In der russisch-orthodoxen Kirche geraten Geistliche unter Druck, wenn sie sich gegen den Krieg positionieren. Berichte sprechen von willkürlichen Verfahren und Angst im Klerus – mit weitreichenden Folgen.
Stefano Caprio berichtet für das katholische Online-Portal Asianews über zunehmende Repressionen gegen Geistliche in der russisch-orthodoxen Kirche, die sich gegen den Ukraine-Krieg positionieren. Dabei bezieht er sich auf ein Buch des ehemaligen Moskauer Priesters Aleksej Uminskij. In Church of Hitchhiking schildern Uminskij und die Journalistin Ksenia Lučenko Fälle, in denen Priester ohne Verfahren oder Begründung ihres Amtes enthoben werden. Laut der Initiative „Christians Against War“ betreffe dies mindestens 47 Geistliche.
Die Disziplinarmaßnahmen reichten von Suspendierungen bis zur Versetzung in den Laienstand. Ein zentraler Vorwurf: Geistliche verweigern das vom Moskauer Patriarchat geforderte Gebet für den Sieg im Krieg (Gebet über die Heilige Rus). Uminskij selbst berichtet, dass er nach seiner Antwort „Ich weiß nicht, was das Heilige Rus ist“ unmittelbar sanktioniert wurde. Viele Priester fürchten Denunziation und kirchliche Verfahren – und laut Berichten teilweise auch staatliche Konsequenzen.
Aleksej Uminskij war über 30 Jahre lang Priester an der Dreifaltigkeitskirche in der Altstadt von Moskau. Er besuchte inhaftierte Oppositionspolitiker und gehörte zu den wenigen russisch-orthodoxen Geistlichen, die sich öffentlich gegen den Krieg in der Ukraine aussprachen. Im Jahr 2024 wurde er suspendiert und durch einen regierungstreuen Priester ersetzt. Mittlerweile lebt Uminskij im Exil in Paris/Frankreich – und arbeitet dort weiter als Priester. Das ökumenische Patriarchat von Konstantinopel hat ihm die Priesterwürde zurückgegeben.
Der Deutschlandfunk hat im Oktober 2025 ein Interview mit Uminskij veröffentlicht.
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