Nirgendwo sonst kann man die Vielfalt und Weite der evangelischen Kirche so gut sehen wie beim Abend der Begegnung auf dem Kirchentag, findet unser Redaktionsleiter Daniel Wildraut.

Es wäre anmaßend, einer Großveranstaltung wie dem Kirchentag mit seinen rund 2.400 Einzelveranstaltungen in einem Kommentar gerecht werden zu wollen. Was ist das überhaupt, „der“ Kirchentag? Für den Einen vielleicht die Bibelarbeiten, das Singen und die Gottesdienste. Andere schätzen die Foren mit Diskussionen zu gesellschaftlichen und politischen Themen. Manche wollen etwas über neue Gottesdienstformen erfahren oder möglichst viele Konzerte erleben. Die Onliner vernetzen sich unter dem Hashtag #digitaleKirche.

Zugegeben, bei der Fülle der Angebote geht es auch mir so, dass ich mich manchmal frage, ob denn diese oder jene Veranstaltung auf einen Kirchentag gehört. Dazu habe ich mich in der Vergangenheit durchaus kritisch geäußert. Aber die evangelische Kirche ist nun einmal bunter und weiter als ich. Und das ist auch gut so.

Der Puls des Kirchentags

Die beste Zeit auf dem Kirchentag ist für mich der Abend der Begegnung. Und das nicht nur, weil ich heute in Dortmund tatsächlich mehreren Freunden und Bekannten in der Masse der Menschen begegnet bin. Am Abend der Begegnung präsentiert sich die gastgebende Landeskirche, in Dortmund also die westfälische Kirche, mit ihren Angeboten und Projekten. Deren Präses, Annette Kurschus, dürfte beim Rundgang durch die Dortmunder Innenstadt mit das Herz aufgegangen sein. Hier ein Bibelquiz, dort Sportangebote, Basteln (sehr cool: „Vertrauensringe“ gießen), Malen, soziale und caritative Projekte. An der einen Ecke spielt ein Posaunenchor, zwei Straßen weiter gibt es Gospel auf die Ohren. Auch Worship, in einem kleinen Zelt nicht weit davon. Es ist wuselig, es ist laut und etwas chaotisch. Mit einem Wort: lebendig.

Hier, am Abend der Begegnung, da schlägt der Puls des Kirchentags. Vielleicht spürt man das gerade deshalb so deutlich, weil dieser Abend zu einem Großteil den Ehrenamtlichen gehört. Sie präsentieren, was in ihren Gemeinden, Werken und Kirchenkreisen angeboten und geleistet wird. Mit Glauben, Herz und Leidenschaft. Und wo Menschen Christus nachfolgen und sich in Bewegung setzen, da ist Kirche lebendig.

Ergänzung vom Sonntag, 23. Juni:

Nein, wir sehen den Kirchentag nicht völlig unkritisch. Bei manchen Veranstaltungen kann auch ich nur mit dem Kopf schütteln. Muss das wirklich sein? Das Kirchentagspräsidium könnte die Hand in Richtung theologisch konservativ denkender Christinnen und Christen deutlich weiter ausstrecken. Das wäre wünschenswert, denn hier bleibt der Kirchentag bislang unter seinen Möglichkeiten und verschenkt Potenzial. Bleibt politisch, aber stärkt die geistlichen Impulse! Manches ließe sich kritisieren. Aber wenn, dann bitte sachlich, nicht polemisch. Christinnen und Christen den Glauben abzusprechen, weil sie zum Kirchentag fahren, das geht gar nicht!

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2 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Das Bild zu diesem Beitrag zeigt also die Vielfalt und Weite der evangelischen Kirche ? Von was wurde der Rezensent denn euphorisiert? Ich weiß es nicht. Aber vielleicht bekommen wir ja alle noch eine Erklärung dazu?

    • Hallo Stefan, den Kommentar habe ich (Daniel) geschrieben. Es ist mein ganz persönlicher Eindruck dieses Abends. Nicht des Kirchentags als Gesamtveranstaltung, wie ich ja betont habe. In früheren Beiträgen habe ich auch mal das herausgepickt, was mich gestört hat. Diesmal nicht. Vielleicht, weil der Abend der Begegnung von „meiner“ Landeskirche gestaltet wurde. Und was ich dort gesehen habe, das waren in erster Linie ganz viele Christenmenschen, die fröhlich ihre Projekte vorgestellt haben. Glaube, der in Bewegung versetzt. Und das finde ich klasse. Viele Grüße, Daniel

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