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Bibellesen: Kleine Schritte statt großer Pläne

Mehr in der Bibel zu lesen bleibt oft nur ein frommer Wunsch. Dabei ist es mit dem Bibellesen wie mit der Hundeerziehung: In kleinen Schritten kann es gelingen.

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Von Tabea Tacke, Fachlektorin für Bibel und Theologie im SCM R. Brockhaus Verlag

„Sitz! … Nein, sitz!“ Und wieder einmal bleibt Bilbo nicht sitzen, sondern erkundet in der neuen Umgebung viel lieber alles, als bei Frauchen zu bleiben. Wozu auch, wenn es für Junghunde noch so vieles zu entdecken gibt!

Üben, üben, üben

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Mein nun einjähriger Bernedoodle-Rüde Bilbo muss immer noch so einiges üben. Und ich als Frauchen muss dabei auch lernen. Worauf ich mich immer wieder einstellen musste: Nicht zu viel auf einmal zu wollen. Ich habe vor allem am Anfang öfters von meinem noch so jungen Hund etwas verlangt, was für diesen ein noch viel zu großer Schritt war. Sitzen zu bleiben in der bekannten Wohnung, wenn man auf Leckerchen wartet, ist viel einfacher als sitzen zu bleiben in einer fremden, trubeligen Umgebung, wenn andere Hunde vorbeilaufen und überall neuartige Gerüche zum Schnuppern einladen.

Als Hund-Mensch-Team haben wir uns mehrere Ziele gesteckt und haben diese ständig vor Augen. Aber wir gehen dabei schrittweise vor. Es ist viel schöner, die kleinen Erfolge zu feiern, sich dann langsam zu steigern und darüber zu staunen, was schon möglich ist, als dass die Schritte zu groß sind, Scheitern vorprogrammiert ist und Frust aufkommt.

Jeden Tag ein Neuanfang

So ähnlich ist es auch mit dem Bibellesen. Ich habe oft den Anspruch an mich, jeden Tag in der Bibel zu lesen und bewusst Zeit mit Gott zu verbringen. Doch eigentlich sieht die Realität so aus, dass ich von morgens bis abends so beschäftigt und gestresst bin, dass ich oft abends nur noch müde ins Bett falle. Ich lasse mit schlechtem Gewissen die Bibel neben mir liegen und sage mir dann: „Morgen wird es besser, morgen nehme ich mir bewusst Zeit für Gott!“

Wie oft und wie viel liest du in der Bibel?

Bibellese-Umfrage

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Vor einigen Monaten wollte ich wissen, ob es anderen auch so geht wie mir. Ich habe eine kleine Umfrage gestartet: „Wie oft und wie viel liest du in der Bibel? Und bist du damit im Moment zufrieden?“ Das Ergebnis: Einige lesen jeden Tag ein wenig, andere einmal in der Woche etwas mehr. Aber tatsächlich ist der Großteil der Befragten höchst unzufrieden mit der Kluft zwischen dem eigenen Anspruch und der Realität: Nämlich sehr unregelmäßig und eher selten in der Bibel zu lesen.

Dabei schwingt bei vielen – bewusst oder unbewusst – der Gedanke mit, dass man „kein guter Christ“ sei, wenn man nicht jeden Tag mindestens ein Kapitel lese. Solch ein Anspruch mag von außen herangetragen worden sein, vielleicht durch die Gemeinde oder die Familie, vielleicht auch unausgesprochen im Raum hängen. Aber viele – vor allem junge Erwachsene – empfinden es als großen Druck, diesem Pensum gerecht zu werden, es jedoch nicht in den Alltag einbauen zu können.

Druck und Frust

Vielleicht hat man einmal ganz motiviert angefangen. Hat sich einen Bibelleseplan gekauft, sich jeden Morgen Zeit freigeschaufelt und die Bibel neben das Bett gelegt. Und hat dann nach ein paar Wochen feststellen müssen, dass dieser Plan auf lange Sicht zu ehrgeizig war. Bei all den Verpflichtungen und Veranstaltungen war er schlicht nicht realistisch.

Einfach deshalb, weil es ein zu großer Schritt von heute auf morgen war. Weil die Lebensumstände immer noch die gleichen sind und der Tagesablauf sich selten schlagartig und komplett ändern kann. So lässt man es am Ende doch bleiben, weil man es eben nicht schafft. Vielleicht hat man noch ein schlechtes Gewissen, weil man es nicht auf die Reihe bekommt wie scheinbar jeder andere. Und so recht weiß man auch nicht, wie man es sonst machen soll.

Eine aufgeschlagene Bibel
Foto: Aaron Burden / Unsplash

Weniger ist mehr

Aber ist es nicht gut und lobenswert, sich große Ziele zu stecken? Ist es nicht ratsam, täglich in der Bibel zu lesen? Doch, natürlich. In der Bibel hören wir direkt Gottes Worte. Wir können erfahren, was Gott über die Welt denkt, was er sich wünscht und wie er handelt. Auch heute noch. Deshalb hat die Bibel überhaupt so eine große Bedeutung für Christen. Aber: Besser ist es, einmal in der Woche einen Vers zu lesen als gar nicht. Eben so viel, wie man tatsächlich schafft.

Das konkrete Pensum mag bei jedem anders sein. Wenn das Ziel allerdings zu hoch und völlig unrealistisch ist, kommt schnell Frust auf, weil man es nur selten erreicht. Abgesehen davon können manchmal in einem einzigen Vers schon viele tiefgründige Wahrheiten in mehreren Schichten stecken, über die man Wochen nachdenken kann. Hier kommt es auch eben nicht auf die Quantität an, sondern auf die Qualität der Begegnung mit unserem Gott und seinem Wort.

Es ist einfacher, eine kleine Veränderung im Alltag einzubauen, die erst mal nicht direkt das ganze Leben auf den Kopf stellt.

Ein Hoch auf das Mittelmaß

Also: Es ist einfacher, eine kleine Veränderung im Alltag einzubauen, die erst mal nicht direkt das ganze Leben auf den Kopf stellt. So bleibt noch Luft nach oben und Raum, um zu wachsen. Um sich zu steigern, nachdem die kleinen Schritte schon zur Gewohnheit geworden sind. Hier ist Stetigkeit auf lange Sicht gesehen wertvoller als Peaks, die nach oben schießen, aber direkt danach auch wieder in tiefe Tiefen abfallen. Deshalb ist es vollkommen in Ordnung, die Stange auf mittlere Höhe zu positionieren und sie erst nach weiterem Training höher zu legen.

Die Sehnsucht in den Alltag bringen

Mit der Sehnsucht im Herzen, Gott in der Bibel zu begegnen, kann man für sich selbst nun überlegen, welches konkrete Ziel man in seinen Alltag integrieren kann. Wie oft und wie viel in der Woche schaffe ich, in der Bibel zu lesen – und das aber auch wirklich? Dafür ist es dann hilfreich, sich Werkzeuge zurechtzulegen.

Einladung zum Bibellesen

Das kann zum Beispiel ein Bibelleseplan sein, der kleine Portionen vorschlägt und manchmal auch noch einen Impuls oder Erklärungen ergänzt. Weil uns das Thema so am Herzen liegt, haben Ulrich Wendel und ich solch einen Bibelleseplan in Form eines Aufstellbuches konzipiert. Wenn Gott dir Glück zuspricht. 52 Einladungen zum Bibellesen kann man sich dekorativ ins Regal stellen und erinnert zugleich an die drei Bibelstellen, die mit einem kurzen Impuls jeweils auf der Rückseite vorgeschlagen werden. Dieser Bibelleseplan will keinen Zeitdruck aufkommen lassen, sodass man nicht mehrere Kapitel auf einmal lesen muss, wenn man mal ein paar Tage nicht zum Bibellesen gekommen ist.

Die Bibel in zwei Stunden

Wer nicht weiß, wo er anfangen soll zu lesen: Die Bibel in zwei Stunden bietet eine Möglichkeit, die Bibel in Kurzversion zu lesen. Eben in zwei Stunden (dieses Zeitziel muss man übrigens nicht auf Biegen und Brechen erreichen, sondern kann sich natürlich auch mehr Zeit dafür nehmen) folgt man dem roten Faden der Bibel und liest Gottes Geschichte mit den Menschen.

Es ist immer spannend, zunächst auch den eigenen persönlichen Zugangsweg zu Gott und zur Bibel herauszufinden.

Vielleicht werde ich von Lobpreismusik ganz besonders angesprochen? Enthalten die Texte biblische Splitter oder Anspielungen, denen ich mal nachgehe? Vielleicht hilft es mir mich zu konzentrieren, indem ich Gedanken und Gebete in einem Notizbuch festhalte? Oder bin ich eher der Typ, der draußen in der Schöpfung Gott spürt oder erst in Gemeinschaft so richtig Gottes Gegenwart wahrnehmen kann? Und dann spricht ein Schöpfungspsalm oder das, was Jesus über die Lilien auf dem Feld sagt (Matthäus 6), umso mehr zu mir.

Die Bibel umarmen

In seinem Buch Die Bibel umarmen. Zehn Tipps für inspirierende Zeiten mit Gottes Wort“ lädt Keith Ferrin mit zehn praxiserprobten Schritten ein, neue Zugänge zur Bibel auszuprobieren. Herausfordernd und doch hilfreich – und darum sehr empfehlenswert –, um neue Blickwinkel für den Umgang mit dem Wort Gottes zu gewinnen.

Bibellese-Buddy

Was ich aus persönlicher Erfahrung zu schätzen gelernt habe: sich einen Bibellese-Buddy zu suchen. Jemanden, mit dem ich mich verabrede, Bibel zu lesen. So hat man eine Art festen Termin und verschiebt das Bibellesen nicht schon wieder, weil „man es wieder nicht geschafft hat“. Ein Verbündeter hilft, mit dem man Seite an Seite gegen die alltäglichen Ablenkungen kämpft und mit dem man direkt über das Gelesene sprechen kann.

Besondere Bibel-Zeiten

Im Leben gibt es abseits vom Alltag aber auch besondere Zeiten. Zum Beispiel den Urlaub. Das ist eine festgelegte Zeitspanne an einem anderen Ort mit einem anderen Tagesablauf. Alles ist anders. Solche Zeiten mit viel Zeit bieten die Chance, sich neu zu sortieren und zu fokussieren – auch in Bezug auf Gott. Auf solche Hochzeiten kann man auch bauen, wenn man wieder in den Alltag zurückkehrt.

Beziehung statt Anspruch

Bei allem lobenswerten Anspruch, den man an die eigenen Bibellesegewohnheiten an den Tag legt, sollte man jedoch in keine Gesetzlichkeit fallen. Ich wünsche mir, dass wir nicht in der Bibel lesen, weil Gott oder Menschen das von uns erwarten und weil wir andernfalls schlechte Christen wären. Ich wünsche mir stattdessen, dass wir in der Bibel lesen, weil wir dadurch unseren Gott besser kennen – und verstehen lernen und ihm darin begegnen. Aus Liebe zu ihm. Weil die Beziehung zu ihm es uns wert ist.


Dieser Artikel erschien im Magazin Faszination Bibel (Ausgabe 4/21). Faszination Bibel ist ein Produkt des SCM Bundes-Verlags, zu dem auch Jesus.de gehört.

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