Hoher Besuch im Berliner Tempodrom: Papst Franziskus und Martin Luther stehen vor der Bühne allerdings nur aus Pappe. Auf der Bühne versammelen sich nicht minder wichtige Gäste, darunter der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm. Geladen hat die Evangelische Jugend Berlin-Brandenburg Schlesische-Oberlausitz (EKBO) unter dem Motto „Glauben leben in der Öffentlichkeit“ kurz „Glöfft (bei dir)“. Und wenn die Jugend über „Öffentlichkeit“ spricht, dann meint sie vor allem eins: die Sozialen Medien.
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Von Laura Schönwies

Über die Sozialen Medien zu reden bedeutet an diesem Nachmittag zweierlei, nämlich thematisch und praktisch. Die rund 1.000 Besucher dürfen per Whats App Fragen an die Runde auf der Bühne stellen. Da ist für jeden Geschmack jemand dabei. Fragen zur EKD beantwortet natürlich der Ratsvorsitzende. Mitgekommen ist auch sein Sohn, Jonas Bedford-Strohm. „Wie schön Jonas, dass du deinen Vater mitgebracht hast“, scherzt die Moderatorin. Zugleich kann sie sich mit Bedford-Strohm-Junior über das „Schicksal“ von Pastoren-Kindern austauschen. Beide kennen die Situation, dass das eigene Handeln strenger bewertet wird, wenn Mama oder Papa Pastor sind. Neben ihnen nehmen Ingo Dachwitz, Jungdelegierter in der EKD für die digitale Kommunikation, und Jasper Althaus, Vorsitz der Jugend in der EKBO, Platz. Wer es nicht ganz so kirchlich möchte, kann Schauspielerin Anna Thalbach befragen. Auch ganz klassisch per Stift und Papier – oder mutig und unmittelbar ins Mikro sprechen.

Die Veranstaltung hat Züge eines Popkonzerts. Weibliches Gekreische ertönt, als die Band „Könige und Priester“ zu spielen beginnt. Während der Veranstaltung gibt es mehrere mit Musik gefüllte Pausen. Dann soll Zeit dafür sein, sich die Fragen durch den Kopf gehen zu lassen, die im Hintergrund über die Leinwand laufen: Ist mein Glaube eher öffentlich oder privat? Wo möchte ich, dass sich meine Kirche klar positioniert?

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Die Besucher scheint vor allem eins zu bewegen: Wie gehe ich damit um, wenn mein Glaube von anderen belächelt wird? Heinrich Bedford-Strohm antwortet darauf: „Wir müssen nicht immer mit der Missionskeule ankommen. Zwang hilft im Glauben nicht weiter. Hier greift viel eher die Kirchentags-Losung ‚Du siehst mich‘. Der andere spürt, wenn er in seinen Fragen von uns gesehen wird – ohne viele Worte. Mission ist ausstrahlen, wovon wir reden.“

Damit es gar nicht zu peinlichen Momenten dieser Art kommt, wünschen sich viele Besucher, dass die Evangelische Kirche Werbekampagnen startet, über das, was sie positiv ausmacht. Der Vorschlag aus dem Publikum, eine Plakatkampagne zu starten, die zeigen soll, wie viele Trauungen oder Ehrenamtliche es in der evangelischen Kirche gibt, erntet promt Applaus. Heinrich Bedford-Strohm gibt allerdings zu bedenken, dass derartige Beschlüsse erstmal durch sämtliche Instanzen müssten und jeder Cent zwei Mal umgedreht würde. „Außerdem sind wir heutzutage einer solchen Flut an Informationen ausgesetzt“, dass wir aufpassen müssen, darunter nicht unterzugehen.“ Wieder Applaus.

„Man darf die Coolness nicht zu seinem Gott machen“

Doch damit ist das Thema EKD in den (Sozialen) Medien noch nicht durch. Etwas hitziger geht es zwischen Bedford-Strohm und Dachwitz her, als es um die Präsenz der Kirche auf Facebook und Co. geht. Dachwitz fordert noch mehr Posts und Tweets. Bedford-Strohm hat auf Facebook 10.000 Fans. „Das sollte nichts besonderes sein, sondern Normalität“, kommentiert Dachwitz. Dazu geht eine Zuschauer-Meinung über Whats App ein: Man dürfe auch nicht die Leute abhängen, die offline unterwegs sind. Jonas Bedford-Strohm pflichtet bei: „Man darf die Coolness nicht zu seinem Gott machen“.

Vor der Bühne waren die Figuren von Papst und Reformator bereits vor der Diskussion wieder abgebaut worden, doch die Moderatorin weist noch auf zwei zwei Parallelen zwischen Bedford-Strohm und Luther hin: Beide studierten erst Jura und dann Theologie. Bedford-Strohm selbst sagt, dass er die Zweifel des Reformators gut nachempfinden könne. „Auch ich habe mich gefragt: ‚Kannst du das wirklich glauben, was du später vertreten sollst‘?“. Im Hause Bedford-Strohm herrscht seinem Sohn zufolge eine offene Diskussionskultur. Schon in jungen Jahren habe Jonas seinen Vater gelöchert. Jetzt haben sie zusammen ein Buch heraus gebracht „Wer’s glaubt, wird selig“.

„Könige und Priester“ gestalten den Abschluss der Veranstaltung. Ihr Fazit: „Ein toller Papst und ein toller Ratsvorsitzender reichen nicht. Wir müssen alle Verantwortung für unseren Glauben und unsere Kirche übernehmen.“