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Ja, ich will euch tragen

Dieses Gesangbuchlied greift als einziges das Älterwerden auf. Der Dichter, Jochen Klepper, selbst wurde nicht alt. Er und seine Familie begingen in ihrer Not Suizid.

  1. Ja, ich will euch tragen bis zum Alter hin.
    Und ihr sollt einst sagen, dass ich gnädig bin.
  2. Ihr sollt nicht grauen, ohne dass ich’s weiß,
    müsst dem Vater trauen, Kinder sein als Greis.
  3. Ist mein Wort gegeben, will ich es auch tun,
    will euch milde heben: Ihr dürft stille ruhn.
  4. Stets will ich euch tragen recht nach Retterart.
    Wer sah mich versagen, wo gebetet ward?
  5. Denkt der vor’gen Zeiten, wie, der Väter Schar
    voller Huld zu leiten, ich am Werke war.
  6. Denkt der frühern Jahre, wie auf eurem Pfad
    euch das Wunderbare immer noch genaht.
  7. Lasst nun euer Fragen, Hilfe ist genug.
    Ja, ich will euch tragen, wie ich immer trug.
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Jochen Klepper


Tröstende Gottesworte fürs Alter

Das wäre eine schwere Frage in einem Liederquiz: Kennen Sie ein Gesangbuchlied, das unser Alt- und Älterwerden thematisiert? Unter den unzähligen geistlichen Liedern gibt es meines Wissens nur ein einziges: „Ja, ich will euch tragen“.

Lieber Schriftsteller als Pfarrer

Es ist ein Lied aus neuerer Zeit. Gedichtet hat es ein damals junger, eben erst berühmt gewordener Schriftsteller: Jochen Klepper. Klepper hatte Theologie studiert, das Studium aber ohne Examen beendet. Der Vater, selber Pfarrer, hätte es sehr gerne gesehen, wenn auch sein Sohn Pfarrer geworden wäre. Aber dieser spürte seine dichterische Begabung und wollte als Dichter und Schriftsteller die frohe Botschaft verkündigen.

Dreißig Lieder verdanken wir ihm, viele von ihnen haben inzwischen Aufnahme in die heute gängigen Gesangbücher gefunden. Das Lied „Ja, ich will euch tragen“ trägt im Originaldruck die Überschrift „Silvesterlied“. Wer den Text sorgfältig liest, wird feststellen, dass es beides enthält: Ausblick und Rückblick; Ausblick auf Kommendes, Rückblick auf Erlebtes und Erfahrenes, wie es zu einer Besinnung am Jahresende passt.

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Klepper liebte das biblische Wort. Jedem seiner Lieder hat er ein Bibelwort vorangestellt. In unserem Lied sind es sogar zwei Bibelworte: Jesaja 46,4 und 5. Mose 32,7. Seine Lieder sind Schriftauslegung in Liedform. Aus dem ersten der beiden Bibelworte kommen die beiden Begriffe, die vom Altwerden sprechen: „Alter“ und „grau werden“.

Dem Bezug auf die genannten Bibelstellen verdankt das Lied „Ja, ich will euch tragen“ noch eine Besonderheit: Es ist in allen seinen sieben kurzen Strophen Gottesrede! Wir singen, was Gott uns als Verheißung auf den Weg ins Altwerden mitgibt! So wirbt das Lied mit seinen wunderbar tröstlichen Worten um unser Vertrauen zu dem, dessen Verheißungen unseren Weg hell machen.

Verzweifelter Entschluss

Ein Kernwort des Liedes ist das Wort „tragen“. Es begegnet dreimal: ganz am Anfang des Liedes, in der Mitte und in der letzten Strophe. Gott trägt die Seinen wie eine Mutter ihr Kind, und wir sollen uns tragen lassen, sollen „Kinder sein als Greis“.

Klepper selbst ist nicht alt geworden. Er starb zusammen mit seiner jüdischen Frau und deren Tochter aus erster Ehe aus eigenem Entschluss in einer Dezembernacht im vierten Kriegsjahr des Zweiten Weltkriegs, in den Tod getrieben von einem mörderischen Regime, das es sich in den Kopf gesetzt hatte, das Volk Gottes auszurotten.

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Text: Reinhard Deichgräber


Hier findest du gute Gedanken zu weiteren altbekannten Chorälen und christlichen Liedern.

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