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„Wie gehe ich mit meinen Ängsten um?“

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Out of the Box – Weil wir wunderbar gemacht sind

Die zweiwöchentliche Kolumne von Tom Laengner


Seine erste Panikattacke hatte er in der Bochumer Bahnhofshalle. Seitdem versucht Tom Laengner, sich keine Sorgen mehr zu machen.

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Kennst du dich aus mit künstlerischen Problemen? Nein?! Na ja, das ist, wenn du nicht weißt, ob du Kadmiumgelb, Lichtgelb oder Zitronengelb verwenden sollst, wenn du die Geschichte der Gegenwart in vier Striche hineinlegen willst. Meine Gedanken schweiften nach Neapelgelb und Uringelb endgültig ab. Aus Goma im Kongo hatte ich eben Fotos bekommen. Leider zeigten sie keine Berggorillas, sondern von Milizionären grauenvoll zugerichtete Menschen.

Auch wenn es sich hier um keine aussterbende Tierart handelt, haben diese Kinder, Frauen und Männer doch Aufmerksamkeit verdient. In europäischen Medien bekämen sie möglicherweise als Primaten mehr davon. Sicher ist diese Art medialer Fokussierung auch der Pandemie geschuldet. Mein Freund Harry aus Hamburg beispielsweise liegt mit 40 Fieber im Bett. Corona hat er trotz Doppelimpfung und er hofft, jeweils den nächsten grauen Morgen zu sehen. Furchtbarkeiten möchte ich nicht aufwiegen.

Möglicherweise sind es solche Nachrichten, die kreative Gedanken verdampfen lassen. Und das ist vielleicht auch gut so. Dabei haben wir doch geniale Mediziner! Wenn die Menschen, die die Wunder Jesu mit eigenen Augen gesehen haben, wüssten, was Medizin heute kann, hielten sie unsere Ärzte für Götter. Und auch die rasante Entwicklung von Impfstoffen ist doch eine bemerkenswerte Leistung. Trotzdem spüren viele Menschen heute einen Kloß im Hals, der nicht weichen will.

Meine erste Panikattacke

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Von Ängsten kann ich meinen eigenen Blues singen. Ich erinnere mich an die zugige Eingangshalle des Bochumer Hauptbahnhofes. Da traf mich meine erste Panikattacke, ohne einen Termin gebucht zu haben. Hektisch hatte ich mir noch eine Brezel und eine Cola reingewürgt, was aber nichts brachte. In diesem Moment bestand die Welt nur noch aus mir und meiner Angst. Meine ganze Kraft ging in der Entscheidung auf, mich in ein Taxi zu setzen. Dass es eine Angstgeschichte war, die meinen Blutdruck zum Freefalltower nach oben gemacht hatte, gestand ich mir erst im Krankenhaus ein.

Danach fand ich eine Therapeutin. Die fand es gut, dass ich in der Bahnhofshalle immerhin handlungsfähig geblieben war. Ein wirksames Quantum Trost! Mir war bergseeklar: „Angst essen Seele auf“. Ob es darüber Statistiken gibt oder Studien? Wegen der Messbarkeit einer Seele halte ich das für unwahrscheinlich. Aber ich denke, dass wir Bescheid wissen, seit Rainer Werner Fassbinder im Jahre 1974 diesen Film veröffentlicht hatte. Ängste verderben unser Leben mal langsamer und mal schneller. Aber sie lassen nicht mit sich diskutieren und verschwinden nicht einfach bei einem Regierungswechsel.

Und nun?  Wie gehe ich mit meinen Ängsten um? In der Bergpredigt stieß ich in den ersten Tagen der endlos scheinenden Pandemie auf ein Wort von Jesus. Er sagte: „Macht euch keine Sorgen!“ Wie konnte er damals sowas sagen? Es klingt wie ein Instagram-Posting. Gut gemeint und völlig belanglos. Damals konnten die Menschen nicht ahnen, dass der Mann aus Nazareth einmal der Kirchenjesus werden würde, der sozusagen kraft Amtes sagen konnte, was er wollte, ohne dass ich richtig Gas gebe.

Mehr als religiöse Sprüche

Aber irgendwie hatte ich das Gefühl, mit mehr als nur religiösen Sprüchen konfrontiert zu sein. Sprach Jesus nicht mit Menschen, die keine Gesundheitsversorgung, keine höhere Schulbildung und kein Internet hatten? Was sie jedoch kannten, waren hohe Kindersterblichkeit, Korruption, Sklaverei und Gewaltherrschaft.

In diesem Moment verflogen meine Zweifel daran, dass Jesus es wirklich ernst meinte mit dem Appell, sich keine Sorgen zu machen. Also akzeptierte ich seinen Aufruf für mein Leben. Ich wollte unbedingt lernen, diese Idee anzuwenden. Und ob du es glaubst oder nicht; von diesem Moment an nahm meine Panik ab.

Doch Jesus war noch nicht fertig. Er fährt fort: „Aber suche zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit. Mach dir deshalb keine Sorgen um morgen. Jeder Tag hat genug eigene Probleme.“ In meiner gegenwärtigen Situation bedeutet das, andere Menschen zu inspirieren und zu ermutigen und ihnen das Gefühl zu geben, dass das Leben lebenswert ist. Dafür möchte ich bekannt werden. Pandemie hin und Pandemie her.

Aber jetzt nehme ich Brillantgelb und überfrachte mein Bild nicht mit langwierigen Geschichten aus vier Strichen.

Alle Kolumnen von Tom Laengner findet ihr hier.


Tom Laengner ist ein Kind des Ruhrgebiets. Nach 20 Jahren im Schuldienst arbeitet er journalistisch freiberuflich und bereist gerne unterschiedliche afrikanische Länder. Darüber hinaus arbeitet er als Sprecher für Lebensfragen und Globales Lernen. In seiner Kolumne „Out of the Box – Weil wir wunderbar gemacht sind“ schreibt er regelmäßig über Lebensfragen, die ihn bewegen.

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