Michael Diener kandidiert 2021 nicht mehr als Präses des pietistisch geprägten Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes. Im September sah das noch anders aus.
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Pfarrer Michael Diener steht bei der nächsten Wahl nicht mehr als Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes zur Verfügung. Das geht aus einem Bericht der Nachrichtenagentur idea hervor. Diese beruft sich auf ein internes Schreiben Dieners, das dieser vertraulich an die Gnadauer Mitgliederversammlung geschickt hatte.

Der 57-Jährige, der auch dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) angehört, ist seit 2009 Gnadauer Präses. Im September hatte Diener noch erklärt, dass er für eine dritte Amtszeit zur Verfügung stehe. Jedoch habe das in den vergangenen Monaten zu vielen Rückmeldungen geführt, zitiert die Nachrichtenagentur den Brief des Präses. Es gebe offensichtlich „eine Gruppe in Gnadau, die, bei aller ausgedrückten Wertschätzung, eben dennoch ganz erheblich Bedenken gegenüber meiner erneuten Kandidatur hat“. Auch aus persönlichen Gründen habe er seine Kandidatur zurückgezogen. Im September tritt Diener ein einjähriges, unbezahltes Sabbatjahr an. Als Präses steht er demnach ab August nicht mehr zur Verfügung.

Keine Stellungnahme

Laut einer internen E-Mail an die Mitgliederversammlung von Generalsekretär Frank Spatz, die idea ebenfalls zitiert, soll in der kommenden Sitzung in Elbingerode im Harz vom 13. bis zum 15. Februar ein Nominierungsausschuss eingesetzt werden. Dieser wird nach geeigneten Nachfolgern für das Amt suchen.

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Michael Diener selbst kommentierte das Rundschreiben auf Nachfrage von Jesus.de nicht. Man habe sich vertraulich an die Mitglieder des Gnadauer Verbands gewandt. Diese Vertraulichkeit habe idea bewusst ignoriert: „Bis zur Mitgliederversammlung vom 13.-15. Februar werden wir uns als Vorstand an diese Vertraulichkeit halten und den Vorgang nicht öffentlich kommentieren“, schrieb er.

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3 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Brückenbauer wie Michael Diener nicht diskreditieren

    Leider erleben auch andere (kritische) Christinnen und Christen, daß es unter uns Jesusnachfolgern öfters nicht möglich ist, produktiv zu streiten und dann auch in Geschwisterlichkeit zusammen zu bleiben. Zugegeben ist dies da, wo es um Werte und Normen geht, nicht immer so ganz leicht. Mich fasziniert immer wieder als Gegenbild zur eigenen selbstgerechten Frömmigkeit die berühmte Stelle in der Bergpredigt, zuerst den Balken aus dem eigenen Augen zu ziehen. Auch wenn dieses Sinnbild sicherlich in jeder konkreten Situation ausgedeutet werden muss, sagt uns dies trotzdem folgendes: Jeder Erdenbürger hat in seinem ethischen Verhalten immer Mängel im Sinne des Bibelverses „wir sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes, den wir vor Gott haben sollten“. Wenn sich aber alle Ethik und Moral nur darum ranken soll, ob Homosexualität Sünde oder schlicht nur eine natürliche angeborene andersweitige Orientierung ist, die man nicht wie einen Bart abschneiden kann, entsteht folgendes Problem: Sogenannten strenggläubigen Christen galt es als große Verfehlung, auch nur einen Tropfen Alkohol zu trinken. Fatal war, daß zumindest in der eigenen Glaubensgemeinschaft kaum jemand daran Anstoß nahm, daß man über wehrlosen Zivilisten Bomben abwerfen, ihre Dörfer abbrennen oder Entlaubungsmittel versprühen darf. Natürlich sage ich damit nicht, alle Soldaten seien Mörder. Jedenfalls werden wir – auch im ganz normalen Alltag – immer irgendwie schuldig und sind statt „das Licht der Welt“ eine ausgehende Funzel. Anderen Menschen ein richtiges Christsein (indirekt) abzusprechen, ist meines Erachtens die äußerste Grenze einer richtigen Haltung und nur unter aussergewöhnlichen Umständen legitim. Dieser Ausnahmefall tritt dann ein, wenn die Würde von Menschen mit Füßen getreten wird. Noch konkreter auch bei Antisemitismus, Rasissmus und jedweder Art politischer Radikalität. Tolerant sein darf niemand gegenüber Menschen, die mit Intoleranz für eben diese Haltung werben. Christliche Toleranz besteht darin, mit anderen Zeitgenossen auch dann zu beten, arbeiten und den Leib Christi mit Leben zu füllen, wenn sie in ethischen, moralischen oder gar politischen Fragen andere Überzeugungen tragen. Es gibt leider auch die Wölfe im Schafsfell, die nur oberflächlich besehen sanft und barmherzig sind. Sie sind eine viel größere Bedrohung als diejenigen die Eindeutigkeit leben: Die ja ja sagen oder nein nein meinen. Gruppen und Fraktionen, die sich in Kirchen und Gemeinschaften in links oder rechts sortieren und sich verdeckt oder offen bekämpfen haben nicht verstanden, daß Gott selbst durch seine Mensch-werdung der größte Brückenbauer des Universums ist. Christliches Mobbing ist absolut unchristlich. Das ist eindeutig.

  2. „Diese beruft sich auf ein internes Schreiben Dieners, das dieser vertraulich an die Gnadauer Mitgliederversammlung geschickt hatte.“
    Es bedrückt mich, dass wir uns anscheinend in diesen Dingen der Welt gleichstellen.
    „Vertraulich“ sollte insbesondere im christlichen Umfeld vertraulich bleiben dürfen, auch wenn man den inneren Drang verspürt damit vorzeitig an die Öffentlichkeit zu gehen. Ich halte diese Entwicklung für nicht gut. Es muss ein vertrautes und vertrauliches Umfeld geben, indem man sich öffnen kann. Was vertraulich bleiben soll, entscheidet der Absender der Botschaft, und nur in gut begründeten Ausnahmen darf man als Empfänger davon abweichen.

    • Christen dürfen unterschiedliche Meinungen haben
      Warum kann man unter Christenmenschen und Demokraten vorgesehene Wahlen nicht einfach durchführen, möglicher-weise auch mit mehr als einem Kandidat. Statt vorher – vormutlich durch Druck – jemand (nötigen ?) erst gar nicht mehr zu kandieren. Dies ist es, was für mch völlig unverständlich ist. Ich halte dies auch nicht für den letzten Fortschritt an unserer
      Christlichkeit. Wenn es in Sachen Werte und Normen unterschiedliche Positionen gibt, muss es erwachsenen Christen in verantwortlicher Position möglich sein darüber zu diskutieren, auch vor einer Wahl, und zwar friedlich und geschwisterlich. Würde man vor Wahlen in der Politik jemand vorher auskungeln – oder das Gegenteil – würde sich mit Recht Protest erheben. Wenn wir uns doch der Welt nicht gleichsetzen sollten, dann eben auch mit der Qualität unserer Toleranz: Einen Standpunkt haben und andere dürfen einen anderen haben. Beten kann man immer gemeinsam. Oder sind wir im Mittelalter ?

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