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„Die Passion“ auf RTL: Unterhaltsam, ohne den Inhalt zu verbiegen

RTL versuchte die Leidensgeschichte Jesu mithilfe von Popsongs modern zu inszenieren. Das ist gelungen, meint Norbert Abt – sogar die Relevanz des Glaubens für die Menschen von heute wurde transportiert.

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Ein Kommentar von Norbert Abt

Knapp 5000 Menschen erlebten das Musik-Live-Event „Die Passion“ auf dem Essener Burgplatz, ein Millionen-Publikum live auf dem Sender RTL. Nicht im Stil der Oberammergauer Passionsspiele, sondern als modernes Pop-Schauspiel in der Großstadt Essen.

Das Konzept ist so simpel wie wirkungsvoll: viel technischer Aufwand und Spiel mit dem Licht, eine große Bühne, bekannte Stars aus Musik und Schauspiel und beliebte Popmusik. Das Ganze funktionierte, war unterhaltsam, ohne dabei den Inhalt zu verbiegen oder zu vernachlässigen. Ganz im Gegenteil.

Jesus als Influencer

Modern – das zeigte sich daran, dass Jesus nicht auf dem Esel daherkommt, sondern mit seinen Jüngern im Bus unterwegs ist. Er spricht in einem Einkaufszentrum und ist jederzeit zum Selfie bereit. Schon vorher hatte Gottschalk angekündigt: Die Autoritäten seiner Zeit habe Jesus schonungslos kritisiert, der heute als erfolgreicher Influencer bezeichnet werden würde. Von deutschen Polizeibeamten verhaftet, trägt er orange Sträflingskleidung. Später wird er von Securityleuten zu Pilatus (Henning Baum) gebracht.

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Ort der Handlung ist keine Historienkulisse, sondern die Metall- und Bergbaustadt Essen. Die Geschichte spielt nicht nur auf dem Burgplatz, im Schatten des Essener Münsters, sondern auch auf dem Weg vom Rüttenscheider Markt bis ins Zentrum und in einem Einkaufszentrum. Jesus besorgt sich die Fladenbrote für das Passahmahl an einer Imbissbude in der Stadt.

Miteinander mit Zuschauern etwas zäh

Wenn es was zu meckern gibt, dann zweierlei: Zu oft wurde zu Anfang der Show in wortgewaltiger RTL-Sprache betont, wie groß, wie ungewöhnlich, wie besonders und einzigartig das Pop-Schauspiel doch sei; ein Riesen-Event, ein außergewöhnliches Fernseh-Experiment … Das stimmt zwar, das hatte aber nach einer halben Stunde auch der Letzte begriffen. Und zweitens: Alles in allem funktionierte das Miteinander mit den Zuschauenden etwas zäh.

Es war eine beeindruckende wie aufwendige Bühnenkulisse, die RTL für das Event im Zentrum Essens aufgebaut hatte – in Nachbarschaft zum Dom, eines großen Kaufhauses und seitlich der Fußgängerzone. Liveband und Chor rundeten das Bild des Schauspiels ab. Musik und Licht machten das Event zu einer modernen Show.

Musik dominierte

Alles entscheidend für die Machart und den Erfolg einer solchen Show ist die Musik. Um die Passionsgeschichte in einer neuen und verständlichen Sprache zu erzählen, bedienten sich die Macher der „Passion“ der international verbreiteten und für alle verständlichen Sprache der Popmusik.

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Zu diesem Erfolg trugen die überzeugenden Popstimmen bei, allen voran Alexander Klaws (Jesus), Ella Endlich (Maria) und Laith Al-Deen (Petrus). Die Musik war es, die die Leute abholte, das ganze Schauspiel trug und dominierte. Die Handlung und die Dialoge traten dabei etwas in den Hintergrund, doch das schwächte die Attraktivität und die Darbietung überhaupt nicht. Für das Musikalische war Michael Herberger verantwortlich, den viele von der Vox-Sendung „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ kennen.

Kein frommes Märchen

Das Pop-Schauspiel orientierte sich an den Kerninhalten der Passion, ohne dabei, wie der Erzähler Thomas Gottschalk meinte, „auch nur eine Sekunde peinlich oder klebrig“ zu sein. Gottschalk, überraschend seriös gekleidet, betonte, dass die Passion kein frommes Märchen sei und von ihr bis heute Hoffnung und Vergebung ausgehe.

Zur Machart der „Passion“ gehörten auch die Liveschaltungen und Aufnahmen von verschiedenen Orten in Essen. Im Vorhinein aufgezeichnete Videoszenen trieben die Handlung voran. Zwischendrin wurde immer mal wieder zum Zug des 250-Kilo-schweren Lichtkreuzes von Rüttenscheid bis zum Burgplatz im Zentrum geschaltet.

Die Videoclips mit Jesus und seinen Jüngern und die Live-Interviews mit den Trägerinnen und Trägern des Kreuzes schafften Abwechslung und sorgten für Dynamik. Höhepunkt war dann auch das Eintreffen des Kreuzes auf dem Burgplatz.

Glaube auch heute noch relevant

Bei diesen „Übertragungen“ vom Zug des Lichtkreuzes durch die Stadt interviewte die RTL-Moderatorin Annett Möller die Trägerinnen und Träger des Kreuzes. Sie wirkte dabei etwas bieder, etwa nach dem Motto „Ich versteh‘ dich ja so, so gut“ und „Gut, dass wir darüber gesprochen haben“. Da fehlte etwas Spritzigkeit oder Humor.

Rund hundert Menschen trugen das 250 Kilogramm schwere Leuchtkreuz durch die Essener Innenstadt. (Foto: Friedrich Stark / epd-Bild)

Die kurzen Statements selbst, meist vor Aufregung recht hastig gesprochen, machten deutlich, warum für das Leben der Interviewten der Glaube wichtig ist und wie sie Jesus erstmals begegneten oder seine Hilfe erfuhren. Diese Statements zeigten, wie relevant der Glaube an Jesus heute für Menschen sein kann.

Und das leistete das Schauspiel: Es transportierte in seiner Machart und mit den Aussagen der Kreuzträgerinnen und Kreuzträger die Relevanz des Glaubens, der Anker und Quelle für eine neue Lebensperspektive, vor allem aber für Hoffnung sein kann.

Norbert Abt war für Jesus.de vor Ort in Essen.

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