Am 10. September ist Welttag der Suizidprävention. Ein Suizidpräventionsgesetz steht im Koalitionsvertrag – die Diakonie und die EKD haben konkrete Vorschläge gemacht.
100.000 Menschen in Deutschland haben 2023 einen Suizidversuch unternommen und 10.300 beendeten ihr Leben durch einen Suizid, heißt es in einer Pressemitteilung der Deutschen Diakonie. „Diese erschütternden Zahlen werden von Gesellschaft und Politik nicht ausreichend wahrgenommen“, mahnt Diakonie-Präsident Rüdiger Schuch. Suizidprävention sei lange ein Randthema gewesen.
Erst die Debatte um den assistierten Suizid habe Bewegung in die Thematik gebracht. Ein Suizidpräventionsgesetz steht im Koalitionsvertrag. Nun müsse es auch geschaffen werden. Die Diakonie Deutschland hat gemeinsam mit der Evangelischen Kirche in Deutschland konkrete Vorschläge dafür vorgelegt.
Unter anderem fordert die Diakonie eine Suizidprävention im Rahmen der TelefonSeelsorge Deutschland, den flächendeckenden Ausbau der psychiatrisch-psychosozialen Krisendienste, Suizidprävention im Strafvollzug und die Einführung eines präventiven Hausbesuchs bei alten Menschen. Außerdem müssen „Tabu und Stigma“ abgebaut werden.
Präventionsarbeit der Diakonie
Anlässlich des Welttags zur Suizidprävention weist die Diakonie Deutschland auf ihre „niedrigschwellige Präventionsarbeit“ hin. Dazu gehören Telefonseelsorge sowie Angebote in der Jugendarbeit und Altenpflege. „Täglich engagieren sich Tausende Helferinnen und Helfer in Deutschland, um Leben zu retten. Sie leisten vor Ort und am Telefon, per Chat, E-Mail, Apps oder über Peergroups wichtige und professionelle Hilfe.“
Mehr als 7.700 ehrenamtliche Beraterinnen und Berater der Telefonseelsorge begleiten Menschen in Krisensituationen rund um die Uhr, heißt es in der Pressemitteilung. Bisher seien solche Angebote häufig auf kirchliche Mittel, Spenden oder befristete Projektförderungen angewiesen. „Suizidprävention ist eine Daueraufgabe“, betont Schuch. Sie brauche einen verbindlichen gesetzlichen Rahmen und eine sichere Finanzierung – dies entspreche „der staatlichen Schutzpflicht für das menschliche Leben“. Die Diakonie fordert deshalb „nachdrücklich die gesetzliche Verankerung eines Suizidpräventionsgesetzes noch in dieser Legislaturperiode“.
Falls ihr selbst in einer verzweifelten Situation seid, sprecht mit Freunden und Familie darüber. Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist rund um die Uhr anonym und kostenlos erreichbar: 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222. Auch die Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

Ich weiß nicht, was ein Präventionsgesetz bringen wird.
Was es braucht, sind deutlich mehr Psychotherapeuten, so dass Betroffene kurzfristig eine Behandlung bekommen können und nicht monatelang warten müssen. Denn dann kann es schon zu spät sein.
Und das kann auch eine Telefonseelsorge nicht als Ersatz leisten.
Ich hatte es gerade so verstanden, dass solch ein Gesetz eine sichere Finanzierung für professionelle Angebote als Inhalt haben soll.
Die Finanzierung ist ja auch jetzt in der Regel über die Krankenkasse gesichert. Das Problem ist nur, dass es häufig keine freien Termine bei Therapeuten gibt. Auch stationär ist es problematisch
Und dann kommt ja noch hinzu, dass es zwischen Patient und Therapeut gerade hierbei menschlich passen muss. Deshalb gibt es ja auch die theoretische Möglichkeit, anfangs zu wechseln. Was aber bei so langen Wartezeiten auch nicht funktionieren wird.
Aber noch ein Hinweis für Betroffene: Wo unmittelbar Suizidgefahr besteht, kann zu einer stationären Psychiatrie gehen. Die müssen in solchen Fällen meines Wissens sofort aufnehmen.