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Sterbehilfe: Die Würde des Menschen wird antastbar

Der Schutz des Lebens darf nicht der Selbstbestimmung des Menschen untergeordnet werden, sagt der Gnadauer Präses Steffen Kern – zum Beispiel bei der Sterbehilfe. Das lasse sonst auch den Druck auf Schwerstkranke wachsen.

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Die Würde des Menschen wird angetastet. Die Bilder aus Butscha und Mariupol [Städte in der Ukraine] belegen das auf eine so beklemmende Art und Weise, wie dies im Europa des 21. Jahrhunderts kaum mehr möglich erschien. Die Namen der Schreckensorte reihen sich hinter Namen wie Srebrenica oder Babyn Jar ein, die für Massaker und Verbrechen gegen die Menschlichkeit stehen. Die Liste ließe sich beliebig verlängern.

Unantastbar

Nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges mit seinen beispiellosen Verbrechen und der strategischen Vernichtung von Menschen in Konzentrationslagern markiert Artikel 1 der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen“ vom 10.12.1948: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“

Die Würde des Menschen erscheint als innerster Kern, als Herzstück aller Rechte des Menschen. In der Menschenwürde gründen alle Menschenrechte. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, gerechte Teilhabe aller Einzelnen haben in der unveräußerlichen Würde jedes Menschen einen festen Bezugspunkt. In dieser Linie benennt Artikel 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland vom 23. Mai 1949 die Menschenwürde als eine Art Fundamentalnorm des Staates: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Unveräußerlich und unverletzbar

Die Würde des Menschen ist unveräußerlich und unverlierbar. Sie kann nicht verkauft, eingetauscht, von ihm gelöst oder verloren werden. Würde kommt dem Menschen schlicht als Mensch zu. Von Beginn seines Lebens an bis zu seinem Tod.

Würde haben also nicht nur bestimmte „Würdenträger“. Sie kann auch durch ein würdeloses Verhalten oder ein entwürdigendes Gebaren nicht verloren werden. Jeder Mensch hat Würde – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Herkunft.

Jedem Menschen ist Menschenwürde gegeben. Und zwar ganz.

Es gibt auch keinen Mindestgrad an Vernunft oder Verstand, rationalem oder emotionalem Vermögen, das seine Würde erst begründen oder bedingen würde. Würde ist keine Formulierung im Konjunktiv: „Würde er diese oder jene Bedingung erfüllen, hätte er Würde …“ – nein: Würde ist ganz und gar Indikativ. Gegenwart. Zusage.

Jedem Menschen ist Menschenwürde gegeben. Und zwar ganz. Sie ist nicht multiplizierbar und nicht reduzierbar – sie ist. Jeder Mensch hat Würde.

Das heißt aber auch: Die Freiheit des Menschen, seine Autonomie und Selbstbestimmung sind ihm nicht unabhängig oder losgelöst von dieser Würde zu eigen. Vielmehr gründen Freiheit und Selbstbestimmung in dem, was den Menschen im Wesen ausmacht und ihm immer zu eigen ist: in seiner Würde.

Gottes Ebenbild

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Das entspricht dem christlichen Selbstverständnis. Der Mensch hat sich sein Leben nicht selbst gegeben, sondern findet sich in einer Welt und in einem Sozialgefüge vor. Sein Leben ist Geschenk.

Der Mensch ist Geschöpf. Er ist mit allem anderen, was ist, geschaffen. Was ihn von allen anderen Lebewesen unterscheidet: Er ist Gottes Ebenbild. Der Schöpfer schafft den Menschen zu seinem Bild:

„Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.

Diese Gottesebenbildlichkeit verliert er nicht.

Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erde kriecht.“ (Genesis 1,26-28)

Diese Gottebenbildlichkeit verliert er nicht. Sie ist gänzlich unabhängig von der Leistungskraft, von der Schönheit oder von der rationalen Fähigkeit des einzelnen Menschen, ebenso hängt sie nicht an sozialem Status, Rang oder Ansehen. Würde in diesem Sinne ist mehr als die römische Tugend der dignitas, die stark auf die gesellschaftliche Stellung und darauf abzuleitende Ansprüche bezogen ist. Würde hat der Mensch an sich.

Würde und Sünde

Man mag fragen: Kann Würde nicht doch verloren werden, eben dann wenn sich ein Mensch würdelos verhält oder wenn ein Mensch entwürdigt wird? – Wie eingangs festgestellt: Die Würde des Menschen wird angetastet.

Dieses Phänomen bezeichnen wir klassisch als Sünde. Menschen handeln würdelos und entwürdigen andere. Die Würde aller Einzelnen ist nicht als eine Art göttlicher Funken zu verstehen, der doch unberührt erhalten bliebe.

Unsere Würde gründet in Gottes Wesen. ER spricht sie uns ständig neu zu.

Nein, Würde wird angetastet, in Frage gestellt, geraubt: Jedes Verbrechen, jede Art von Ausgrenzung oder Mobbing belegen dies – zwar graduell unterschiedlich und doch immer grundsätzlich. Täterinnen und Täter verletzen nicht nur die Würde ihrer Opfer, sondern auch ihre eigene.

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Schöpfungsglaube bedeutet aber: Würde wird jedem Einzelnen immer wieder neu zugesprochen. Der Schöpfer ist auch der Erhalter der Welt. Er lässt die Welt und die Menschen nicht los. Er hält sie am Leben.

Unsere Würde gründet in Gottes Wesen. Er spricht sie uns ständig neu zu. Und sie bleibt eine große Verheißung über diese Welt hinaus.

Darum hat ein ungeborenes Kind, ein Mensch mit schwersten körperlichen und geistigen Einschränkungen ebenso eine Würde wie eine schwerstpflegebedürftige Person. Sie sind und bleiben in jedem Moment ihrer Existenz Gottes Ebenbild. Mit dem Schöpfungsglauben ist freilich mehr verbunden: Freiheit, Segen, Verantwortung.

Freiheit und Verantwortung

Die Freiheit des Menschen im christlichen Sinn ist nicht absolut oder abstrakt verstanden, sondern bezogen auf seine Mitmenschen, seine Mitgeschöpfe und seinen Schöpfer. Sie sind immer schon mit ihm da. Der Mensch ist nie ohne die anderen.

Individualität und Sozialität sind in gleicher Weise ursprünglich, ebenso Leib und Geist des Menschen. Der Mensch ist nicht ohne die Erde und ohne die anderen Lebewesen. Er ist auf sie angewiesen.

Mehr noch: Er ist abhängig von anderen. Von seinen Eltern, von Mitmenschen, von den Generationen vor ihm und nach ihm, von der Erde und vielen anderen Lebewesen, schlechthin von dem Gott, der für ihn sorgt.

Seine Freiheit [die des menschen] ist immer auf die ihn umgebenden Lebewesen bezogen. Insofern ist seine Freiheit nie grenzenlos.

Der biblische Herrschaftsauftrag ist Ausdruck der Verantwortung des Menschen für seine Umwelt. Nie ging es um einen Freifahrschein zum Despotismus, zur Ausbeutung Welt für eigene Zwecke – nein, der Mensch bekommt viel mehr Teil am ordnenden Schöpfungshandeln: Er soll den Tieren und Pflanzen Namen geben. Er soll verwalten. Er soll Leben erhalten.

Seine Freiheit ist immer auf die ihn umgebenden Lebewesen bezogen. Insofern ist seine Freiheit nie grenzenlos. Sie darf nicht zur Willkür gegenüber der Erde, den Tieren und den Mitmenschen werden. Freiheit und Verantwortung finden ihr Maß in dieser Bezogenheit auf die Anderen. Beide haben aber auch einen Gottesbezug.

Die Grenzen der Selbstbestimmung

Freiheit und Verantwortung sind von Gott verliehen. In allem verdankt der Mensch sich seinem Schöpfer. Von dessen Segen bleibt er abhängig. Der Mensch kann über alles verfügen – in Freiheit und Verantwortung, auch über sich selbst.

Doch auch diese Selbstbestimmung wiederum hat eine Grenze: Sein Leben hat er sich nicht selbst gegeben. Das Wunder des Lebens bleibt auch, was seine Weitergabe betrifft, unverfügbar. Die Generativität des Menschen, die Generationenfolge und das Ende des Lebens sind vom Segen Gottes abhängig.

Auch wenn der Mensch viel gestalten kann, stößt er an den Grenzen seines Lebens auch an die Grenzen seiner Selbstbestimmung. In der Würde des Menschen liegt die Grenze seiner Bestimmung über andere und über sich selbst. Die Würde anderer Menschen darf ebenso wenig verletzt werden wie die eigene Würde. Das hat immense ethische Folgen.

Ethische Konsequenzen

Jeder Form der Ausgrenzung von einzelnen Menschen oder bestimmter Gruppen von Menschen ist grundsätzlich zu wehren. Das betrifft Ausgrenzungen und Minderbewertungen aufgrund von Herkunft, ethnischer Zugehörigkeit, Hautfarbe, Nationalität, Sprache, geschlechtlicher Orientierung, Religionszugehörigkeit, Krankheit, Behinderung, Einschränkung, Bedürftigkeit, Alter, Klasse, sozialem Status etc.

Freiheit und Selbstbestimmung eignen nicht nur einem Subjekt, das sich selbst zu behaupten und durchzusetzen in der Lage ist: Auch für Bedürftige, Verletzte und Schwache ist Selbstbestimmung in Geltung zu bringen und Teilhabe am Ganzen zu ermöglichen.

Assistierter Suizid: Fragwürdiges Urteil des Bundesverfassungsgerichtes

Besonders relevant ist die Würde des Menschen in bio- und medizinethischen Fragen. Wenn es um den ungeborenen und den sterbenden Menschen geht, ist in allen aufgeworfenen Fragen zu buchstabieren, wie die Würde der einzelnen Beteiligten, ihre Freiheit und Selbstbestimmung ins Verhältnis zu setzen sind.

Der Schutz des Lebens, das eine unbedingte Würde hat, darf dabei nicht einem abstrakten Begriff der Selbstbestimmung untergeordnet werden, sonst wird der Grund aller Freiheit und Autonomie selbst angetastet.

Diese Gefahr besteht jedoch, seit das Bundesverfassungsgericht am 26. Februar 2020 den Paragrafen 217 des Strafgesetzbuches für verfassungswidrig erklärt hat. Es gab den Klagenden Recht, die Artikel 2 des Grundgesetzes, das Grundrecht auf Persönlichkeitsentfaltung, beeinträchtigt sahen.

Die Würde des menschen reicht weiter als seine Autonomie.

Begründung: Dieses Persönlichkeitsrechts umfasse auch „ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben“. Um dieses Recht umzusetzen, sei auch die Hilfe Dritter in Anspruch zu nehmen, wenngleich niemand zur Suizidbeihilfe gezwungen werden dürfe.

Das bedeutet aber: Der Schutz des Lebens wird dem Schutz der Selbstbestimmung des Einzelnen untergeordnet. Lebensschutz tritt hinter die Autonomie zurück. Damit wird die nötige Balance beider verlassen, die bisher zurecht das Recht bestimmt hat.

Die Würde des Menschen reicht weiter als seine Autonomie. Ein abstrakter Autonomiebegriff droht nun die Tür zu öffnen für eine neue Rechtslage. Die Folge: Die Würde des Menschen wird antastbar.

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Gemeinsame Kritik der Kirchen

Das hat eine breite Debatte in Gesellschaft und Kirchen ausgelöst. Zunächst haben die EKD und die Deutsche Bischofskonferenz in einer bemerkenswerten gemeinsamen (!) Erklärung festgehalten: „Dieses Urteil stellt einen Einschnitt in unsere auf Bejahung und Förderung des Lebens ausgerichtete Kultur dar. Wir befürchten, dass die Zulassung organisierter Angebote der Selbsttötung alte oder kranke Menschen auf subtile Weise unter Druck setzen kann, von derartigen Angeboten Gebrauch zu machen.

Je selbstverständlicher und zugänglicher Optionen der Hilfe zur Selbsttötung nämlich werden, desto größer ist die Gefahr, dass sich Menschen in einer extrem belastenden Lebenssituation innerlich oder äußerlich unter Druck gesetzt sehen, von einer derartigen Option Gebrauch zu machen und ihrem Leben selbst ein Ende zu bereiten.“

Grenzüberschreitungen

Inzwischen gibt es eine breite Debatte. Es wurde darauf aufmerksam gemacht, dass die seelsorgerliche und pflegende Begleitung aller Menschen ein diakonischer Auftrag bleibt, auch von solchen, die ihrem Leben ein Ende setzen (lassen) wollen. Das ist ernst zu nehmen und zu gewichten.

Ebenso ist aus christlich-ethischer Sicht die Selbstbestimmung des einzelnen Menschen ein hohes Gut: Jeder kann und soll in Freiheit und Verantwortung vor Gott und den Menschen entscheiden und über sich selbst bestimmen können. Um den Raum der Selbstbestimmung aber zu erhalten, sind dessen Grenzen zu beachten.

Wenn sich Selbstbestimmung gegen das Leben selbst wendet, das sie ermöglicht, erreicht sie ihre Grenze.

Basis jeder Autonomie ist die schlichte Existenz. Wer nicht da ist, kann auch nicht über sich bestimmen. Die Bestimmung des Selbst über sich selbst hat ihre Grenze am Selbst selbst. Wir sind uns selbst gegeben. Das Leben ist uns geschenkt. Freiheit ist uns verliehen.

Wenn sich Selbstbestimmung gegen das Leben selbst wendet, das sie ermöglicht, erreicht sie ihre Grenze. Das Leben selbst bleibt unverfügbar. Wir haben als Ebenbilder Gottes eine unverlierbare Würde, die anzutasten uns verwehrt ist.

Der Druck auf Schwerstkranke wird wachsen

Bei den Beratungen im Deutschen Bundestag sollte bedacht werden: Die Selbstbestimmung droht zum Etikett subtiler Fremdbestimmungen und damit zur Illusion zu werden. Der Druck auf Schwerstkranke wird wachsen, vonseiten des Gesundheitssystems, der Pflegekassen, der Gesellschaft im Ganzen, gelegentlich wohl auch vonseiten der Angehörigen.

Der Einzelne wird hinterfragt: Warum bist du noch da? Assistierter Suizid droht zu einem Normalfall des Sterbens zu werden, zu einem Regelfall oder einem zumindest regelmäßig vorkommenden Ausnahmefall.

Ein würdevolles Sterben gehört zu einem Leben in Würde.

Eine solche Kultur kann aus christlicher Sicht nicht befördert werden. Vielmehr gilt es dafür einzutreten, dass Menschen palliativ bis zum Lebensende begleitet werden. Ärzte und Ärztinnen, Pflegepersonal und begleitende Seelsorgerinnen und Seelsorger dürfen nicht in eine aktive Rolle der Suizidassistenz gedrängt werden.

Sie können aber sehr wohl ein selbstbestimmtes Sterben begleiten, das dem Sterbenlassen Raum gibt. Ein würdevolles Sterben gehört zu einem Leben in Würde.

Steffen Kern ist Präses des Gnadauer Gemeinschaftsverbands.


Die Veröffentlichung dieses Artikels erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Gnadauer Gemeinschsftverbands.

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5 Kommentare

  1. Die Sterbehilfe ist die individuelle Selbstentscheidung eines jeden Menschen. So hat es unser höchstes Gericht entschieden.

    Ist es daher nicht vielmehr eine Grenzüberschreitung, in dieses individuelle Recht eines anderen (!) aufgrund des eigenen Glaubens eingreifen zu wollen, also den eigenen Glauben über ein elementares Grundrecht eines anderen stellen zu wollen?

    Wer Angst vor Missbrauch hat, sollte Vorschläge machen, wie dieser Missbrauch verhindert werden kann, aber nicht Grundrechte anderer abschaffen wollen, nur weil sie dem eigenen Glauben nicht entsprechen.

  2. Steffen Kern lebt mit seinem Verstand noch im Mittelalter. Die Würde des Menschen ist unantastbar steht im Grundgesetz und doch alleine der Staat verstößt Tag täglich dausendemal gegen die Grundrechte des Bürgers. Wenn der Mensch die Würde und Rechte hat dann kann er auch über sein Leben bestimmen, und nicht was die so unmoralische Kirche vorgibt und die Frechheit besitzt dem Menschen zu sagen was richtig oder falsch ist. Des weiteren zitiert er Passagen aus der Bibel bzw. aus anderen christlichen Quellen die er bis heute noch nicht verstanden hat, da er wie 99% und seiner Brüder die absolut unbewusst sind die Jesus bis heute immer noch nicht verstanden haben, was er eigentlich mit seinen Aussagen gemeint hat. Aber da leider der andere Teil der Menschheit also auch 99% in Unbewusstheit leben und noch nicht Erwacht sind, glauben Sie dem Schwachsinn der von der Kanzlei wiedergeben wird. Wie sagte doch so schön Jesus mit der Klaren und einfachen Botschaft… Wie können Blinde Blinde führen. Ich trage nichts zum Gespräch bei, von mir könnt Ihr die Wahrheit hören. Amen

    • Das sind Argumente nach der Rasenmäher-Methode

      Lieber Hermann Hinz Der Erwachte: Ich gehe einmal davon aus, die Anrede sei eine Art von Humor und Ihr Text sei probeweise nur eine Provokation: Ich antworte dann auf diese Provokation mit einer Gegenprovokation in den nachfolgenden und nicht sparsamen Sätzen:

      Der Staat verstößt nicht unzählige Male gegen die Grundrechte der Bürgerinnen und Bürger. Wenn er das tut oder täte, könnten Rechtsmittel eingelegt werden. Außerdem müsste dann der Notstand ausgerufen werden und man sollte alle Bundes- und alle Landesregierungen zum Rücktritt auffordern. Wir haben mit unserem Staat nicht den idealsten Staat, den es nicht gibt, aber den mit Freiheit und Demokratie. Es ist sogar erlaubt, sinnentleertes als Meinung zu vertreten, so lange ich nicht andere Menschen beleidige. Was ist hier mit unmoralischer Kirche gemeint ? Sexueller Missbrauch und Gewalt sind leider ein ganz schlimmes und verabscheuungswürdiges gesellschaftliches Problem, und dass hier nicht unerheblich die Christ*innen in den Kirchen betroffen sind, ist eine Katastrophe. Aber es gibt nie irgendwo auf der Welt einen Generalverdacht gegen die Mehrheit. Früher als die Schutzmänner noch an den Kreuzungen standen, beschrieb man das Vorurteil mit einem Sinnspruch: „Nicht alle Polizisten haben Plattfüße“! Christen sind Sünder (leider!!!) wie alle anderen Menschen auch. Die Kirchen sagen den Menschen auch nicht einfach was richtig und falsch ist, dazu sind die Welt, die gesellschaftlichen Fragen und Probleme sowie das Leben jedes einzelnen Menschen viel zu kompliziert. Allerdings sind erwachsene Menschen für alles was sie tun oder unterlassen (auch vor Gott und ihrem Gewissen) verantwortlich. Im übrigen ist die Bibel keine Gebrauchsanweisung für alles im Leben vorkommende, sondern sie schildert u. a. die Glaubenserfahrung der Menschen mit ihrem Gott und verkündet die allerbeste Botschaft im Universum, dass Gott (zumeist im Gegensatz zu uns Menschen) völlige Liebe ist. In der Regel zitieren wir Christinnen und Christen nicht Passagen in der Bibel, die wir nicht verstanden haben. Entweder sind wir aber unterschiedlicher Auffassung über die Inhalt der Bibeltexte, was nicht ehrenrührig ist, oder haben nicht berücksichtigt dass biblische Texte ausgelegt werden müssen. Es wird von keiner Kanzlei Schwachsinn verkündigt, sondern von Kanzeln gepredigt. Diese Reden sind nicht immer die besten, aber Mängel an Qualität und Inhalt sind zutiefst menschlich. Pfarrer*innen bzw. Christen*innen bzw. Priester sind keine Übermenschen und können sich irren. Natürlich können Blinde nicht Blinde führen, aber es wäre hochmütig (deutsch: arrogant und überheblich) von mir zu glauben, ich wäre in jeder Situation der Sehende. Aber unser Hermann Hinz der (angeblich) Erwachte sagt die Wahrheit, die ihm der Himmel zugeworfen hat. Welche Wahrheit ? Der gesamte Text argumentiert nach der guten urzeitlichen Rasenmähermethode: Es ist also alles falsch was Kirche, Staat und alle Menschen machen – aber Inhalt wird damit nicht transportiert. Ich wollte niemand beleidigen und sage auch nur meine Meinung. Allerdings meine ich, ein wenig gehöre auch zu der Menschenwürde von jedem und jeder, dass man ihn oder sie nicht als grundsätzlich unbelichtet hinstellt. Übrigens erlaubt der Himmel auch, dass man nur glaubt, ein Pfund Knochen ergäbe eine gute Suppe. Mancher gibt sich diesbezüglich bescheiden.

  3. Bei diesem Thema mache ich mir mehr Gedanken um Menschen, die sich dem assistierten Töten beruflich widmen. Auf Dauer kann dieser Beruf das eigene Verhältnis zum Sterben und Töten nachhaltig beeinflussen, belasten und die Hemmschwelle sinken helfen.
    Ich mag nicht einmal weiter darüber nachdenken, wie sich dadurch kulturell, ethisch und moralisch der Mensch verändert. Schon jetzt werden unter dem Deckmantel der Nächstemliebe und Liebe zur Welt gesellschaftliche Weichen für eine ganz neue Sicht auf unser Zusammenleben gelegt. Die Theologie ist da in der Anpassung sehr flexibel, vor allem die evangelische.
    Ich sehe es daher ähnlich wie der Autor,
    “ Die Selbstbestimmung droht zum Etikett subtiler Fremdbestimmungen und damit zur Illusion zu werden. “
    Ich will nicht in einer Welt leben, die den Glauben ersetzen möchte. Die Vergangenheit ist noch längst nicht vergangen, der Kern des Bösen, den die Nationalsozialisten in die Welt gesetzt haben, ideologisch und wissenschaftlich, ist nicht verdorrt, das Leid vernichtet die Erde, weil der Schmerz so unerträglich ist, dass ihn selbst die Ignoranz nicht vergessen machen kann.

    Assistierter Suizid trägt makabre Züge , die an Gaskammern erinern und Tausende von Menschen, Mütter mit Kindern , alte und Kranke , die sich „freiwillig “ diesem Schicksal stellen mussten,

    Diese Regierung ist arrogant, anmassend und …, zu glauben, über Leben und Tod von Menschen per Gesetz entscheiden zu dürfen ! Gesetze haben Schutzfunktion, und diese sollen sie behalten. Ein aktives Eingreifen überschreitet diese Grenze.
    Es heißt ja, alles ist möglich. das bedeutet aber nicht, das alles Mögliche auch gut , sinnvoll, verhandelbar ist.
    Amen.

  4. Ergänzung :
    ( … )selbst Liebe oder Hass können das Leid und den Schmerz nicht vergessen machen.

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