Christen in Brunei sehen sich vom Aussterben bedroht

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Christen sitzen betend in einem Kreis
Christen treffen sich in der Hauptstadt von Brunei, Bandar Seri Begawan, zum Gebet, Foto: Open Doors
Im Sultanat Brunei gilt seit Anfang April die Scharia als Rechtssystem. Das christliche Hilfswerk Open Doors erklärt in einer Pressemitteilung, was das für die dortigen Christen heißt. Und sprach mit Betroffenen.

Sultan Hassanal Bolkiah hat 2014 damit begonnen, die Scharia als geltendes Rechtssystem in Brunei einzuführen. Sie regelt die religiösen und rechtlichen Normen im Islam. Dieser Prozess ist seit dem 3. April abgeschlossen. Seitdem gelten härtere Strafgesetze, beispielsweise gegen Homosexuelle. Nun erklärt die christliche Hilfsorganisation Open Doors in einer Pressemitteilung, wie das Leben der Christen im Land aussieht.

Diese machen 13 Prozent der Landesbevölkerung aus. 57.400 Menschen bekennen sich dort zum christlichen Glauben. Etwa 57 Prozent der Bevölkerung seien Muslime, heißt es in dem Papier. Open Doors spricht von drei römisch-katholischen und zwei anglikanischen Kirchen, die im Land offiziell anerkannt sind. Andere Gemeinden hätten es schwer, eine Registrierung zu erlangen: „Bei Genehmigungen für die Erweiterung bestehender Gebäude haben selbst anerkannte Kirchen größte Schwierigkeiten, von Gemeindegründungen ganz abgesehen.“

Auf Glaubenswechsel steht die Todesstrafe

Generell ist es nach Aussagen von Open Doors streng verboten, einen anderen Glauben als den Islam zu verbreiten. Unterweisungen von Christen darf es nur innerhalb der kirchlichen Mauern geben. Nicht registrierte Kirchen werden im Land zwar geduldet. Allerdings nur dann, wenn sich die Nachbarn nicht über sie beschweren. Außerdem kann laut Open Doors nach der neuen Rechtslage jedes Glaubensgespräch als Beleidigung des Propheten Mohammed ausgelegt werden und zu Haft führen. Wenn ein Muslim zum Christentum konvertiert, stehe darauf die Todesstrafe. „Die neue Gesetzgebung kann dazu führen, dass alle Bewohner Bruneis sich dem Islam zuwenden müssen“, zitiert die Hilfsorganisation eine anonyme Kontaktperson.

Die Pastoren im Land reagieren unterschiedlich. Einige plädieren dafür, den Glauben nur noch in der Kirche zu verkünden. Der Zutritt zu den Gotteshäusern wird mittlerweile genau geregelt, beispielsweise mit elektronischen Mitgliedskarten. Gäste werden draußen empfangen. Die Betroffenen sind besorgt. Wenn Kirchengemeinden das Evangelium nicht mehr verbreiten dürften, werde es innerhalb einer Generation aussterben, heißt es von einem Pastor. Andere Geistliche wollen weiter für das Christentum einstehen: „Wir müssen unseren Nachbarn weiterhin das Evangelium bringen“, zitiert Open Doors einen Pastor in einem Podcast.

Wie hart die Gesetze tatsächlich umgesetzt werden, bleibt abzuwarten. Todesurteile wegen Abfalls vom Islam wurden laut Open Doors seit Jahren nicht mehr vollstreckt. Auch bei den neuen Gesetzen scheint der Sultan milde zu sein. Die Todesstrafe gegen Homosexuelle will er nach Angaben der Tagesschau ebenfalls nicht umsetzen.

Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors befindet sich Brunei auf Position 36 der Länder, in denen Christen wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

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