Thomas Schirrmacher, Cheftheologe der Weltweiten Evangelischen Allianz, hat scharfe Kritik an Jürgen Mettes Buch „Die Evangelikalen: Weder einzig noch artig“ geübt. Brücken baue der Autor entgegen seiner Ankündigung darin nicht.
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Vor ziemlich genau einem Jahr erschien das Buch „Die Evangelikalen: Weder einzig noch artig“ von Jürgen Mette, ehemaliger Geschäftsführer der Marburger Medien, Mitglied im Hauptvorstand der Evangelischen Allianz und selbst ein Evangelikaler. Mette versteht sein Buch als eine „biografisch-theologische Innenansicht.“ Er schreibt darin: „Etwas zu kritisieren, was man nicht mag, bedarf keiner besonderen Anstrengung. Sich aber kritisch mit denen zu beschäftigen, die man liebt und schätzt, das bedarf mancher Mühe und Geduld.“

Ekkehart Vetter, Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz, bescheinigte dem Buch dann auch, ein „Plädoyer für demütigen Respekt im Umgang miteinander und im Einander-Verstehenwollen“ zu sein. Lobende Worte gab es ebenfalls vom Gnadauer Gemeinschaftsverband und Christoph Stiba, dem Generalsekretär des Bundes evangelisch-freikirchlicher Gemeinden (BEFG).

Anders sieht dies Thomas Schirrmacher, Stellvertretender Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) und außerdem Vorsitzender von deren Theologischer Kommission. In einem offenen Brief geht er jetzt, ein Jahr nach Erscheinen, in einem offenen Brief an Mette hart mit dem Buch ins Gericht.

Evangelikal heißt „Jesus first“

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In seinem Brief lobt Schirrmacher zunächst ausdrücklich Mettes Definition des Wortes „evangelikal“ als einer „Sammlung von ‚Jesus-first‘-Gesinnten in den unterschiedlichen Kirchen und Freikirchen.“ Diese Jesus-Zentriertheit eine die Bewegung. Dagegen habe es, anders als Mette schreibe, in der Geschichte der evangelikalen Bewegung immer unterschiedliche Auffassungen zu verschiedenen theologischen Themen gegeben – sogar zur Schriftauslegung an sich. Die evangelikale Bewegung sei theologisch nicht einheitlich, sondern plural. Dies gelte sowohl für die Deutsche Evangelische Allianz, mehr noch jedoch für die internationale Allianz. Mette habe einen „deutschen Tunnelblick“ auf die Dinge.

Theologische Debatten seien bereits in der Bibel angelegt – Stichwort: Apostelkonzil (Apg. 15) – und Teil der „christlichen DNA“. Die altkirchlichen Bekenntnisse seien das Ergebnis theologischer Auseinandersetzungen gewesen. Auch die größten Fortschritte, die er persönlich unter Evangelikalen weltweit erlebt habe, seien das Ergebnis von „Disputationen mit der Bibel in der Hand“.

„Ich sehe Abgrenzung“

Jürgen Mette evangelikalSchwer wiegt Schirrmachers Vorwurf, dass Mettes Buch nicht „brückenbauend“ wirke, wie der Autor es selbst für sich in Anspruch nehme. Wertschätzung, gerade gegenüber konservativen Evangelikalen, fehle. Stattdessen sei es eine Streitschrift, findet Schirrmacher. Mette kritisiere andersdenkende Christinnen und Christen mitunter „pointiert und scharf“. Dabei träten stets die anderen als „Streithammel“ in Erscheinung. Für die eigenen Positionen zitiere Mette konkrete Autoren und Theologen, während er bei den Gegenpositionen nur auf „unangenehme Erfahrungen“ verweise, statt renommierte Vertreter zu Wort kommen zu lassen.

Deutlich distanziert sich Schirrmacher von Mettes Aussage, die evangelikale Bewegung würde „chronisch kränkeln“. Dies sei „grundsätzlich falsch.“ Es gebe viel Schatten – zurzeit vor allem die evangelikalen Fans der Präsidenten Donald Trump (USA) und Jair Bolsonaro (Brasilien) -, aber auch sehr viel Licht, schreibt Schirrmacher.

Das „eigentliche Übel“ unter Evangelikalen sei die „gegenseitige Aberkennung der Gemeinschaft des Glaubens“. Dies sollten Jesus-First-Leute lieber Jesus überlassen. Und hier wirft Schirrmacher Mette vor, selbst zu schnell zu urteilen und durch sein Buch eben nicht als „Brückenbauer“ zu wirken. (DW)

Wir haben Jürgen Mette gefragt, ob er sich zu Schirrmachers Kritik äußern möchte. Er hat uns erklärt, dass er grundsätzlich keine öffentlichen Briefe öffentlich beantwortet, bevor er nicht das Gespräch mit seinen Kritikern gesucht hat.

Link: Ein offener Brief an Jürgen Mette

Eine Rezension von Jesus.de zum Buch „Die Evangelikalen: weder einzig noch artig“ ist hier zu finden. Auch bei PRO wurde Mettes Buch rezensiert.

4 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Ich habe das Buch: »Die Evangelikalen, . . . . .« nicht gelesen, aber in »pro« einen Artikel über Evangelikale und Fundamentalisten im Umfeld des »D.J.T.« von Jürgen Mette gelesen. Es ist ein Wahnsinn, was »D.J.T.« mit Unterstützung der »EvangelFundis« einschließlich Franklin Graham, treibt. Sind die EvangelFundis so blind, dass sie nicht merken, wem sie ihr Stimme gegeben haben ¿ Wahlveranstaltung beginnen mit einem Gebet, Wenn mir Christus nichts bedeuten würde, wäre ich nicht mehr in der Kirche. Dann verkündet F.G.: dieser Präsident ist ein »Gesalbter und ein Geschenk Gottes«. Dieser »Gesalbte« annulliert das Landminen Verbot von Obama und jetzt dürfen in kriegerischen Auseinandersetzungen wieder Landminen eingesetzt werden, Was denkt sich »D.J.T.« dabei und die Unterstützer aus dem Kreis der EvangelFundis angeführt von F.G. Über Brasiliens Despoten muss man da nichts mehr schreiben. Die gleiche »Schublade« .
    Liebe Freunde, lasst die Kirche im Dorf und schreibt euren Protest gegen die Evangelisation im Juni in Köln mit Franklin Graham.
    Er will bei uns evangelisieren und unterstützt einen Präsidenten der so viele Unruhe in unsere Welt gebracht hat, wie kein anderer Präsiden zuvor. Es glauben die EvangelFundis doch wohl nicht, dass »D.J.T.« ein praktizierender Christ ist.

    Heinrich Brandt, Kommunikation-Designer und Künstler, Rheinisch Westfälischer Pastoralgehülfe a.D.
    Wegen einer frischen Morddrohung keine Anschrift

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