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Theologe Herbst: So gewinnen Gemeinden wieder an Momentum

Viele Gemeinden wirken erschöpft und ausgelaugt, stellt Theologe Michael Herbst fest. Die „eine“ Patentlösung hat er zwar nicht, gibt aber fünf Impulse, wie sie wieder an Fahrt gewinnen können.

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Von Daniel Wildraut

Zu Beginn des „Willow Creek“-Leitungskongresses in Leipzig rät der praktische Theologe Professor Michael Herbst zu einem selbstkritischen Blick auf den Zustand der Kirchen. Die Gemeinden wirkten „merkwürdig erschöpft und ausgelaugt“, so Herbst. Die Millionenfrage laute, wie sie wieder an „Momentum“ gewinnen können. Die „neue Normalität“ stelle sich wie folgt dar:

  1. Es sei inzwischen normal, nicht mehr zu einer christlichen Kirche zu gehören.
  2. Früher wäre es in unserer Gesellschaft fast unmöglich gewesen, nicht an Gott zu glauben. Heute sei dies nur noch eine Option unter vielen. Konfessionslose in unserem Land lebten zufrieden, ohne jeden Kontakt zu christlichen Gemeinden.
  3. „Viele trauen uns nicht mehr über den Weg.“ Was sogenannte Männer Gottes – tatsächlich jedoch Wölfe unter Schafen – Kindern angetan hätten, sei eine Gotteslästerung. Diese Verbrechen würden uns als Christenheit insgesamt angelastet.
  4. Manche nähmen inzwischen eine geradezu feindliche Haltung gegenüber dem Christentum ein. Früher hätte man von einer Grundsympathie gegenüber dem Glauben ausgehen können. Diese Zeiten sind laut Herbst vorbei. Der Glaube erscheine vielen als etwas, was unsere Freiheit beschneide und was wir als Gesellschaft hinter uns hätten.
  5. Die Situation ähnele ein wenig den Anfängen der christlichen Kirche. Die ersten Christinnen und Christen lebten als kleine Minderheit unter nicht glaubenden Menschen – dies jedoch kraftvoll.
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„Wir werden weniger und unwichtiger“, konstatiert Herbst. Und das knabbere auch an uns selbst, den Mitgliedern, Theologen und Kirchenführern. Dies zeige sich in seinem landeskirchlichen Umfeld in einer „tiefen Verzagtheit, absichtsvoll“ von Jesus zu sprechen“. Missionieren? Nein, das wolle man auf gar keinen Fall. „Warum eigentlich nicht“, fragt Herbst. „Ist es ein Schaden, wenn ein Mensch erfährt, welches Opfer Christus für ihn brachte?“ Die Freiheit und der Mut, das so klar zu sagen, sei uns abhandengekommen, kritisiert der Theologe.

Mit leuchtenden Augen von Jesus reden

Woran ließe sich denn eigentlich erkennen, dass Gemeinden wieder „Momentum“ haben, fragt Herbst und liefert ein paar einfache Beispiele: „Wir kämen mit Vorfreude zu unseren Gottesdiensten. Die wären voll mit Gottvertrauen und Menschenliebe. Wir beteten, wären ‚connected‘. Wir brächten unsere Gaben ein und redeten mit leuchtenden Augen von Jesus. Menschen fühlten sich willkommen und merkten: Es hat mit ihrem Leben zu tun. Auch Kinder kämen gerne. Gemeinden hätten einen guten Ruf als Ort, „wo man sich kümmert“.

Und allmählich kämen dann Menschen hinzu, glaubt Herbst.“Was können wir dafür tun? Ich weiß es nicht genau“, räumt Herbst ein. Aber er habe fünf Anregungen. Keine „Aufbau-Anleitungen“, sondern „Haltungen“:

  1. „Wir sagen ‚ja‘ zu unserer Lage. Ja, wir werden zu einer Minderheit und reden uns das nicht mehr schön. Wir sind ratloser, als uns das lieb ist. Wir träumen nicht von der guten alten Zeit, in der tatsächlich auch nicht alles gut war.“
  2. „Wir suchen Gott im Gebet.“ Jetzt sei nicht die Zeit der vollmundigen Programme. „Wir sind die geistlich Armen, nicht die Retter unserer Gemeinden. Es ist unsere Rettung, die Hoffnung auf unsere eigenen Möglichkeiten aufzugeben. Wenn wir demütig vor Gott treten, dann öffnet sich die Tür des Gebets.“ Gebet müsse die Mitte des Leitungshandelns darstellen, ohne dass dabei ein magisches Verständnis von der Macht des Gebets zu entwickeln.
  3. „Wir suchen Versöhnung und lernen lieben. Die Zerstrittenheit derer, die an Jesus glauben, ist ein Skandal“, betont Herbst. „Wenn wir eins sind, dann sieht es die Welt und glaubt.“ Uneinigkeit und Streit kosteten Glaubwürdigkeit. Es gehe nicht um „Ponyhofstimmung“, sondern darum, die Kräfte zu bündeln. „Unterschiede werden bleiben. Aber muss uns trennen, was uns unterscheidet?“ Es gehe um den Respekt vor der Einsicht anderer in die Heilige Schrift.
  4. Das Entscheidende sei das Evangelium. Was würde Menschen ohne Kirche und Christentum fehlen? Die Nächstenliebe? Die moralische Instanz? „Nein, das Evangelium.“ Jesus habe es nicht nur erzählt, er habe es gelebt. „Es gibt einen Platz für uns beim himmlischen Festmahl. Am Ende steht nicht der Untergang, sondern die Wiederkunft des Herrn. Erneuerung kommt nicht aus unserem Bemühen, sondern aus dem Evangelium.“
  5. Aufbruch, nicht Rückzug. „Momentum gewinnen wir, wenn wir uns nicht verschanzen. Wir wenden uns nach außen, denn das Evangelium haben wir nicht für uns alleine.“ Die Menschen sollten sehen, dass sich Christinnen und Christen kümmern und mithelfen. „Wenn sie sehen, dass wir an ihrem Leben interessiert sind, dann werden sich Türen öffnen.“

„Jesus hat Erfahrung, wie Totes lebendig wird“

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Am Ende seines Impulses verrät Herbst, was ihm selbst Hoffnung macht: „Das sind die jungen Menschen, mit denen ich Theologie studieren durfte. Wir kriegen da eine tolle Generation von Predigern, anderen Profis und Ehrenamtlichen.“

Und Hoffnung mache ihm Ostern, der auferstandene Jesus. Gottes Sohn habe Erfahrung damit, wie Totes lebendig wird. „Wir sind nicht ‚töter‘ als Lazarus“, so Herbst, „nicht bockiger als Petrus, nicht machtbesessener als Johannes und Jakobus.“ Unsere Krise sei nichts im Vergleich zu Golgatha. Jesus sei die Hoffnung der Welt, die Zukunft der Gemeinde ruhe in seinen Händen.

Michael Herbst ist emeritierter Professor für praktische Theologie und Mitgründer des Instituts zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung (IEEG) in Greifswald.

Link: Die Homepage des Leitungskongresses

Worship beim Leitungskongress
Worship beim Leitungskongress (Foto: Daniel Wildraut)

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3 Kommentare

  1. So, so, die Kirchen und Gemeinden brauchen wieder „Momentum“. Was immer das sein mag. Was Professoren mit staatlicher Pension sich so ausdenken. Wenn ich ins Neue Testament schaue, dann bräuchten sie doch wohl eher den Heiligen Geist. Aber dafür wäre Gehorsam und Konsequenz nötig …

    • Michael Herbst würde dem vermutlich zustimmen, er ist nämlich alles andere als „geistlos“ und kennt sich hervorrragend im NT aus 😉 VG, das Jesus.de-Team

      • Liebes Jesus.de-Team, meine Kritik richtet sich primär nicht gegen Einzelpersonen, sondern gegen das kirchliche System, in das Einzelpersonen allerdings verwickelt sind. Und je besser man sich im NT auskennt, um so schlimmer ist es, es nicht konsquent zu befolgen.
        Wenn ihr aber keine neutestamentlich begründete Kirchenkritik auf eurer Website haben wollt, gebt mir Bescheid, dann höre ich auf damit. VG, Ulrich Wößner

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