Die Mitgliederzahlen der evangelischen Landeskirchen sind 2018 erneut gesunken. Insgesamt gehörten zum Jahresende rund 21,14 Millionen Menschen einer der EKD-Gliedkirchen an. Dies entspricht wie im Jahr zuvor einem Rückgang von 1,8 Prozent. Stabil ist dagegen die Zahl der Ehrenamtlichen.

Einzelne Kommunen hatten bereits im Frühjahr deutlich gestiegene Austrittszahlen gemeldet. Dies hat sich nun bestätigt. Insgesamt sind im Vorjahr rund 220.000 Menschen aus den Landeskirchen ausgetreten (+11,6 Prozent). 340.000 Kirchenmitglieder starben. Dem stehen rund 170.000 Taufen und rund 25.000 Aufnahmen gegenüber. Dies schmerze ihn persönlich, sagte der EKD-Ratsvorsitzende und bayerische Landesbischof, Heinrich Bedford-Strohm.

Mitgliederstärkste Landeskirche ist die Hannoversche Kirche mit 2,53 Millionen Mitgliedern vor der Rheinischen Kirche (2,50) und der bayerischen Kirche (2,32). Schlusslicht ist die evangelische Kirche Anhalts mit knapp 31.000 Mitgliedern.

Warum treten Menschen aus?

„Wofür der christliche Glaube steht, ist für viele Menschen nicht mehr verständlich“, schrieb Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt in ihrer Stellungnahme zur kirchlichen Statistik. „Unsere Aufgabe ist es deshalb, intensiver das Gespräch darüber zu suchen, was ein Leben aus dem Glauben heraus attraktiv macht und welche Relevanz der Glaube für unseren Alltag, für unser Zusammenleben und für unsere Zukunft hat.“ Einen Schritt weiter geht der badische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh. Er sei davon überzeugt, dass „viele unsere Kirche verlassen, weil sie die Frage nach Gott nicht mehr bewegt.“

Stabil bzw. teilweise sogar leicht steigend – zum Beispiel in Bayern – ist nach kirchlichen Angaben die Zahl der Ehrenamtlichen in den Landeskirchen (rund 1,1 Millionen). Dies passt zur Analyse der letzten EKD-Mitgliedschaftsuntersuchung, die ergab, dass sowohl die Zahl der Distanzierten als auch die Zahl der Hochverbundenen kontinuierlich wächst.

216.000 Menschen verlassen Katholische Kirche

Die Zahl der Kirchenaustritte ist in den Katholischen Bistümern im Vorjahr um 29 Prozent angestiegen: 216.078 Menschen haben die katholische Kirche verlassen (2017: 167.504). Dagegen traten 2.442 Menschen ein (2017: 2.647), die Zahl der Wiederaufnahmen lag bei 6.303 (2017: 6.685). Die Taufzahlen gingen leicht auf 167.787 zurück (2017: 169.751). Gestorben sind im Vorjahr 243.705 Kirchenmitglieder (2017: 243.824).

„Es braucht einen Systemwechsel“, fordert die Kirchenbewegung „Wir sind Kirche“.  Weg von „dem von den Bischöfen kontrollierten Versorgungsprinzip zur wirklichen Teilhabe der Getauften und Gefirmten an der Gestaltung ihres Gemeindelebens.“

Kirchensteuer auf Rekordhöhe

Die Mitgliederentwicklung hat sich bislang noch nicht finanziell ausgewirkt. Im Vergleich zu 2007 ist das Kirchensteueraufkommen der EKD von etwa 4,2 Milliarden Euro auf 5,79 Milliarden Euro gestiegen. Die katholischen Bistümern erhielten 2007 rund 4,7 Milliarden Euro Kirchensteuer, 2017 waren es 6,4 Milliarden Euro (keine Angaben für 2018).

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2 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Warum wir weniger Religion brauchen.
    Jeder vernünftige Verstand beginnt mit einem lebensbejahenden Atheismus. Er befreit die Seele von Aberglauben, Schrecken, Duckmäusertum, gemeiner Willfähigkeit und Heuchelei.
    Klar, auch Gottlose zählen zu den Duckmäusern. Mehrheitlich. Auch Kommunisten haben blindlings und rastlos und verlassen von aller Menschenliebe ihre Zeitgenossen aus dem Weg geräumt. Doch die größten und lichterlohsten Leichenhaufen inszenierten die Religiösen. Ihre Götter, ob sie nun Herr Gott oder Herr Allah heißen, haben sich als die blutrünstigsten Befehlshaber erwiesen. Natürlich sind die Götter schuldlos. Die ominösen Herren wurden erfunden, „geoffenbart“, als furchterregendes Druckmittel in die Welt gezerrt. Denn die Aussicht auf göttliche Rache – wir wissen es längst – ist das Zauberwort um Milliarden in Furcht und Schrecken zu versetzen.

  2. Die evangelische Kirche versteht heutzutage unter „christlicher Botschaft“ hauptsächlich, zu verkünden, dass die Politik der Grünen dem Willen Gottes entspräche. Als ich mir darüber klar wurde, bin ich gegangen.

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