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Digitale Kirche

Wo stehen wir digital – gerade in diesen Wochen? Was einfach möglich ist, auch für Menschen und Gemeinden, die eigentlich nicht allzu sehr mit den neuen Medien vertraut sind, beschreibt Pfarrer Lutz Neumeier.

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von Lutz Neumeier

Als dieser Artikel im Januar eigentlich fertiggeschrieben war, sah die Welt noch anders aus – auch die kirchliche Welt und die Rolle der neuen und digitalen Medien in der Kirche. Aufgrund der Corona-Pandemie und der daraus folgenden Schließung der Gemeindehäuser und des Verbots, Gottesdienste in den Kirchen zu feiern, haben die digitalen Möglichkeiten des Kontakthaltens innerhalb der Gemeinden und der digital gefeierten Gottesdienste einen vorher ungeahnten Aufschwung erlebt. Vieles, was im ursprünglichen Artikel geschrieben war, scheint – zumindest im Moment – erreicht und von vielen kirchlichen Mitarbeiter*innen und Pfarrer*innen probiert und umgesetzt. Gleichzeitig wird aber die digitale kirchliche Arbeit als für den Moment durchaus sinnvoll und angemessen betrachtet, insgesamt aber gegenüber traditioneller Arbeit als defizitär und als nur zurzeit notwendiger Ersatz. Und viele Gemeinden können sich auch jetzt noch nicht vorstellen, wie digitale kirchliche Arbeit bei ihnen funktionieren soll. Zum Teil, weil die Verantwortlichen meinen, nicht genug technisches Verständnis zu haben, zum anderen, weil der Mut fehlt, einfach mal etwas auszuprobieren.

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Dieser Artikel soll beidem entgegenwirken und zeigen, dass technisches Vorwissen nicht nötig ist – gleichzeitig soll er Mut machen, die vorhandenen Möglichkeiten zu nutzen, insbesondere das Smartphone.
Schon vor der Pandemie – und ganz sicher erst recht danach – lagen in digitaler kirchlicher Arbeit viele zusätzliche Chancen (über die traditionelle Arbeit leibhaftig vor Ort hinaus), um mit den Menschen in Verbindung zu kommen und zu bleiben.
Seit ca. drei bis vier Jahren hat sich im Internet der sogenannte Hashtag #digitaleKirche zu einem Begriff entwickelt, unter dem die verschiedensten Möglichkeiten von Kirche im Internet vorgestellt, ausgetauscht und diskutiert werden. Dabei darf der Begriff nicht als einzige kirchliche Erscheinungsform der Zukunft missverstanden werden, sondern sollte als Ergänzung bisheriger kirchlicher Arbeit gesehen werden. Insofern sollte vielleicht für kirchliche Arbeit besser von #hybrideKirche gesprochen werden: mit körperlicher Anwesenheit vor Ort und darüber hinaus auch digital verbunden im Internet.

 

Die Kirche und das Leben in der Moderne

 

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Für eine Studie von ARD und ZDF wurde 2019 erhoben, dass 83 % der Bevölkerung in Deutschland ein Smartphone besitzen (www.ard-zdf-onlinestudie.de). Das Internet und die Kommunikation da­rüber, gerade auch unterwegs, sind aus dem Leben der meisten Menschen nicht mehr wegzudenken. Die Digitalisierung hat die Welt in den vergangenen Jahrzehnten und Jahren verändert, das Leben der Menschen und auch das Leben und Arbeiten in der Kirche. Ganz besonders haben die vergangenen Wochen der Corona-Pandemie noch einmal alles in Richtung digitale Kommunikation beschleunigt. Hier kann und soll nicht diskutiert werden, wie gut oder schlecht das ist – es ist nun einmal unumkehrbar und das nicht nur in Pandemie-Zeiten. Es sollen daher einige Beispiele aufgeführt werden, wie neue Medien heute gewinnbringend in Kirche eingesetzt werden können, sodass sie entweder die Arbeit erleichtern oder neue Zugänge und Methoden zu Bekanntem bereitstellen.

Bei allen Anwendungen muss die Frage der Datensicherheit und Datensparsamkeit gestellt werden. Diese Fragen dürfen aber nicht die Nutzung von vornherein ausschließen, da dies hieße, sich der Wirklichkeit und Lebensnähe der überwiegenden Bevölkerung nicht nur in Corona-Zeiten zu verschließen.

 

Social Media & Co

 

Die sozialen Medien sind für viele Menschen heute selbstverständlich geworden. Für Kirchengemeinden und ihre Mitarbeiter*innen sind diese neben dem direkten Kontakt vor Ort eine gute Möglichkeit, mit Menschen in Verbindung zu kommen. Facebook erreicht dabei eher Menschen über 25 Jahren, Instagram auch die Jüngeren.

 

Facebook: Neben dem persönlichen Profil, auf dem man als Kirchenvertreter*in ansprechbar ist, können Kirchengemeinden auch Facebook-Seiten oder -gruppen einrichten. Zu diesen Seiten und Gruppen können alle aus der Gemeinde ihre Freund*innen einladen, sodass Seite und Gruppe mehr Follower bekommen. Auf den Facebook-Seiten (die auch erreichbar sind für solche, die keinen Facebook-Account haben) und in den Gruppen kann man auf kommende Veranstaltungen hinweisen und Bilder vergangener Aktionen posten, man kann sich untereinander austauschen, Videobotschaften posten und auch live online gehen.

Instagram LogoInstagram: Will man jüngere Menschen erreichen, so sollte man einen Instagram-Account starten, einen persönlichen wie auch einen der Gemeinde (beides innerhalb der einen App machbar). Bei Instagram postet man immer ein Bild (oder Video) und kann auch auf Veranstaltungen wie Jugendgottesdienste, z. B. mit einem Plakat desselben, hinweisen und im Anschluss Bilder posten. Auch hier lassen sich z. B. Gebetsbilder teilen oder sogar Gottesdienste feiern.

 

Andachten und Gottesdienste digital

 

Was noch Anfang 2020 von vielen als exotisches Hobby einiger Weniger betrachtet wurde, ist für viele Gemeinden in den letzten Wochen und Monaten zur Normalität geworden: Andachten und Gottesdienste aufzunehmen und über Gemeindewebseiten, YouTube oder Facebook zu verteilen.

Es bedarf keines großen technischen Aufwandes oder Verständnisses, um solche Videos aufzunehmen und zu teilen: Das eigene Smartphone reicht für viele Aufnahmen durchaus, für guten Ton lassen sich im einfachsten Fall die dem Smartphone beiliegenden Kopfhörer mit Mikrofon nutzen. Will man ein klein wenig mehr Aufwand betreiben, so finden sich im Internet kleine (Richt- oder Ansteck-)Mikrofone (Firma Røde, ab ca. 50 Euro: https://de.rode.com/microphones/mobile), die man an das Smartphone anstecken kann. Diese verbessern den Ton erheblich, kosten nicht allzu viel und der oder die Sprecher*in kann auch etwas weiter vom Smartphone (und damit der Kamera) entfernt stehen. Wichtig ist in jedem Fall ein gut verständlicher Ton ohne Nebengeräusche und eine gute Ausleuchtung. Das Smartphone steht dabei am besten auf einem Stativ.

Während ein Gottesdienst in der Kirche vor Ort meistens ungefähr 60 Minuten dauert, eine Predigt vielleicht 10 bis 15 Minuten, so sollte man sich für das Internet an kürzere Einheiten halten. Eine Andacht mit Musik bis zu 15 Minuten, ein Gottesdienst vielleicht eine halbe Stunde und eine Predigt darin fünf Minuten.

Wenn man gut plant, kann man eine Andacht in einem Durchgang aufnehmen und erspart sich damit jeglichen Videoschnitt. Möchte man Bildwechsel im Video haben, so muss man im Anschluss die einzelnen Aufnahmen zusammenschneiden. Dazu gibt es gute Schnittprogramme gratis, sowohl für Smartphones (Android: YouCut/ iOS: iMovie) als auch für PC und Mac (einfach und trotzdem gut: Shotcut mit vielen Möglichkeiten: DaVinci Resolve).

Livestream auf Facebook: Hier gilt alles, was schon vorher genannt wurde. Gottesdienste oder Andachten als Livestream zeichnen sich durch Interaktionsmöglichkeiten aus: Teilnehmende können von zu Hause aus im Chat Grüße und zum Beispiel Fürbitten beitragen. Wer einen Facebook-Account hat oder eine Facebookseite, kann vom Smartphone ganz einfach live streamen. Natürlich lässt sich auch auf YouTube live streamen, aber das ist etwas komplizierter und wird im Teil II in der nächsten 3E-Ausgabe dargestellt werden.

Videokonferenzen: Videokonferenzen eignen sich nicht nur für Firmen, auch für kirchliche Arbeit und gerade in Pandemie-Zeiten bieten Videokonferenzen gute Austausch- und Kontaktmöglich­keiten: z. B. für Kirchenvorstands-/Presbyteriumssitzungen und Dienstgespräche, aber auch Einzelgespräche sind so mit räumlichem Abstand möglich. Und auch Gottesdienste lassen sich so feiern. Beispiele gibt es aus den letzten Wochen im Internet viele. Nicht nur im Bereich der evangelischen Kirche hat sich „Zoom“ als eine sehr einfache, sichere und zuverlässige Plattform erwiesen. Auch die EKD sowie viele Landeskirchen nutzen diesen Service und es gibt die Möglichkeit, Zoom dem Datenschutzgesetz der EKD und der DSGVO entsprechend zu nutzen.

 

Konfi- und Jugendarbeit digital

 

Konfirmanden- und Jugendarbeit vor Ort war in den letzten Wochen nicht möglich, aber es gibt viele digitale Möglichkeiten. Die JIM-Studie (www.mpfs.de/studien/jim-studie/2018/ – Seite 8), die seit 20 Jahren jährlich die Mediennutzung Jugendlicher untersucht, hat in ihrer letzten Ausgabe 2018 festgestellt, dass 97 % der Jugendlichen ein Smartphone besitzen. Wenn wir als Kirche den Jugend­lichen in ihrer Lebenswelt begegnen wollen, sollten wir die vielen (pädagogischen) Möglichkeiten, die sich aus der Nutzung von Smartphones und Medien ergeben, nutzen. Hier einige Beispiele:

Konfistunde als Videokonferenz: Videokonferenzen lassen sich auch ausgezeichnet für die Arbeit mit Konfirmanden nutzen: Die Gruppen können sich im Internet treffen, sich austauschen und die digitale Arbeit kann auch mit Hilfe von Apps (s.u.) besprochen werden.

 

Apps in der Konfiarbeit

 

Es gibt viele Möglichkeiten, die Konfiarbeit mit Smartphones zeitgemäß zu gestalten und den Jugendlichen in ihrer Welt entgegenzukommen. Zwei Apps sollen in diesem Artikel vorgestellt werden, die auch bei räumlicher Distanz gut genutzt werden können:

KonApp: Mit der „KonApp“ haben die EKD und die Deutsche Bibelgesellschaft zusammen mit Praktikern aus der Konfiarbeit eine App entwickelt: Gruppenleiter können über die Webseite einen Account erstellen und dann eigene Konfigruppen. Konfis können die App gratis laden und erhalten neben der Lutherbibel andere wichtige Texte, z. B. gruppenspezifische Lerntexte. Auch Tagebucheinträge sind möglich und in Zukunft kommen die Basisbibel, Videos und Pushmitteilungen hinzu. Es werden immer wieder Einführungen in die KonApp als Webinare angeboten. Mehr dazu auf der Webseite der App.

FindingJ: FindingJ ist eine Gratis-App für eine Smartphone-Reise mit Entdeckercharakter: Was wie ein normaler Sommerurlaub beginnt, wandelt sich durch einen Zeitsprung in eine Entdeckungsreise in Israel um das Jahr 30. Den „Reisenden“ begegnen Menschen, die den Wanderprediger Jesus erlebt haben, zuerst in Galiläa, später in Jerusalem. Die Menschen erzählen ihre Erlebnisse mit Jesus, was die Reisenden zum Nachdenken über das Leben in seiner Zeit bringt. Auf der Reise gibt es Fragen zu beantworten und es können „Reisefotos“ gemacht werden. Immer wieder kann der weitere Weg selbst entschieden werden, sodass es für die Reisenden auch in einer Gruppe zu unterschiedlichsten Begegnungen kommt. Nicht nur für Konfigruppen eignet sich diese Gratis-App. Auf der entsprechenden Webseite können sich die Reise­leiter*innen (z. B: Jugendleiter*innen, Lehrer*innen oder Pfar­rer*­innen) anmelden, einloggen und einen Code sichern, der von den Reisenden in der App eingegeben wird und über den die Reiseleiter*innen die Antworten und Fotos der reisenden Jugendlichen geschickt bekommen, die man dann in der Gruppe (auch in einer Videokonferenz) besprechen kann. Dauer der Reise: ca. 60 Minuten.

 

Mit digitaler Kirche unter die Leute

 

Die Digitalisierung bietet viele Möglichkeiten, die das Gemeinde­leben erleichtern und bereichern können. Natürlich sind auch sie alle mit etwas Einarbeitung und (zeitlichem) Aufwand verbunden. Sie bieten aber die Chance, die Menschen, ob Jugendliche oder Ältere, in ihrer Lebenswelt zu erreichen. So wie Jesus und Paulus nicht in den Häusern und Synagogen blieben, sondern auf die Plätze und in die Öffentlichkeit gegangen sind, so können und sollten Kirchen und Gemeinden dies heute mit digitalen Möglichkeiten und in der digitalen Öffentlichkeit tun. Gerade in diesen Wochen der Pandemie ist deutlich geworden, wie viel der kirchlichen Arbeit auch digital möglich ist. Es ist zu hoffen, dass dies auch nach Aufhebung von Distanzregelungen erhalten bleibt.


Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift 3E erschienen, die wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört.

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