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Streit um Familienpapier: Bischof July fordert zur Stärkung von Familien auf

Die Orientierungshilfe der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu Ehe und Familie bleibt weiter heftig umstritten. Der württembergische Bischof Frank Otfried July setzte sich am Samstag bei einer Konsultation in Bad Boll erneut für die Stärkung der Familie in Kirche und Gesellschaft ein.
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Frank Otfried July, Württembergischer Landesbischof (© EMH / Gottfried Stoppel)

Er bekräftigte seine Kritik an dem EKD-Papier und empfahl, Landessynode und Gemeinden sollten die Debatte um Ehe und Familie neu aufgreifen. Theologieprofessor Wilfried Härle warf den Verfassern einen «unevangelischen» Umgang mit der Bibel vor. Der Umgang mit der Bibel sei bei der Erstellung der Orientierungshilfe «zumindest sorglos» gewesen sei, erklärte July erneut. Das sei für die evangelische Kirche keine Petitesse, da sie überhaupt nur dann etwas zu sagen habe, wenn sie es biblisch fundiert sagen könne, so der Bischof der Evangelischen Landeskirche von Württemberg, die rund 2,3 Millionen Mitgliedern zählt.

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In der Orientierungshilfe mit dem Titel «Zwischen Autonomie und Angewiesenheit – Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken» wird eine Anerkennung aller Familienformen gefordert. Darunter fallen auch homosexuelle Lebensgemeinschaften oder Patchworkfamilien. Katholiken, aber auch prominente Protestanten kritisieren, dadurch werde die traditionelle Ehe zwischen Mann und Frau entwertet.

Der Theologieprofessor Härle sagte bei der Tagung in der Evangelischen Akademie Bad Boll, das Papier setze an die Stelle der Heiligen Schrift verschiedene Textauslegungen von Theologen und Kirchen «Wenn unsere Auslegungen an die Stelle des biblischen Textes treten, verlieren wir die Orientierung», mahnte der evangelische Theologe, der von 1998 bis 2010 Vorsitzender der EKD-Kammer für Öffentliche Verantwortung war.

Die Theologieprofessorin Isolde Karle unterstützte die Orientierungshilfe in der Forderung nach einer Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare. Auch bei solchen Paaren seien Verantwortung und Verlässlichkeit zu finden, an der der Kirche so viel liege. Ein komplementäres Geschlechterverhältnis lasse sich nicht biblisch begründen. Problematisch seien dagegen polygame und polyamore Partnerschaften; verurteilen müsse man inzestuöse und pädophile Beziehungen.

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Theologieprofessor Klaus Tanner forderte eine Einordnung der Frage nach den Rechten gleichgeschlechtlicher Paare. So habe es seit 2001 in Deutschland nur 27.000 eingetragene Lebenspartnerschaften gegeben, gleichzeitig aber 3,8 Millionen Eheschließungen. Die Ehe dürfe aus evangelischer Sicht zwar nicht idealisiert werden, doch sei ihre Verankerung etwa im Bürgerlichen Gesetzbuch eine Folge des christlichen Ehegedankens.

Verständnis für Kritik an der Orientierungshilfe äußerte der frühere Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Johannes Friedrich. «Wir haben Fehler gemacht», sagte Friedrich. In der Öffentlichkeit sei missverstanden worden, dass es sich bei der Orientierungshilfe um ein Papier zu sozialpolitischen Fragen und nicht zu einer theologischen Neubestimmung von Ehe und Familie handele. Friedrich war bis Mitte November selbst Mitglied im Rat der EKD, der das Papier herausgegeben hat.

Die zweitägige Konsultation in Bad Boll, die am Samstag zu Ende ging, wurde vom württembergischen Landesbischof July einberufen. Er war als erster Leitender Geistlicher in der EKD auf Distanz zu der Orientierungshilfe gegangen.

Quelleepd

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