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Dreieinigkeit – wer braucht denn sowas?

Die Serie zum Apostolischen Glaubensbekenntnis (Teil 4)

Vater, Sohn und Heiliger Geist: Christen glauben an die Dreieinigkeit Gottes. Aber viele wissen nicht, was das für sie persönlich bedeutet.

Von Wolfgang Kraska

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Es ist beeindruckend, wie offen und interessiert gerade muslimisch geprägte Menschen bisweilen für Glaubensfragen sind. Immer wieder hatten wir eine „arabische Fraktion“ in unseren Alphakursen. Regelmäßig hatten sie große Pro­bleme, wenn es um das Thema Dreieinigkeit oder – vom lateinischen abgeleitet – „Trinität“ ging. Aber nicht nur sie. Auch christlich vorgeprägte Teilnehmer taten sich schwer damit.

Wie soll man sich das auch vorstellen, wenn Christen behaupten, an nur einen Gott zu glauben und gleichzeitig immer wieder vom Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist sprechen, als handele es sich um drei Personen? Da kann man sich schon das Hirn zermartern und steht am Ende immer noch mit Fragen da. Muss das überhaupt sein? Wer braucht denn die Lehre von der Dreieinigkeit, und was bringt sie? – Wir haben also zunächst einige Fragen zu klären.

„Ich glaube an Gott den Vater … und an Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn … und an den Heiligen Geist.“

Aus dem Apostolischen Glaubensbekenntnis

Um was geht es?

Uns beschäftigt das Thema, weil das Glaubensbekenntnis deutlich trinitarisch aufgebaut ist. Aber die Dreieinigkeit Gottes hat auch ein eigenes Gewicht und spielt im Hintergrund immer eine Rolle. Deshalb füge ich dieses Thema bereits an dieser Stelle ein. Es handelt sich dabei um eine komplexe Fragestellung, um die Konzilien seit dem 3. Jahrhundert gerungen haben. Da ist es schon etwas verwegen, in einem kurzen Artikel die Thematik halbwegs allgemeinverständlich aufgreifen zu wollen. Ich will es trotzdem wagen.

Wenn wir über Trinität nachdenken, beschäftigen wir uns mit drei zentralen Fragen. Zum einen geht es um das innere Wesen und damit um das Geheimnis Gottes. Zum anderen reden wir über unterschiedliche Wirkweisen der drei „Personen“ Gottes bzw. Wahrnehmungen davon seitens des Menschen. Und drittens stellt sich die Frage, wie die beiden genannten Punkte zusammengehören.

Drei Aspekte

In der Bibel kommt der Begriff nicht vor, sondern wurde erst im 3. Jahrhundert von Tertullian eingeführt. Das Anliegen besteht darin, die drei Seinsweisen Gottes mit der inneren Einheit Gottes zusammenzubringen. Aber auch im Neuen Testament gibt es bereits mindestens an zwei Stellen „triadische Formeln“, in denen die drei Personen Gottes genannt werden: Beim Auftrag zu taufen (Matthäus 28,19) und im Segen am Ende des 2. Korintherbriefes (13,13). Hilfreicher für das Verständnis, was damit gemeint ist, sind für mich aber drei Aussagen von Jesus, die sich zu einem trinitarischen Gesamtbild zusammenfügen. Sie lauten:

1. Gott ist Geist!

2. Jesus und der Vater sind eins.

3. Jesus und der Heilige Geist sind eins.

Schauen wir uns das genauer an. Den ersten Aspekt können wir schnell mit dem Verweis auf Johannes 4,24 klären, wo es heißt: „Gott ist Geist.“. Danach wird es komplizierter.

Den meines Erachtens aufschlussreichsten Text finden wir in Johannes 14. Im ersten Teil des Kapitels verdeutlicht Jesus, dass er und der Vater eins sind, und das meint mehr, als nur einer Meinung zu sein. „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“, sagt Jesus (Vers 9) und fragt anschließend den sprachlosen Philippus: „Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und der Vater in mir ist?“ (Vers 10).

Die Verbundenheit Jesu mit seinem Vater ist mit nichts zu vergleichen. Alles, was wir von menschlichen Beziehungen wissen – einschließlich der Begriffe Vater und Sohn –, reicht nicht aus, sie auch nur annähernd zu erfassen. Es geht darum, Jesu Identität mit dem Vater zu beschreiben und zugleich die unterschiedliche Wirksamkeit nicht aufzuheben. Jesus verwendet dafür die Begrifflichkeit „Ich im Vater – der Vater in mir“.

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Jesus und der Heilige Geist

Im weiteren Verlauf kündigt Jesus an, dass er die Erde verlassen wird und sagt doch im gleichen Atemzug: „Nein, ich werde euch nicht verwaist zurücklassen – ich werde zu euch kommen“ (Vers 18). Der Vater werde den Jüngern an seiner Stelle einen anderen Beistand geben. Dieser soll für immer bei ihnen bleiben, und er wird in ihnen sein (Vers 16f). Die Rede ist vom Heiligen Geist, und doch bedeutet sein Kommen zugleich: „Ich (Jesus) komme zu euch“ (Vers 18). Das heißt: Wenn der Heilige Geist kommt, kommt niemand anders zu den Jüngern als Jesus.

Spannend wird es nun, wenn wir lesen, dass nicht nur der Heilige Geist in den Jüngern sein soll (Vers 17). Auch über den Vater und den Sohn wird eine ähnliche Aussage gemacht. Jesus sagt in Vers 23: „Wer mich liebt, wird tun, was ich sage. Mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.“ Das Kommen des Heiligen Geistes bedeutet also nicht nur, dass der Geist – und wie wir bereits gesehen haben, der Sohn – in den Jüngern wohnen. Es bedeutet zugleich, dass dort auch der Vater wohnt. Zusammengenommen heißt das: Der unteilbare eine Gott nimmt Wohnung in einem Menschen. Somit ergibt sich auch bei Jesus ein Gesamtbild der Dreieinigkeit Gottes. Wenn es in einem späteren Teil dieser Serie um den Heiligen Geist geht, werden wir diesen Gedanken weiter vertiefen.

Schwierig und doch nachvollziehbar?

Wir haben es also mit zwei unterschiedlichen, aber miteinander verflochtenen Strängen zu tun. Der erste betrifft die Frage, in welcher Beziehung der Vater, der Sohn und der Geist zueinanderstehen. Die zweite Linie beschreibt, wie diese drei Personen im Leben der Jünger vorkommen. Diese Grafik versucht, beides zusammenzubringen.

Vater, Sohn und Heiliger Geist zeigen sich anders. Trotzdem sind alle Gott.
Grafik: Christsein Heute

Der Oberbegriff ist Gott. Deshalb steht er in der Mitte. Der Innenraum des Dreiecks beschreibt das innere Geheimnis, das Wesen und die Identität Gottes. Wir können ihn nie wirklich verstehen und bestenfalls zu einer Ahnung der Zusammenhänge kommen. Wie etwa „Gott ist Liebe“ (1. Johannes 4,16). Oder dass sich beobachten lässt, wie die drei Personen in ständiger „Kommunikation“ miteinander stehen.

Vor allem aber müssen wir uns klar machen, dass Gott in seinem Wesen ohne jede Parallele auf der Erde ist. Gott steht außerhalb der Schöpfung und ihrer Gesetze, und unsere von Materie, Raum und Zeit geprägten Vorstellungen greifen grundsätzlich ins Leere. Und vielleicht noch wichtiger – um es mit menschlichen Begriffen zu sagen: Es geht um Gottes „Intimität“, und die geht uns wahrhaftig nichts an. Der Respekt vor seiner Heiligkeit verbietet es, hier weiterbohren zu wollen. Alles, was wir über Gottes Wesen sagen können, wissen wir durch Gottes Selbstoffenbarung. Mit ihr legt Gott aber zugleich auch Grenzen fest.

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Worüber wir deutlich mehr wissen und sagen können, ist die Außenseite Gottes. Die Art und Weise, wie er sich uns zeigt und begegnet, wie wir ihn erleben. Und die ist durchaus unterschiedlich. Als Vater und Schöpfer erleben wir seine Größe vor allem in der Schöpfung. Bei der Betrachtung unserer Welt und der Geheimnisse des Kosmos wird jeder Mensch ins Staunen geraten (Römer 1,20).

In Jesus zeigt sich der dreieine Gott als Mensch, und wir können verstehen, wie Gott zu uns steht. In Jesu Reden und Handeln werden uns die Augen für Gottes Liebe zu uns Menschen geöffnet. Er möchte Versöhnung zwischen sich und seinen Geschöpfen. Schließlich ist da noch der Heilige Geist, und wieder zeigt sich Gott anders. Der Geist schenkt eine geheimnisvolle, übernatürliche und doch real erfahrbare Präsenz Gottes. Und er ermöglicht uns Nachfolge und eine neue Prägung (Heiligung).

Ein beliebter Vergleich

Ein bekanntes Bild, um mit unserer Denkschwierigkeit etwas besser klarzukommen, ist das vom Wasser. Der chemische Stoff H2O kann bekanntlich in drei Aggregatzuständen auftreten: als Gas, Flüssigkeit und Feststoff (Eis). In allen drei Gestalten hat das Wasser unterschiedliche physikalische Eigenschaften und doch ist es immer der gleiche chemische Stoff.

Am Gefrierpunkt kann Wasser gleichzeitig als Flüssigkeit und Eis auftreten, am Siedepunkt gleichzeitig als Dampf und Flüssigkeit. Unter bestimmten Druckverhältnissen, am „Tripelpunkt“, können sogar alle drei Aggregatzustände gleichzeitig vorhanden sein. Aber noch einmal: Gottes Dreieinigkeit ist ohne jede Parallele auf der Erde und „funktioniert“ nicht wie Wasser oder sonst etwas Irdisches.

Was die Dreieinigkeit für uns bedeutet

Wichtig ist: Wo und wie auch immer wir Gottes Wirklichkeit wahrnehmen – immer haben wir es auch mit den anderen Personen des dreieinen Gottes zu tun. Immer begegnen wir dem ganzen, dem dreieinen Gott. An dieser Stelle können wir erahnen, warum die Dreieinigkeit für uns persönlich von Bedeutung ist und was wir „davon haben“.

Wenn wir Jesus wirken sehen, etwa in seinen Wundern, steht hinter unserem Freund und Bruder die unfassbare Kreativität und Macht des Schöpfers, des Vaters im Himmel. Jesus tut nur, was er den Vater tun sieht (Johannes 5,19) und ist immer wieder im Gespräch mit dem Vater. Auch der Heilige Geist ist an seinem Wirken beteiligt (z.B. Matthäus 4,1). Deshalb spitze ich es gerne so zu: Jesus war immer zu dritt unterwegs.

Das gilt bis heute. Wenn wir durch das Wirken des Heiligen Geistes die wunderbare Nähe oder die übernatürliche Hilfe Gottes erleben, ist das nicht zu trennen von der Liebe unseres Herrn Jesus Christus und der Allmacht des Vaters. Wenn wir zu unserem Vater im Himmel beten, geht es immer auch darum, dass die freundschaftliche Beziehung zu Jesus uns die Tür zu ihm öffnet und der Heilige Geist uns das Reden Gottes verdolmetscht. Im Gebet holen wir nicht nur unseren vertrauten Freund mit ins Boot unserer Pro­bleme und Sorgen. Vielmehr stehen wir damit zugleich vor dem Thron des Allmächtigen Schöpfers. Und der Heilige Geist wirkt auf uns ein, zeigt uns Gottes Willen und hilft uns, auf seine Macht und Liebe zu vertrauen.

Das heißt: Der uns nahe Jesus ist immer auch der allmächtige Vater und der uns individuell und persönlich leitende Heilige Geist. Dieses Zusammenspiel von Liebe, Macht und spürbarer Präsenz, wie sie uns schwerpunktmäßig in Jesus, im Vater und im Heiligen Geist begegnen, macht unsere Gotteskindschaft so wertvoll und so einmalig. Egal was geschieht: Es gibt immer noch Hoffnung auf den dreieinen Gott. Weil Jesus der Garant der Liebe Gottes ist und der Heilige Geist uns daran erinnert, dass der Vater über mehr Möglichkeiten verfügt, als wir uns träumen lassen.

Zur Vertiefung allein oder in der Gruppe

Klärung

  • Wie wichtig sind aus Ihrer Sicht die Aussagen zur Dreieinigkeit? Was würde fehlen, wenn die Christenheit darauf verzichtet?
  • Was vom Bild des Wassers und von der Grafik ist für Sie hilfreich? Welche Aspekte der Dreieinigkeit werden dadurch für Sie nachvollziehbar?
  • Was bereitet Ihnen weiterhin Schwierigkeiten und inwiefern sind diese für Sie relevant?

Vergewisserung

  • Wieviel müssen wir von Gott verstehen, um ihm vertrauen zu können? Wie legitim und aussichtsreich ist das Verlangen, Gottes Wesen zu begreifen?
  • Wie leicht oder wie schwer fällt es Ihnen, Gottes inneres Geheimnis, seine Heiligkeit und „Intimität“ zu respektieren?
  • Welche positive Bedeutung haben für Sie die Aussagen über die Trinität Gottes?

Hoffnung

  • Was macht Ihnen am meisten Hoffnung: die Allmacht des Vaters, die Liebe von Jesus oder die lebendige Gegenwart des Heiligen Geistes? Worauf könnten Sie am ehesten verzichten?
  • Wo erleben Sie das Zusammenwirken der drei „Außenseiten“ Gottes?

Wolfgang Kraska ist Autor und FeG-Pastor im Ruhestand.



Cover des Magazins Christsein Heute

Dieser Artikel ist in Christsein Heute erschienen. Christsein Heute ist das Magazin des Bundes Freier evangelischer Gemeinden (FeG).

Hier geht es zum vorherigen Artikel der Serie zum Glaubensbekenntnis:

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12 Kommentare

  1. Es ist aus meiner Sicht eine Täuschung wenn man meint, andere Gottesbilder als die Trinität seien logischer und plausibler.
    Das menschliche Bedürfnis überwiegt dann, die menschliche Verstandeskraft als Maßstab zu nehmen, Widersprüche ausschließen zu wollen, als könnte ein Mensch quasi von außen oder unabhängig an die Erklärung Gottes herangehen.
    Ich denke, in dem Moment, wo man den „einfachen“ Gott als für den menschlichen Verstand als logischer ansieht, hat man oft sogar schon die hebräisch-jüdische Linie verlassen, in der es nicht um Logik ging und die Größe Gottes über allem Verstehen betont wurde.
    Stattdessen befindet man sich dann eher in der antiken griechisch-philosophische Denkweise, die auch heute noch – z.T. eher unbewusst – eine große Rolle spielt. Darin z.B. die Vorstellung, dass Einheit ursprünglicher ist als Vielfalt und das Gott der „unbewegte Beweger“ sei, Widersprüche auszuschließen sind, die menschliche Freiheit aus philosophischer Sicht oft negiert wurde u.a.m., das ist aber nicht mehr biblisch.
    Letztlich gilt aus meiner Sicht, dass die Wahrheit immer von außerhalb – von Gott – zu uns kommt und uns mitgeteilt wird, eben als Offenbarung, die in die menschliche Erfahrung eingeht. Allerdings ist die Frage, was und wie wir sie aufnehmen. Immer übersteigt es unser Fassungsvermögen. Und es ist die Frage, ob wir Gott so nah und persönlich als Du an uns herankommen lassen wollen wie einen wirklichen Menschen und wie einen wirklichen Gott, eben in Jesus Christus.

    • > hat man oft sogar schon die hebräisch-jüdische Linie verlassen

      Im Judentum ist der Messias nicht Gott.

      Und es gibt auch nicht nur einen. König David z.b. war ein Messias.

      Es ist das Christentum, dass den Begriff des Messias völlig anders interpretiert. Und da werden wohl in der Tat römisch-griechische Einflüsse eine Rolle spielen, wo Halbgötter oder zum Gott erhobene Menschen nicht gerade selten sind.

      • @ Hr Chey: Mein Satz: „Ich denke, in dem Moment, wo man den „einfachen“ Gott als für den menschlichen Verstand als l o g i s c h e r ansieht, hat man oft sogar schon die hebräisch-jüdische Linie verlassen, in der es n i c h t um L o g i k ging und die Größe Gottes über allem Verstehen betont wurde.“ – Da steht nichts von Messias, mir ging es um die Plausibilität, die gegen die Trinität ins Feld geführt wird. Ich denke, so oder so ist Gott unfassbar, unerklärbar. Meine Zielrichtung – deswegen benannt ich eben die Logik – sind heutige rationale Argumente, die oft insgesamt ohne große Tiefe behaupten, der Glaube an einen „einfachen“ Gott wäre in sich logischer, weil sie meinen, diesen Gottesbegriff besser verstehen zu können. Und wenn man näher nachfragt, stellt sich heraus, dass deren Gottesbild auch von dem hebräischen Verständnis oft weit weg ist. Und ich kenne eben manche, die ohne große Kenntnis der Bibel und der Religionsgeschichte behaupten, ihr eigenes Gottesbild sei automatisch näher an der Bibel. Dabei unterschätzen sie, welche Unterschiede es gibt zwischen semitischem und abendländischem Verständnis. Und unterschätzen die Größe Gottes, weil sie ihn eben ihren eigenen Kategorien unterordnen.

        • Da der menschliche Verstand von Gott kommt, sollte man ihn meines Erachtens nicht außer Acht lassen und durchaus wertschätzen. Ich denke, auch in religiösen Fragen ist Logik nicht verkehrt, auch wenn Logik sicherlich nicht alles erklären kann. Und Glaube sollte auch nicht jede Unlogik überdecken.

          Jesus ist nach christlichem Verständnis Gott und Messias. Das ist im Christentum untrennbar und insofern passt hier die Sicht, wer der Messias ist, durchaus.

          Oder logisch: Ist Jesus nicht der Messias, wird alles weitere im Christentum hinfällig.

          Ich denke nicht, dass eine streng monotheistische (also jüdische oder muslimische) Sichtweise Gottes leichter ist als die christlich trinitäre Sichtweise. Ich denke, es ist eher umgekehrt. Ein Mensch Jesus ist leichter zu erfassen als ein unvorstellbarer Gott.

          Aber auch das ist wider die Gebote, denn wir sollen uns von Gott eben kein Bild machen. Das Christentum bricht hier meines Erachtens also das Doppelgebot: Den Monotheismus und das Bildnisverbot.

          Wie gesagt, schon ein Messias Jesus ist nach jüdischem Verständnis nicht gegeben, da Jesus nur 1,5 der 7 Voraussetzungen des Messias nach jüdischem Verständnis erfüllt. Es wären aber alle 7 notwendig (übrigens zu seinen Lebzeiten und nicht irgendwann in ferner Zukunft). Der Messias als Gott, und wenn auch nur trinitarisch, hat mit jüdischem Verständnis gar nichts zu tun. Weder logisch noch sonst wie.

          Das Christentum ist eine eigenständige Religion. Jeder theologische Bezug auf das Judentum ist daher schwierig bis unmöglich. Trotz des jüdischen Ursprungs des Christentums. Wenn ein Jude ‚Messias‘ sagt, meint er etwas anderes als ein Christ. Genauso ist es beim Begriff „Gott“.

          • “ Ein Mensch Jesus ist leichter zu erfassen als ein unvorstellbarer Gott.“ Das ist sehr isoliert formuliert, dabei haben Sie vergessen zu erwähnen, dass unmittelbar zu einem Menschen immer auch seine Geschichte gehört. Und es ist vielmehr für viele nicht vorstellbar und mit ihrem Gottesbild vereinbar, dass ein in dieser Welt erniedrigter, gefolterter und hingerichteter Mensch Gott repräsentieren soll. Ich kenne kein Beispiel aus der antiken Götter- und Heldenwelt, wo ein in der Welt nach deren Maßstäben offensichtlich gescheiterter Mensch auch nur als Vorbild genannt wird.

            • Die griechische Götterwelt, die damals sicher beeinflussend war, ist doch voll davon.

              Letztlich scheitern da doch fast alle.

              Beispiel:
              – Prometheus, ein Titan (und damit Gott), der den Menschen Feuer und Zivilisation brachte, ja sogar die Menschen nach der Legende selbst erschuf. Zu ewiger Folter von Zeus verdammt.

              Oder nimm Aeneas. Verlierer im Trojanischen Krieg, schmachvoll geflohen. Später Gründer von Rom.

              Also nein, so selten ist das nicht. Das Problematische an Jesus ist auch der Opfertod. Schaut man es sich mal mit etwas Abstand an, ist es letztlich ein Menschenopfer. Und das lehnt das Judentum entschieden ab (ich übrigens auch).

            • @ Hr Chey: Passt nicht.
              Prometheus wird ja gerade wegen seines Scheitern nicht als Vorbild dargestellt, dem man nachfolgen soll.
              Äneas war in seinem Lebenslauf gescheitert, ist aber am Lebensende erfolgreich.
              Als Menschenopfer wird bezeichnet, wenn eine Gruppe einen Menschen opfert, um ihre Gottheit gnädig zu stimmen. Die Römer haben sicher nicht den Tod Jesus als Opfer für ihre Götter verstanden.
              Jetzt kommt sicher als Antwort, dass die Christen behaupten würden, Gott habe dies Menschenopfer gewollt oder sogar gebraucht, um versöhnt zu werden.
              Das eine ist, die christliche Sicht nicht zu teilen, das kann jeder halten wie er will. Aber es ist nun mal zentrale christliche Aussage, dass Gott seinen Sohn sandte zur Versöhnung, dass also die Versöhnung von Gott ausgeht und nicht von den Menschen, dass Gott also etwas von sich selbst gibt, damit die Versöhnung zustande kommt, gerade weil die Menschen nicht versöhnungsbereit sind. Es ist zentrale christliche Aussage, dass Jesus wahrer Mensch und wahrer Gott ist. Also kein Menschenopfer.
              Wenn man diese Sicht nicht teilt, bleibt von außen vielleicht nur so eine Sichtweise übrig, als sei es ein Menschenopfer. Aber das dann als originär christlich darzustellen, wäre unseriös, da würde die eigene Sichtweise vermischt mit den Aussagen einer Glaubensgemeinschaft. Es bleibt wichtig zu unterscheiden.

  2. Gott ist unerklärbar

    Vater, Sohn und Heiliger Geist: Christen glauben an die Dreieinigkeit Gottes. Aber viele wissen nicht, was das für sie persönlich bedeutet. Dies aber versucht Wolfgang Kraska zu erklären, aber bereits beim Lesen habe ich das Problem, dass die Begründungen doch sehr konstruiert sind. Vielleicht kann ich vereinfacht lieber fest darauf vertrauen: 1) Gott ist Anfang und Ende aller Dinge. 2) Der Menschensohn Jesus ist als Mensch so wie Gott ihn sich wünscht, gewissermaßen und bildlich der Neue Adam. 3) Im Menschen Jesus lebt Gott vollständig in dessen Seele: Gott wird hier ein Mensch.
    Einer meiner Pfarrer formulierte hier, allerdings sinnbildlich: Weil Gott Mensch wurde, kann der Mensch göttlicher werden. (Jesus wurde es jedoch).
    Das Schaubild kann kein Versuch sein, Gott zu erklären, oder es auch nur zu versuchen. Bei Jesus stellt sich die Frage, ob er der LOGOS ist, also jene zweite göttliche Seite, die stets bei Gott war, vom Anfang der Schöpfung. Das kann dann nicht sein, wenn es um den Menschensohn geht, der doch immer tatsächlich Mensch war. Aber der Auferstandene wurde erhöht, er ist nun der LOGOS. Wenn aber Gott unendlich ist auch in der Zeit, ist Gott und daher auch Jesus in der Zukunft, Gegenwart und am Anfang der Schöpfung gleichzeitig (auch als Logos). Das wäre eine Erklärung dafür, wie Jesus gleichzeitig der Auferstandene und Erhöhte ist und doch von Anfang her der Schöpfung als Sohn Gottes sehr präsent. Selbst diese meine fast schon provokative These beweist, dass Gott nicht erklärbar ist, gleichermaßen nicht die Ewigkeit, der Neue Himmel und die Neue Erde, nicht jene Natur unserer Engel und das vom Himmel tabuisierte und unmöglich erklärbare Innenleben der himmlischen Herrlichkeit. Ganz einfach: Gott ist niemals erklärbar. Hätte man die Formel einfacher gefasst, dass Gott drei Seiten besitzt, die von Jesus, des Heiligen Geistes und Gott – dann wäre alles unkomplizierter, aber es würde nichts mehr versprachlichen nur menschliche Vorstellungen, die nicht völlig anderer Dimension gerecht wird. Trotz unserem großen Gehirn nehmen wir 1% der Wirklichkeit wahr und dies nur so, wie sie unser Denkorgan abbildet. Wir sind Schlüssellochseher.

  3. Ich halte die Trinität für einen theologischen Trick, mit dem das Christentum so tun kann, als wenn es monotheistisch ist (was es nach dem 1. Gebot ja sein müsste) ohne es wirklich zu sein.
    (mit Maria in Teilen des Katholizismus noch steigerungsfähig)

    Die Vergötterung von Jesus ist der Grund, warum ich damals nicht mehr Christ sein konnte.

    Denn die Trinität gehört heute zwingend zum Christentum. Auch wenn gerade in den ersten 300 Jahren des Christentums das anders war (Stichwort Arianismus).

    Für mich war allerdings damals überraschend, wie locker das viele Christen sehen. Als ich sagte, für mich ist Jesus weder Gott noch Messias, verstanden viele nicht, weshalb ich deshalb aus der Kirche austrete. Das war für sie kein Grund, die Trinität keine Notwendigkeit.

    Ich respektiere den christlichen Glaube, aber so etwas verstehe ich dann nicht. Die Trinität scheint für viele Christen ohne Bedeutung.

    Was ja aus meiner Sicht schön wäre, denn dann wären viele wirkliche Monotheisten. Aber sind sie dann noch Christen?

    • Liebe Chey: Jesus wurde von den ersten Christinnen und Christen nicht vergöttlicht, etwa im 3. Jahrhundert erhielt er den Ehrentitel Sohn Gottes, so wie die Römer dies mit dem Römischen Kaiser machten. Die Trinität kommt in der Bibel nicht vor, sie doch heraus zu kitzeln, ist sehr durchsichtig.
      Was ich glaube steht in meinen separaten Kommentar. Es hätte genügt, dem unendlichen Gott zu gönnen auch mehrere Seiten zu besitzen. Jesus wurde sinnbildlich Gottes Sohn, er wird das sein was uns auch vergönnt ist, mit und in Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit zu leben. Nicht umsonst, aber trotz Trinität, wird Jesus als der erste Auferstandene beschrieben. Ich glaube nicht, dass es im Himmel Hierarchien gibt, sondern nur die Liebe.

      • > Jesus wurde von den ersten Christinnen und Christen nicht vergöttlicht, etwa im 3. Jahrhundert erhielt er den Ehrentitel Sohn Gottes,

        Ganz so ist es nicht. Richtig ist, dass die allerersten Christen ihn nicht für Gott hielten, in ihm aber den erwarteten Messias sahen.

        Bereits bei Paulus sehe ich hier aber eine Veränderung. Ich sehe das heutige Christentum auch sehr viel mehr durch Paulus beeinflusst als durch Jesus.

        Die ersten 3 Jahrhunderte war es also nicht so, dass die Christen Jesus nicht als Gott sahen, sondern dass es welche gab, die das taten und welche, die das bestritten. Mit dem Konzil von Nicäa wurde das dann ‚von oben‘ entschieden, allerdings ohne das die Arianer gleich verschwunden wären.

  4. Ich empfinde diese Erklärweise als sehr kompliziert und möchte es auf eine andere Art versuchen, bezogen auf die Schöpfung aus unserer Natur:

    Es geht um 3 verschiedene Zeitstadien, die alle von Gott aufgenommen und an ihn zurückgegeben wurden, sodsass er sich aus ihrem Aufbau ergibt, der sich durch Naturgesetze in unsere menschliche Sprache oder besser Sprechweise, übersetzen lässt. Diese Übersetzung, deren Beginn mit Jesus abgeschlossen ist, beginnt wieder bei Gott, doch diesmal ist er Mensch und tritt als dieser in der Gemeinschaft hervor, die sich aus ihm, durch ihn und mit ihm ergibt, indem sie in ihm geblieben ist, bis er sie hervortreten lässt.

    Damit ließe sich Gott als Herz aus dem Anfang erklären, der sich nicht ohne etwas oder jemanden hätte aufbauen können, was seiner Natur und ihrem Recht auf Leben entspricht. Daraus erwachsen die Gesetzmäßigkeiten, die durch Gott in der Genesis als 7 Tage Werk beschrieben werden, sodass sie alle immer wieder in die Zeit fallen, aus der diese 7 Tage als sein Gesetz für die Menschheit hervortreten. Sie sucht darin ihr Recht auf Leben in seinen Geboten und setzt diese für den Tag ein, an dem Jesus ins Leben trat, sodass er als Vorbild für den Menschen gilt, der ihm freiwillig nachfolgt. Damit erreicht dieser Jesus als Mensch eine Lebensenergie, die in Gott angelegt für die Menschheit bestimmt ist, deren Speicherkapazität dieser überschüssigen Energie entspricht. Gott, der diese Person ist und ihr gleichzeitig nachfolgt, wir zu ihrem Kind sodass es an der Energie wachsen kann, die die Menschheit dafür aufbringt. Jesus ist sozusagen unser Antrieb für das Leben, das ihm von Gott gegeben, für uns bestimmt, an dem wachsen kann, der es freiwillig übernommen hat. Geboren von der Jungfrau Maria, ist Jesus von Gott gezeugt und wurde zu seinem Botschafter, der mit Gott von der einzigen Energie zeugt, die durch ihre gemeinsame Genesis unversehrt bleibt.

    Gott hat sozusagen vom Widerstand bis zur Lebensenergie alle Entwicklungsstadien durchlaufen und ist damit der Einzige, der sie in seiner Form als Mensch zum einen verkörpern kann und zum anderen am Leben erhält. Die Dreieinigkeit über das Leben erwächst aus der Dreifaltigkeit des Lebens, sodass sie durch Gott erklärbar für die Menschheit wird, die an seiner Gottesbotschaft nicht gescheitert ist. Es bleibt Gottes Geheimnis, wer es letztendlich gelüftet weiß und wer nicht, doch wir leben alle von der gleichen Substanz, die aus der Genesis in die 7 Wochentage eingeflossen ist, ohne unser Zutun und heute für uns sichtbar in uns die Neugierde oder auch Wissbegier weckt, sodass wir aus einer unbegrenzten (Gott) Lebensenergie das Leben schöpfen können, das uns immer wieder auf Jesus verweisen wird, solange wir nicht sein Verhalten zu unserem Maß gemacht haben.

    Leider bin ich nicht bibelfest und kenne auch die Reihenfolge der Genesis nicht, doch ich denke, die himmlische Genesis wirft uns als Menschheit in ihrer Substanz immer wieder auf den Tag der Geburt der Erde zurück, da die Erde ohne Gott nicht von Bestand zeugen könnte, sodass wir Menschen nur ein flüchtiges Leben hätten. Nun liegt es allein an der Menschheit, sich in dem Lebensraum zusammenzufinden, in dem Frieden herrschen soll, der von Jesus bereits verbreitet in unser Herz finden will, um daraus die Energie zu erzeugen, die aus der Dreieinigkeit von Gott kommt. In Freiheit unter dem Schutz von Gott leben zu dürfen, das hat Jesus bereits hinter sich gebracht. Auch wenn das für ihn nur von kurzer Dauer war, so ist es nicht sein Todestag, der für uns hinterlassen wurde, sondern seine Geburt, die sich mit uns verbunden wissen will, bevor er sein Leben in unserem Namen fortsetzen kann.

    Freiheit ist kein Versprechen, sie ist die Zusage an das eine Herz, das sich mit seiner ganzen Lebensenergie an Jesus gebunden hat, der diesem Herz zu der Energie verhilft, die es zum Leben braucht. Unter dem Schutz von Gott konnte Jesus seinen eigenen Horizont entwickeln, bis der auf einen Widerstand traf, der nicht sein Herz jedoch sein Leben zerstören wollte. Ohne dieses Leben damit über sein Maß hinaus zu belasten, versucht sich das Herz selbst zu genügen, bis es Jesus um das Leben entlastet hat, das nicht seiner Geburt entspricht. Seit der Geburt Christi verweisen Braut (Maria) und Bräutigam (Josef) verbunden mit dem gleichen Tag (Geburtstag von Jesus) auf ihre ewiger Verbundenheit (Josefsehe) durch Gott, der diesen einen Tag für sich beansprucht, bis er sich an der Genesis zur Menschheit erfüllt, die er als ihren Inhalt vermitteln kann.

    Im Grunde ist die Genesis die Substanz für das Menschenherz, das bereits als Gott im Leben stand, bevor es nur erdenklich machen musste, was in seiner Substanz enthalten durch die Zeit umgesetzt werden muss, in die es hineingeboren wurde. Das Herz, begründet aus menschlicher Substanz, die zeitlich eingeordnet ihre Lebensgrundlage ermitteln kann, sodass Lebensenergie durch Gott erkannt, keinen Widerstand mehr leistet, sondern aus der Einheit des Vaters schöpft (wer auch immer diese Rolle gerade trägt) und der Mutter (die immer wieder ihre Rolle übernimmt) seiner selbst als Mensch verbunden bleibt. Das bedeutet, wir haben Vater und Mutter aus der Genesis von Gott erhalten und sind nun selbst für deren Nachwuchs (Jesus) verantwortlich, der durch ein Leben vor uns liegt, das aus dem Ruder gelaufen ist. Gott ist unseres Überlebens sicher, da er selbst das Herz dafür ist, sodass wir Menschen uns in der Freiheit wiederfinden, die es uns ermöglicht seine Gebote anzunehmen oder abzulehnen. Diese Gebote fallen letztendlich immer auf den Tag der Geburt zurück, die sie auch wirklich umsetzt. In diesem Gebotstag ist alles enthalten, was ihr Herz begehrt, sodass Freiheit kein leeres Wort bleibt sondern von dem Geist erfüllt ist, der an Gott gebunden weiß, dass er immer an Jesus wachsen wird.

    Ich denke, im Bekenntnis zum Glauben machen wir Menschen uns klein, sodass Gott über ihn, den Menschen wachen kann, indem er Gotteserkenntnis durch Jesus verfügbar macht.

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