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Ostern: Wenn das Leben triumphiert

Mit Weihnachten tun sich viele Menschen leichter: Gott kommt uns Menschen nahe und wendet sich uns zu. Klar. Aber Ostern? Steht das Kreuz nicht für Tod und Abwendung?

Von Pastor Christof Lenzen

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Erst letztens sagte eine Lehrerin zu einer Schülerin aus unserer Gemeinde im Ethik-Unterricht: „Wer Lust auf Kreuzigung hat, wird eben Christ. Wer Lust auf Kopftuch hat, wird eben Moslem!“ Die deutliche Aussage dahinter: Je nachdem, welche seltsame Vorliebe für Unterdrückung und Grausamkeit du teilst – bitteschön: Religionen bieten sie dir! Ich kann die Lehrerin verstehen. Und auch wieder nicht. Ich kann nachvollziehen, dass das Kreuz sperrig ist, schwer zu begreifen. Dass Ostern leicht als Akt der Grausamkeit zu deuten ist, gerade wenn man glaubt, dass hier ein Gott aus Zorn und Grausamkeit seinen eigenen Sohn hingerichtet hat (Spoiler: Hat er nicht). Was soll daran befreiend sein? Oder gar ein Grund für ein frohes Osterlachen am Morgen der Auferstehung?

Für mich steht das Kreuz zentral für Versöhnung, Heilung und Freiheit. Aber wie kann man das Kreuz verstehen, sodass es nicht als überkommenes, archaisches Ritual durchgeht, in dem ein unschuldiger Mensch geopfert wird, damit der Zorn eines gerechten Gottes gestillt wird …?

Hinein in Dreck und Dunkelheit

Mir helfen dabei emotionale Bilder. Angenommen, eins unserer Kinder würde schwer krank und benötigte ein Organ von uns – was würden wir Eltern tun? Antwort: Egal, ob Organspende, Knochenmark, Transfusionen – meine Liebe würde alles geben, was geht, selbst wenn es mit einem Risiko für mich verbunden wäre! Oder: Wenn mein Kind zu ertrinken drohte – würde ich nicht ins Wasser springen, ohne Rücksicht auf mein eigenes Leben? Wenn mein Kind in schlechte Gesellschaft geriete, sich in dunklen Vierteln herumtriebe und drohte, vor die Hunde zu gehen – würden wir Eltern dann nicht in genau diese Viertel gehen? Uns den Konflikten, dem vermeintlichen Schicksal (in den Weg) stellen?

Ich beschreibe das so drastisch, um die unfassbare Liebe Gottes zu illustrieren, die genau das getan hat – auch wenn mir das nur zu vielleicht einem Prozent gelingt.

Alles losgelassen, alles gegeben, in Dreck und Dunkelheit gestiegen, den eigenen Tod in Kauf genommen, um die geliebten Kinder zu retten: Das hat Gott getan. Und das waghalsige Manöver ist nicht gut ausgegangen. Die Menschen haben den herunter-gekommenen Gott in seiner Freiheit von eigener Schuld, seiner überwältigenden Hingabe und Liebe nicht ertragen. Sie haben den Fremdkörper, der aus ihrer Sicht entfernt gehört, hingerichtet.

Kreis der Versöhnung

Das maximal Gute und Liebende hat maximale Ungerechtigkeit erlitten. Damit ist alles umfasst, was an Schuld, Versagen und Scham auf dieser Welt existiert hat, gerade jetzt existiert und in alle Zeit existieren wird. Doch schließlich wird sogar das größte Dunkel verschlungen: Der Tod findet sein Ende. Das Leben triumphiert. Licht erhellt das Dunkel.

Ostern schließt sich als Kreis des Heils, der Liebe und der Versöhnung. Ein Kreis, in den jeder Mensch eingeschlossen ist, ob er es weiß oder nicht. Das ist persönlich erfahrbar und wirksam. Die Frage ist: Folge ich der Einladung in diesen Kreis? Es ist ein großartiges Geschenk. Kein grausames Ritual, sondern die Hingabe der größten Liebe, der Liebe Gottes. An mich.

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epd-Video: Ostern erklärt

Diesen Artikel schrieb der Pastor, Autor und Seelsorger Christof Lenzen für das Magazin lebenslust. Das evangelistische Verteilmagazin erscheint regelmäßig im SCM Bundes-Verlag, zu dem auch Jesus.de gehört. 

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