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Ist Jesus der Sohn Gottes?

Die Serie zum Apostolischen Glaubensbekenntnis (Teil 3)

Christen glauben: Jesus Christus war Gottes Sohn und gleichzeitig ein Mensch wie wir. Das wirft viele Fragen auf.

Von Wolfgang Kraska

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Selbst der ultrawichtige Manager geht auf die Knie, wenn er zum ersten Mal seinem Enkelkind begegnet. Er spitzt die Lippen zu einem Kussmund und mit großen, strahlenden Augen tippt er dem kleinen Wesen vor sich auf den Bauch und sagt „du-du-du-du-du“. Niemand in seinem Umfeld hat ihn jemals in dieser Haltung gesehen und solche Worte sagen hören. Kleine Babys verzaubern Menschen. Weil sie so hilflos und einfach nur liebenswert sind.

Auch Gott hat sich dieser „Methode“ bedient, um uns ganz nahe zu kommen. Er wird in Jesus ein Mensch – so hilflos und liebenswert, dass niemand sich vor ihm fürchten muss. Das bleibt auch so, als Jesus größer wird und schließlich mit rund 30 Jahren öffentlich auftritt. Er ist und bleibt einer von uns mit einer Biografie, die unserer eigenen durchaus ähnlich ist. Aber ganz so einfach ist die Sache mit Jesus dann doch nicht, insbesondere wegen der außergewöhnlichen Umstände vor seiner Geburt, die uns noch beschäftigen werden. Wenden wir uns also wie immer zunächst der Klärung einiger Fragen im Blick auf die Person Jesu zu.

„Ich glaube an Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria.“

Aus dem Apostolischen Glaubensbekenntnis

Ein Junge zwischen zwei Vätern

Die Evangelien scheuen sich an keiner Stelle, über Josef als dem Vater von Jesus zu sprechen. Josef soll sich so verhalten, wie jeder andere Vater damals auch, und das Recht ausüben, den Namen seines Sohnes bekanntzugeben. Er soll als der juristische Vater von Jesus handeln und damit in der Öffentlichkeit die Vaterschaft anerkennen. Auf unsere Kultur übertragen bedeutet das: Du sollst zum Standesamt gehen und ihn als deinen Sohn anmelden mit allen Pflichten und Rechten, die sich daraus ergeben.

Aufschlussreich ist der Bericht, wie sich Jesus mit 12 Jahren beim Besuch im Tempel verhält (Lukas 2,41ff). Hier begegnet uns die doppelte Herkunft Jesu zum ersten Mal als Problem. „Dein Vater (Josef) und ich haben dich überall gesucht und große Angst um dich ausgestanden“, sagt Maria. Und Jesus antwortet: „Habt ihr nicht gewusst, dass ich im Haus meines Vaters (Gott) sein muss?“

Zweimal wird in diesem Text vom Vater Jesu geredet, und beide Male ist etwas Unterschiedliches damit gemeint. Josef, der soziale und öffentliche Vater, und Gott, der eigentliche und verborgene Vater. Wir stolpern über den Satz von Jesus kaum noch, weil wir es gewohnt sind, Gott mit Vater anzureden. Im Judentum war das aber keineswegs üblich – und schon gar nicht für einen 12-Jährigen. Die Frage nach dem Vater Jesu ist damit gestellt.

Über den erwachsenen Jesus lesen wir: „Jesus war ungefähr dreißig Jahre alt, als er zu wirken anfing. Man hielt ihn für Josefs Sohn“ (Lukas 3,23). Markus berichtet über einen Besuch von Jesus in seiner Heimatstadt Nazareth, ohne Josef zu erwähnen: „Ist das nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria?“ (Markus 6,3) Josef ist vermutlich zu dieser Zeit bereits verstorben und Jesus hat den Handwerksbetrieb seines Vaters übernommen. Er ist selbst der Zimmermann und kennt den Ärger mit Kunden und Lieferanten. Einer wie wir eben.

Das bedeutet aber, dass Jesus für die Nachbarschaft der vorehelich gezeugte Sohn von Maria und Joseph war – ein gewaltiger Makel in der damaligen Gesellschaft. Wir müssen uns klarmachen, dass die Botschaft des Engels das Geheimnis von Maria und Josef blieb, und sie vermutlich mit dem Getratsche und den spitzen Bemerkungen im Dorf leben mussten. Als Jesus später in Nazareth auftritt, findet er dort kaum Gehör. Ich denke, es hängt mit dem Bild zusammen, das man von Jesus und seiner Familie hatte. Vermutlich schwingt in der Frage „Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns?“ auch der Gedanke mit: Und ausgerechnet dieser Bastard will uns etwas von Gott erzählen?

Ein Rabbi der besonderen Art

Damit sind wir bereits beim Zweiten, das in den Evangelien berichtet wird: Jesus arbeitet in einer späteren Phase als Lehrer, als Rabbi – und das ohne Theologiestudium. Er hat einen Kreis von Schülern um sich, die sich aber entgegen der Tradition nicht bei ihm beworben haben. Vielmehr ging die Berufung von ihm aus (Johannes 15,16). Wichtiger aber ist die Wirkung seiner Predigt. Er predigt mit aufsehenerregender Vollmacht und trifft mit seinen Worten immer wieder direkt ins Herz. Er spricht den Menschen Gottes Liebe zu. Das wird auch darin sichtbar, dass er sich immer wieder gezielt Menschen zuwendet, die traditionell ausgegrenzt und verachtet sind. Und er tut Wunder. Genauer gesagt: Zeichen, die darauf hinweisen, dass hinter ihm Gott steht und seine Macht durch Jesus wirksam wird.

Aber selbst das wäre niemals aufgeschrieben worden und es würde uns auch nicht interessieren, wenn Jesus nicht noch viel mehr wäre: Gottes „eingeborener Sohn“, wie es im Glaubensbekenntnis in alter Sprache in Anlehnung an Johannes 3,16 formuliert ist. Natürlich hat das nichts mit einem „Eingeborenen“, wie man früher indigene Ureinwohner bezeichnete, zu tun. Im Griechischen steht hier monogenes – ein Wort, das man auch ohne Fremdsprachenkenntnis versteht. Jesus ist der einzige (mono), der seine Herkunft nach (Genese) Sohn Gottes ist (Johannes 3,16). Wir hingegen sind von Gott geliebte Geschöpfe, können aber durch eine Art Adoption zu Gottes Kindern werden und sind es dann auch tatsächlich (1. Johannes 3,1).

Vergewisserung, wer Jesus letztlich ist

Gelegentlich wird behauptet, dass der Anspruch der Gottessohnschaft Jesus erst im Nachhinein von den frühen Christen zugeschrieben wurde. Für das Neue Testament hingegen ist dies eine durchgängige Aussage. Zweimal – bei der Taufe und der „Verklärung“ – wird berichtet, dass eine Stimme vom Himmel gesagt hat, Jesus sei Gottes geliebter Sohn. Paulus bringt die Bedeutung der Geburt von Jesus in Galater 4,4 auf den Punkt: „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn…“. Auch das Bekenntnis des Petrus gipfelt in dieser Aussage: „Du bist der Christus, des lebendigen Gottes Sohn.“ (Matthäus 16,16) Und nicht zuletzt ist die Gottessohnschaft die Grundlage für sein Todesurteil beim Verhör vor dem Hohen Rat (Matthäus 26,63f): „[Sage uns], ob du der Christus bist, der Sohn Gottes.“ Als Jesus dies bejaht, ist klar, dass er sterben muss.

Aber selbst das ist noch nicht alles. Nicht wenige Theologen meinen, Jesus sei ein ganz normaler Mensch gewesen und erst bei seiner Taufe ebenfalls nur von Gott adoptiert worden. Aber die Autoren des NT sehen das anders und behaupten, dass Jesus bereits vor der Schöpfung der Welt existierte, ja mehr noch: dass er selbst das Wort Gottes ist, durch das die Welt geschaffen wurde. Diese Aussage zur „Präexistenz“ von Jesus begegnet uns an drei Stellen im NT, die zu theologisch völlig unterschiedlichen Traditionen gehören: Johannes 1,1ff, Hebräer 1,2f und Kolosser 1,15f. Schauen wir uns die letzte Stelle einmal an: „Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung. Denn in ihm wurde alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Mächte oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen.“ – Ungeheuerlich, nicht wahr? Und vielleicht auch deshalb ziemlich unbekannt.

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Reizthema Jungfrauengeburt

Wenn man mit solchen biblischen Aussagen nicht viel anfangen kann, hat man natürlich auch mit dem Bericht von der „Jungfrauengeburt“, richtiger der jungfräulichen Empfängnis durch den Heiligen Geist (Lukas 1,26–38), gewaltige Probleme. Hier will ich mich auf das Wesentliche beschränken.

Es ist wichtig zu beachten, dass das Kind nicht einfach von Gott, sondern vom Heiligen Geist stammt. Im Hebräischen, der Sprache des Alten Testaments, heißt der Heilige Geist Ruach, und Ruach ist weiblich! Maria hat ihr Kind von ihr, der Ruach, empfangen. Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: Der Heilige Geist hat und braucht kein wie auch immer geartetes Geschlechtsorgan, mit dessen Hilfe er Maria geschwängert hätte. Damit wird klar, dass es sich um etwas völlig anderes handelt als in den antiken Mythologien. Dort verkehren ein Gott und ein Mensch geschlechtlich miteinander, und das Ergebnis ist ein Halbgott. Diese Vorstellung lässt das Neue Testament aber an keiner Stelle zu. Jesus ist zugleich ganz Gott und ganz Mensch und kein Mischwesen, kein Halbgott.

Wir Menschen kennen nichts Vergleichbares, auf das wir zurückgreifen könnten. Es handelt sich um einen völlig singulären Vorgang ohne jede Parallele in unserer Erfahrungswelt. Letztlich landen wir bei der geradezu simplen Antwort, die der Engel Maria auf die Frage „Wie soll das zugehen?“ gibt: „Bei Gott ist nichts unmöglich.“ – Einverstanden oder nicht?

Hoffnung, weil Jesus mein Herr ist

Bleibt noch ein kleiner Baustein in diesem Teil des Glaubensbekenntnisses, den wir nicht übersehen dürfen: „Ich glaube an Jesus Christus – unseren Herrn.“ Jesus ist Herr, und das ist nicht nur eine Beschreibung seiner Hoheit, sondern im Credo vor allem ein Bekenntnis: Dieser gerade näher beschriebene Jesus Christus ist mein Herr, dem ich die Regie über mein Leben übertragen habe. Auch hier wieder der Hinweis, dass wir es nicht mit einem bedrohlichen Anspruch eines Herrschers zu tun haben, dem wir uns unterwerfen müssten. Vielmehr ist es recht verstanden mein Bekenntnis: Ich bin jemand, der sein Leben Jesus unterstellt hat und ihm nachfolgt. Das kann nur freiwillig, gerne, aus Liebe und Vertrauen geschehen. Aber dann gilt es tatsächlich und hat Auswirkungen.

Zum einen im Blick auf meinen Lebensvollzug. Ich erinnere an Aussagen wie „Niemand wird sie aus meiner Hand reißen.“ (Johannes 10,28) Ich darf darauf vertrauen, weil ich Jesu Eigentum bin und er als mein Herr mich festhalten wird. Wer das glauben kann, geht hoffnungsvoll durchs Leben, weil er nicht allein unterwegs ist. Und mehr noch: Wir dürfen auch im Blick auf die Zukunft nach unserem Tod auf eine neue Art von Leben in seiner Nähe vertrauen. Das wird uns noch ausführlich beschäftigen. Zunächst aber bewegen wir im nächsten Artikel die Frage „Dreieinigkeit – wer braucht denn sowas?“

Die Jesus-Frage: Hast du mich lieb?
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Zur Vertiefung allein oder in der Gruppe

Klärung

  • Welche der Reden und Aussagen von Jesus empfinden Sie als zentrale Botschaft? Womit können Sie eher wenig anfangen?
  • Empfinden Sie die Aussage, dass Jesus Ihr Herr ist, eher als Anspruch oder als Zuspruch? Versuchen Sie die verschiedenen Aspekte Ihrer Beziehung zu Jesus zu beschreiben.
  • Wie denken Sie über die Aussagen zur Präexistenz von Jesus?

Vergewisserung

  • Jesus ist einer von uns geworden. Er weiß, was Sie persönlich umtreibt, bedrückt oder auch freut. Es gibt nichts, was Sie vor ihm verbergen müssten, und er liebt Sie mit und trotz alledem. Machen Sie sich das bewusst und danken Sie ihm dafür.
  • Jesus ist zugleich weit mehr als einer von uns. Durch Ihre Freundschaft zu ihm haben Sie einen privilegierten Zugang zur Macht Gottes. Machen Sie sich klar: Ihr Beten ist weit mehr als die Auflistung Ihrer Wünsche und Defizite. Was ist es darüber hinaus noch?

Hoffnung

  • Sie haben es schriftlich in der Bibel: Nichts kann Sie aus Jesu Hand reißen und von der Liebe Gottes trennen. – Egal, was Sie gerade runterziehen will, Jesus hat immer noch Möglichkeiten und Wege für Sie! Er ist bei Ihnen, alle Tage bis ans Ende der Welt!
  • Es gibt mehr als diese Welt und Jesus hat mehr mit Ihnen vor, als Sie im Hier und Heute zu begleiten. Auf Sie wartet eine Wohnung in Gottes neuer Welt. Herzlichen Glückwunsch zu dieser Perspektive!

Wolfgang Kraska ist Autor und FeG-Pastor im Ruhestand.



Cover des Magazins Christsein Heute

Dieser Artikel ist in Christsein Heute erschienen. Christsein Heute ist das Magazin des Bundes Freier evangelischer Gemeinden (FeG).

Hier geht es zum vorherigen Artikel der Serie zum Glaubensbekenntnis:

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1 Kommentar

  1. Der Heilige Geist ist kein biologisches Wesen

    Für Maria wird im Urtext nur das Wort für „JUNGE FRAU“ formuliert, nicht jenes für JUNGFRAU. Dies ist eindeutig wirklich richtig. Alles andere ist eine nachfolgende in Abrede gestellte Unredlichkeit. Dass der Heilige Geist kein Geschlechtsorgan besitzt, war mir immer bewusst, es wäre auch peinlich, Gott oder die Engel zu biologischen Wesen zu machen. Aber wieso hält man Wunder für möglich, durchaus auch Vorgänge, die wir meist nicht erklären können, die aber trotzdem von Gott her vorgesehen sind. Aber weshalb muss Gott dann den Heiligen Geist benutzen, damit Maria schwanger wird? Gott hat doch alle Möglichkeiten und der Einfaltsreichtum der Evolution, besser noch der Natur und letztlich von Gott, ist doch das Wunder zu verdanken, dass aus den Einzellern am Ende Menschen wurden. Zwischenzeitlich wurden viele Wesen im Laufe vieler Jahrmillionen umgebaut, unsere Augen nach forne gerichtet und wir können sehen was wir essen, weil der Mund unter den Augen ist. Sogar unser Baum weiß, dass er im Herbst seine Blätter abwirft, obwohl er kein Denkorgan hat. Eine seltene Raupe spinnt sich in einem Blatt ein um sich zu tarnen, aber leider wird ein separates Blatt bald welk, sodass die Vögel diesen Trick erkennen. Um aber die Vögel in den Irrtum zu treiben, damit auch die Raupe leben kann, hat sie 6 leere Blätter gewickelt und die Vögel haben nur noch 1/6 Chance für ein Frühstück. Warum also sollte Gott hier einen Teil von sich selbst schicken, damit Maria schwanger wird? Nur deshalb, dass sie der Erbsünde nicht teilhaftig wird und Jesus nie der Erbsünde unterliegt? Dabei ist die Erbsünde kein Gendefekt, sondern unsere Lieblosigkeit und Beziehungsdefizit zu Gott und den Menschen. Dies wird niemals vererbt, aber erlernt. Man darf sich immer ändern. Nur das Lukasevangelium behauptet eine angebliche Jungfrauengeburt, die anderen Evangelien wissen nichts davon. Niemand muss so etwas glauben. Es wäre auch über alle Maßen absurd, wenn der Heilige Geist heute seine Vaterschaft anerkennt.

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