Willow-Creek-Kongress: Der erste Schritt zum Erfolg ist das Scheitern

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Craig Groeschel, Pastor der LifeChurch.tv-Gemeinde in Oklahoma / USA, sprach auf dem Willow Creek-Kongress in Karlsruhe über den Erfolg, der im Scheitern liegt.
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Die 8.300 Teilnehmer in Karlsruhe und Winterthur (Schweiz) ermutigte er, Scheitern nicht gleich als persönliches Versagen anzusehen: „Mein erster Dienst war ein großes Scheitern. 100 Menschen kamen zu meiner ersten Veranstaltung. Nächste Woche waren es nur noch vier. Ich sagte mir: ‚Gott, ich bin ein Versager‘. Doch nun sage ich dir: Versagen ist eine Situation, nicht eine Person. Nur weil du an etwas gescheitert bist, bist du nicht gleich ein Versager. Gott musste erst etwas in mir tun, bevor er etwas durch mich tun konnte.“

Für den Gründer von LifeChurch.tv ist Versagen keine Option, sondern eine Notwendigkeit. „Oft ist der erste Schritt zum Erfolg das Scheitern.“ Wer scheitere, dürfte sich nicht einfach selbst beschuldigen. Wie Groeschel sagte, habe er durch Scheitern sehr viel gelernt. Doch entscheidend sei, nach dem Scheitern wiederaufzustehen: „Lass das Scheitern dich nicht zurückhalten. Nur weil du gescheitert bist, bist du kein Versager. Vielleicht bereitet Gott dich gerade durch das Scheitern auf etwas vor.“

Groeschel berichtete den Kongressteilnehmern, dass er zwar gelernt habe eine „pastorale Sprache zu sprechen“, auch wenn ich sie nicht immer so meinte. Auch habe er immer nur dann die Bibel studiert, um die Predigt vorzubereiten. Er habe oft nur eine geistliche Show abgezogen, sagte der Gemeindegründer aus den USA.

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Groeschel gründete 1996 seine Gemeinde in einer Doppelgarage. Damals habe er nichts von dem gehabt, das man vermeintlich brauche, um eine Gemeinde zu gründen. Doch aus diesem „Nichts“ seien heute 13 verschiedene Gemeindezentren entstanden, die über die ganze USA verteilt sind. Genauso wie er sich für seine Gemeinde hingebe, forderte der Pastor volle Hingabe von allen anwesenden Mitarbeitern, Leitern und Pastoren für deren Kirchengemeinde. Der Vater von sechs Kindern forderte zudem dazu auf, einen „messerscharfen Fokus“ zu haben.

In seinem Vortrag fragte Groeschel die Teilnehmer: „Worin könnt ihr die Besten sein in der Welt? Wozu hat Gott euch auf einzigartige Weise begabt und berufen, einen Unterschied zu machen? Und wenn ihr das auf den Punkt gebracht hat, möchte ich euch dazu herausfordern, nicht alles davon zu tun.“ Es gehe um das geplante Aufgeben, nicht alles tun zu müssen. Groeschel weiter: „Um Menschen zu erreichen, die sonst niemand erreicht, musst du auch Dinge tun, die sonst niemand tut.“ Seine Kirchengemeinde habe das geschafft, indem sie sich auf wenige Dinge konzentriert habe, in denen sie stark seien. Und um Dinge zu tun, die sonst niemand tut, müsse man sich auch die nötige Freiheit dazu nehmen. Weiter forderte der Pastor dazu auf, nicht nur „und“, sondern auch „oder“ zu sagen. „Sagt nicht nur das und das, sondern das oder das“, sagte Groeschel.

Chancen statt Hindernisse sehen

„Gemeinden und Organisationen sehen Chancen, wo andere nur Hindernisse sehen“, so der Pastor. Dabei hätten doch die christlichen Gemeinden und Kirchen alles, was man zum Leben brauche. Aus eigener Erfahrung sagte Groeschel: „Wenn wir eine wahre Leidenschaft haben, wird es dazu führen, dass wir die Hindernisse überwinden. Manchmal werden dadurch Dinge tatsächlich möglich, von denen ihr bisher dachtet, sie sind kaum möglich sind.“

Der Gründer von LifeChurch.tv gewann im Laufe der Jahre die Erkenntnis, dass Gott auch „durch das führt, was er uns vorenthält. Manchmal bekommst du etwas nicht von Gott, damit du Dinge siehst, die du sonst nicht sehen würdest.“ Viele seien versucht zu sagen, sie hätten kein großes Kirchengebäude oder es fehlten ihnen ehrenamtliche Mitarbeiter. Nach Groeschels Meinung kann „die größte Begrenzung die größte Innovation freisetzen“.

Mit Prof. Fredmund Malik (St. Gallen) hatten die Veranstalter des Willow Creek-Leitungskongresses den führenden internationalen Leadership-Experten (Experten für die Schulung von Führungskräften) eingeladen. Der aus Österreich stammende Wissenschaftler und Unternehmensberater hat Ausbildungszentren in der Schweiz, in England, Canada und China. Malik beschäftigte sich mit der Frage, wie Menschen „Sicher sicher führen lernen“.

Malik erkläuterte, dass es Aufgabe eines Managers sei, Ressourcen in Nutzen umzuwandeln. „Ein Manager ist eine Person, die Dinge zum Funktionieren bringt – und das in einer der größten Umwandlungsepochen, die es je gab. Zeiten der Krise sind nur dann schlimm, wenn wir nicht wissen, wie wir damit umgehen.“

Weil klassische gesellschaftliche Netzwerke nicht mehr ihre Aufgaben erfüllen, entstehe eine neue Welt. Malik vertrat die These, dass dabei in Zukunft Sachen „doppelt so gut funktionieren mit der Hälfte des Geldes“. In diesem Prozess müssen die Stärken von Individuen genutzt und in Leistung transformiert werden. „Insgesamt müssen wir 5-10 Millionen Menschen schulen, die in Leitungsfunktionen sind.“ Dabei gelte es nicht auf die Schwächen zu schauen, sondern zu entdecken was der Einzelne besser kann als andere.

Bei Organisationen sollten die lernbaren Dinge im Vordergrund stehen. „Es gilt das, was man tut und das was man zu tun versäumt hat, einzugestehen. Sicher sicher führen, kann man durch individuelles Lernen und Führen.“ Statt Geld müsse wieder die Intelligenz und statt Stress der Sinn von Aktionen im Vordergrund stehen. „Wichtig sind Menschen, die einen Sinn in ihrer Aufgaben sehen“, so Malik.

Statt eigene Schwächen zu bedauern, sei es wichtig die Stärken herauszustellen: „Wir sind dort gut, wo uns Dinge leicht fallen. Aber diese Dinge fallen uns nicht auf, weil sie uns leicht fallen.“ Eine wichtige Rolle dabei spielt das gegenseitige Vertrauen an.

Veränderung von Menschen muss durch veränderte Menschen geschehen

„Keine Person in der Weltgeschichte hatte eine so große Wirkung erzielt wie Jesus Christus.“ Dies machte der amerikanische Theologe John Ortberg, Pastor der Presbyterian Church aus Kalifornien den Besuchern deutlich gemacht. „Durch die Bibel haben wir von Gott die Aufgabe bekommen diesen zu verkünden. Mit aller geistlichen Weisheit, die er uns gegeben hat, sollen wir Jesus den Menschen bekannt machen.“

Ortberg ermutigte die Zuhörer: „Jesus scheint auch und gerade an den Orten wo Verzweiflung herrscht – auch in Zeiten der Wirtschaftskrise oder der Krankheit.“ Jeder Mensch brauche Jesus, auch diejenigen, die sich am sichersten und am unabhängigsten fühlen. „Während die menschlichen Arme mit der Zeit müde werden, hält Jesus die Arme immer offen.“

Hauptaufgabe der Christen sei es, jeden einzelnen Menschen zu einem reifen und mündigen Christen zu machen und damit die Vision des Paulus umzusetzen. „Am wertvollsten ist es, dies zu begreifen! Die größte Aufgabe des menschlichen Universums ist das Formen der menschlichen Seele.“

Zurzeit gebe es zu viele Nachfolger, die gar keine Nachfolger sind, bemängelte der amerikanische Theologe. Mit geistlichem Wachstum gehe es nicht darum Kirchenleute zu produzieren, sondern Menschen, die den Heiligen Geist in sich haben: „Wenn man sich ein menschliches Wesen anschaut, schaut man in die Ewigkeit.“

Statt Menschen zu Aktionismus anzustiften, gehe es darum Menschen zu helfen, dies von innen heraus zu wollen. „Die Veränderung von Menschen muss durch veränderte Menschen geschehen. Wir müssen bereit sein Jesus die höchste Priorität im Leben zu geben. Jeden Menschen zu einem reifen und mündigen Christen zu machen ist das, warum Jesus für uns gestorben ist.“

Der Willow Creek-Leitungskongress findet vom 28.-30. Januar in der dm-arena in Karlsruhe statt. Zu der überkonfessionellen Veranstaltung haben sich 7.800 Teilnehmer angemeldet. Der Kongress wird zudem live nach Winterthur (Schweiz) übertragen, zu dem sich weitere 500 Teilnehmer angemeldet haben.