….ich bin beeindruckt…. Weiter so… . Das es bald in noch mehr Städten und Gemeinden stattfindet…

  2. Die Gebetshütte auf dem Weihnachtsmarkt ist eine ausgesprochen gute Idee. Überall dort, wo wir als Christinnen/Christen nicht im eigenen Saft schmoren, sind wir auf dem richtigen Weg. Wenn die Komm-Struktur nicht mehr (richtig) funktioniert, muss eine wir Gehen-Hin-Struktur stattfinden. Nicht immer und zu jeder Gelegenheit, aber im Prinzip.

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