Gottes Schöpfung bringt einen immer wieder zum Staunen und führt uns in die Anbetung. Hier sind zehn praktische Tipps, wie man im Urlaub, auf Balkonien oder im Grünen Hinweise auf Gott wahrnehmen kann.

Von Jürgen Grün

1. Zuallererst bete ich, dass es mir bewusst wird: In der Schönheit der Schöpfung liegt eine Botschaft an mich, eine Kraft, sein Segen, etwas Heilsames. So wie in dem Strauß, den ich meiner Frau schenke, mehr gesagt und bewirkt wird als „Hier ist eine Deko“. Denn dass ich mir dessen bewusst werde, ist die „Tür“ der Erfahrung. Nur was ich „bewusst wahrnehme“, wird für mich „wahr“!

2. Die Segenswirkung der Schöpfung ist meist weniger grell und weniger laut als viele der Ablenkungen, die der Alltag in meine Sinne drückt. Und die heutigen Zeitmuster sind so schnelllebig wie eine Zugfahrt, bei der ich durch das Waggonfenster versuche, den „Fast motion“-Film der vorbeirauschenden Landschaft zu verinnerlichen oder den fröhlichen Gesang der Vögel durch die Scheibe hindurch zu hören. Also muss ich immer wieder anhalten und „aussteigen“, äußerlich und innerlich. Meine Erfahrung ist, dass meine Seele sich erst dann wieder „öffnet“ und genussfähig wird für die Kostbarkeiten der Natur, wenn ich anfange, mich dem Grellen, Lauten, der Ablenkung zu verweigern und zur Ruhe zu kommen. Deshalb sind die Pausen, das „Herabfahren“, das Loslassen, das Aussteigen aus dem Trubel und den Ablenkungen eine notwendige und wirksame Voraussetzung, um sich neu beschenken zu lassen.

Den Blick ruhen lassen

3. Dann aber kommt es für mich darauf an, unsere heutige „Möglichst schnell – möglichst viel“-Mentalität zu durchbrechen. Zugegeben, ein schneller „Überblick“ über eine Blumenwiese oder ein Panoramablick hat auch etwas Bundesgartenschau mit geschätzt einer Million Pflanzen in fünf Stunden inklusive Kaffee und Kuchen, gut. Aber seit ich vor Jahren angefangen habe, immer mal wieder meine Augen länger auf einer einzigen Blume, einem Baum, einem Sternengebilde ruhen zu lassen, habe ich eine neue Erfahrung gemacht: Im Verharren eröffnet sich ein Zugang zu Details, zu leicht Übersehbarem, zu Nuancen, zu Zusammenhängen, die tiefer berühren als der schnelle (Über-)Blick. Nicht von ungefähr sagt Jesus nicht: „Seht die üppige Blumenwiese!“, sondern „Seht die Lilien auf dem Feld … Nicht mal all die Schönheit Salomos konnte da mit auch nur einer mithalten!“ ( vgl. Matthäus 6,28f; Lukas 12,27)

4. Vieles im (Er-)Leben bekommt erst seine bedeutungsvolle Kraft, wenn es sich mit einem Wort Gottes verbindet. Einen Blumenstrauß kann man auf Liebe und Wertschätzung hin vermuten, wenn man ihn geschenkt bekommt. Aber wenn ihn jemand mit den Worten überreicht: „Für dich, weil du mir viel wert bist, weil ich dich liebe und dir eine Freude machen will!“, verstärkt das den „Segen“, den ich empfange.

„Vieles im Leben bekommt erst seine bedeutungsvolle Kraft, wenn es sich mit einem Wort Gottes verbindet.“

Genau das tut Jesus, wenn er unseren Blick auf die „Lilien auf dem Felde“ lenkt und sagt: „Es ist eine Botschaft der Fürsorge Gottes an dich!“ Deshalb: Ich habe mir eine Anzahl von Bibelworten notiert in mein kleines „geistliches“ Notizbuch, die mir helfen, die Botschaft (in) der Schöpfungsschönheit noch mehr mit ihrem Schöpfer und seiner Liebe zu uns Menschen in Verbindung zu bringen.

5. Das aber leitet mich zur „natürlichsten“ aller menschlichen Reaktionen: Wort ruft Antwort hervor. Aus meinem Herzen steigt eine Antwort zu Gott, ich bete, ich danke ihm. Ich nenne das oft konkret: „Lieber Gott, diesen Halm hast du wunderbar gemacht“; „Ich staune über deinen Ideenreichtum“; „Du hast aber auch Humor“ (wenn ich manche Tiergestalten anschaue oder eine Ameise eine 20-mal schwerere Last als ihr Eigengewicht schleppen sehe).

Die Musik zur Schöpfung

6. Und ganz „natürlich“ verdichten sich meine Gebete oft zur Anbetung der Macht und Herrlichkeit Gottes. In meiner Jugend sang (oder summte) ich – wiewohl damals noch Rockmusiker – in solchen Momenten gerne das Lied „Du großer Gott, wenn ich die Welt betrachte, die du geschaffen durch dein Allmachtswort. Wenn ich auf alle jene Wesen achte, die du regierst und nährest fort und fort: Dann jauchzt mein Herz dir, großer Herrscher, zu, wie groß bist du!“

7. Das wiederum hat mich dazu geführt, immer mal wieder Musik und Schöpfung praktisch zu verbinden: z.B. mit Kopfhörern oder einem Akku-Lautsprecher in einer warmen Sommernacht von der Liege aus die Augen „im Sternenhimmel zu weiden“ und meine Seele von „Die Schöpfung“ von Haydn „empor tragen zu lassen“, erlebe ich als eine geradezu göttliche Berührung. Am Bach oder Fluss zu sitzen und „Die Moldau“ zu hören, inspiriert mich zu wertvollen „Gedanken“; einem fröhlichen Lied auf der Blumenwiese liegend zu lauschen, während ich entspannt das Wolkenspiel beobachte, entspannt mich bis tief in die Seele.

8. Manchmal tut es mir gut, mit solchen Erfahrungen in der „Zweisamkeit mit Gott“ alleine zu sein. Ich bekomme wieder ein Gefühl für mich selbst, für „ER und ich“. Ein andermal gehe ich mit meiner Frau, einem meiner Kinder, meinem Bruder oder einem Freund auf Entdeckungsreise in der Natur. Wir geben uns gegenseitig Hinweise. (Mein Bruder ist Experte für Sporenpilze. Kaum jemand kann sich vorstellen, welcher Kosmos der Schönheit in diesem „Departement“ der Schöpfung verborgen ist!)

Auch für den Genuss der Schöpfung gilt: „Geteilte Freude ist doppelte Freude.“

Manchmal reden wir über Entdeckungen, als ob wir eine Beute gemacht hätten, wir staunen gemeinsam, wundern uns, lachen drüber. Auch für den Genuss der Schöpfung gilt: „Geteilte Freude ist doppelte Freude.“ Und wenn dann eine offene Kirche am Wegrand einlädt, nutzen wir sie, um Gott für das Erlebte zu danken. Kinder und Enkel zu dieser Achtsamkeit zu erziehen, war übrigens immer ein wichtiges Erziehungsziel bei uns „Grüns“.

Den Augenblick festhalten

9. Festhalten! Aufnehmen! Mitnehmen! Wer halbwegs mit einer Kamera umgehen kann (oder gar malen?!) und den Blick für das „Besondere“ hat, darf tun, was 99 % der Menschen in der Menschheitsgeschichte nicht tun konnten: den Augenblick einzufangen und mitzunehmen, ihn zu Hause noch mal oder immer wieder zu bestaunen. Ich finde, statt einer oft so belanglosen „Selfie-Kultur“ zu folgen, sollten wir öfters mit dem Fotoapparat (Handy) auf „Beutezug“ in die Schöpfung gehen. Zu Hause an einem schönen Abend noch mal „hinein zu staunen“ in die „Beute“, die „Lilien“ noch mal zu sehen und dahinter die Botschaft unseres Gottes zu erkennen, zu danken und anzubeten – es tut so gut!

10. Zuletzt unsere neueste Entdeckung in der Schöpfung: Man kann sie essen und trinken. Der besuchte Vortrag hieß „Mission Grün“ – bei unserem Familiennamen ein Muss im Urlaub. Es ging um die Heilkraft der Natur, der Kräuter, Blätter, Blüten. Seither sehe ich manches (Un-)Kraut mit ganz anderen Augen. Und seitdem landet Giersch und Brennnessel und Löwenzahn im Teetopf, Salat oder Eintopf. Wir spüren: Es tut uns gesundheitlich gut. Die Schöpfung ist eben heilsam, auf unterschiedlichste Weise.


Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift Christsein Heute erschienen, die wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört.

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