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Der Menschenfischer fehlt: Vor fünf Jahren starb Papst Johannes Paul II.

Die Straßen polnischer Städte waren mit unzähligen Kerzen gesäumt, in Freiluftgottesdiensten knieten Zehntausende auf dem kalten Asphalt. Zudem waren rund zwei Millionen Gläubige aus aller Welt nach Rom zu seiner Beerdigung gepilgert: der Tod von Johannes Paul II. am 2. April 2005 löste eine weltweite Trauerwelle aus.

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Der 5. Todestag des aus Polen stammenden Papstes fällt in diesem Jahr auf den Karfreitag. Dies sei  ein Anlass, an die Lehre von Johannes Paul II. zu erinnern, sagte Jozef Kloch, Sprecher des polnischen Episkopats. Er hatte damals auf den polnischen Bildschirmen die Nachricht vom Ableben des in seinem Heimatland geliebten heiligen Vaters überbracht.

«Ich erinnere mich so gerne an seine Pilgerfahrten nach Polen, das ist sein Testament für unser Land» meint Kloch im Gespräch. Die Papstbegeisterung der Polen ist legendär. Selbst vielen Katholiken Westeuropas scheint sie etwas überzogen. Ein Blick zurück ins Jahr 1978 macht einiges verständlicher: Damals ging es mit der Wirtschaft in der sozialistischen Volksrepublik Polen bergab. Die mit viel Propaganda versprochene Verbesserung der Lebensumstände trat nicht ein.

Die Zensur war zuvor gelockert worden. Die Kirche wurde zur gewichtigen Stimme in Polen, die die Missstände deutlich anprangerte. Als der mit 57 Jahren recht junge Krakauer Erzbischof Karol Wojtyla überraschend zum Papst gewählt wurde, geriet er zum ersten großen Anwalt der Polen, die sich in ihrer Geschichte oft als Opfer seiner stärkeren Nachbarn sahen.

Was auch in den kommenden 26 Jahren an Umbrüchen anstand – Kriegsrecht, Repressionen, Enttäuschungen über die junge Demokratie und auch über die Kirche, soziale Härten, Korruption – der polnische Papst blieb die große Konstante, ein Vertrauensmann, der sich in seinen neun Pilgerfahrten ins Heimatland den aktuellen Sorgen seiner Landsleute zuwandte.

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Auch Atheisten akzeptieren seine Rolle in der Geschichte – «Ohne Johannes Paul II. wäre die Wende in Osteuropa nicht möglich gewesen», schrieb 1992 Michail Gorbatschow. Weltweit wird der reisefreudige Wertkonservative von vielen Katholiken als Erneuerer des Glaubens gefeiert, aber auch Vertreter anderer Religionen schätzen ihn für seine Versöhnungsgesten. Als erster Papst besuchte er eine Moschee und eine Synagoge, er bat um Vergebung für die Sünden, die Christen im Lauf der Kirchengeschichte begangen haben – auch mit Blick auf den Holocaust.

Heute fehlt der «Menschenfischer» der katholischen Kirche, deren Ansehen durch die Fälle von sexuellem Missbrauch weltweit in eine Schieflage geraten ist. Besonders in seiner Heimat Polen wird er vermisst, als Vaterfigur wie als verbindende Klammer.

Die Entfremdung vieler Polen mit ihrer Kirche schlägt sich heute in zunehmenden Austrittszahlen nieder. Genaue Zahlen sind jedoch nicht zu erfahren. Jaroslaw Milewczyk von der Organisation «Apostazja» geht von einigen Hundertausend in den letzten fünf Jahren aus.

Mit dem anstehenden Prozess zur Seligsprechung von Johannes Paul II. will die Kirche wieder einheitlicher erscheinen – jede der neun Pilgerfahrten des Papstes nach Polen soll nun in den kommenden neun Monaten mittels der Massenmedien nochmal ins Bewusstsein der Polen gerufen werden – «ich bin bei euch» ist ihr Sinnspruch.

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(Quelle: epd)

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