Pakistan: Christen warten nach Todesurteil weiter auf Berufung 

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Fenster im Gefängnis
Foto: BrilliantEye / iStock / Getty Images Plus

Ein wegen Blasphemie zum Tode verurteiltes christliches Ehepaar in Pakistan muss weiter auf seine Berufungsverhandlung warten.

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Zum wiederholten Male kam es am Mittwoch bei einem angesetzten Termin nicht zur Prozesseröffnung, wie der Anwalt Saif ul Malook dem Evangelischen Pressedienst (epd) telefonisch aus Lahore mitteilte. Shagufta Kausar und Shafqat Emmanuel sitzen seit April 2014 in der Todeszelle, weil sie Textnachrichten mit blasphemischem Inhalt versandt haben sollen.

Shagufta Kausar habe ihr Handy jedoch zuvor verloren, betonte Anwalt Malook. Zudem waren die belastenden SMS-Nachrichten nach Medienberichten auf Englisch geschrieben, aber die beiden Angeklagten seien weitgehend Analphabeten. Malook zeigte sich zuletzt auch sehr besorgt über den Gesundheitszustand von Shafqat Emmanuel. Der schwerbehinderte Mann sei völlig geschwächt und abgemagert und bekomme nicht die erforderliche medizinische Versorgung.

„Pakistanischen Blasphemie-Gesetze nicht mit Menschenrechten vereinbar“

Als Grund für das wiederholte Aufschieben der Berufungsverhandlung vermutet der Anwalt, dass die Richter nicht wagten, eine gerechte Entscheidung zugunsten der beiden Christen zu fällen. Malook hatte auch die Christin Asia Bibi verteidigt, die ebenfalls in Pakistan wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt worden war. Der Landarbeiterin war vorgeworfen worden, 2009 in einem Streit um ein Glas Wasser mit muslimischen Frauen den Propheten Mohammed beleidigt zu haben. Der Freispruch Bibis im Oktober 2018 führte zu tagelangen Protesten radikal-islamischer Gruppen, Bibi selbst wurde von muslimischen Extremisten bedroht.

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Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte am Mittwoch die sofortige und bedingungslose Freilassung von Shagufta Kausar und Shafqat Emmanuel. Die beiden warteten seit Jahren in Haft auf den Beginn der Berufungsverhandlung, erklärte Amnesty: „Dabei sollten sie von Anfang an überhaupt nicht im Gefängnis sein“. Die pakistanischen Blasphemie-Gesetze seien nicht mit den Menschenrechten vereinbar. Die Gesetze seien wiederholt zum Angriff auf religiöse Minderheiten oder für persönliche Rachefeldzüge eingesetzt worden.

4 DIREKT-KOMMENTARE

  1. 1/3 der Exporte Pakistans gehen in die EU. Vielleicht sollte man mal anfangen, Wirtschaft und Menschenrechte/Moral etwas mehr zu verknüpfen.

    • Eine auf den ersten Blick einleuchtende Idee

      Eine auf den ersten Blick sehr einleuchtende Idee, den wirtschaftlicher Handel – und dann auch überhaupt diplomatische Beziehungen – von der Einhaltung der Menschenrechte abhängig zu machen, gefällt mir spontan sehr. Aber wenn ich nur einige Minuten darüber länger nachdenke, erscheint mir dies so gut wie unmöglich. Vielleicht ist meine Einschätzung falsch: Dass nämlich in mindestens einem Drittel aller Staaten Willkür herrscht, die Menschenrechte mit Füßen getreten werden, oft auch Korruption herrscht und die Herrscher nach Gutsherrenart und nach dem Handbuch der Tyrannen regieren. Die zweite Kategorie nicht ganz so moralisch und ethisch defizitärer Staaten sind leider jene, zu denen auch Putins Gemeinwesen gehört. Wenn demokratische Sitten nicht anerkannt werden, die staatliche Gewaltenteilung höchstens auf dem Papier steht und der Geheimdienst die Berechtigung besitzt, störende Oppositionelle zu töten und die Justiz Unbotmässige in Straflager schickt, dann stehen die Menschenrechte im wesentlichen nur auf dem Papier. Dass auch ein Herr Erdogan beispielsweise Oppositionsführer verhaften lässt hier einordnen. Wenn Polen in die Justiz hineinregieren möchte, lässt sich in das letzte Drittel einordnen. Da gehen die Leute noch auf die Straße und ein freies Denken lässt sich nicht völlig aus der öffentlichen Kommunikation verbannen. Auch hinter jedem amerikanischen Präsidenten werden die Abschusskodes mit den Atom-raketen als Overtüre zum Weltuntergang selbst in deren privateste Gemächer nachgetragen: Die großen Staaten können sich gegenseitig völlig vernichten, auch bei einem Computerfehler und Missverständnis, und dies als ethisch-moralisch hochstehend zu betrachten, halte ich für abwegig. Nun ist mir auch klar, dass niemand den Zauberstab schwingen kann und die Welt ist wieder in Ordnung. Sie war es jenseits von Eden noch nie. Deshalb gibt es immer noch das Prinzip (wenigstens versuchsweise) eines Wandels durch Annäherung. Solange man Handel miteinander treibt, es wechselseitigen Tourismus gibt, existieren gemeinsame Notwendigkeiten und Abhängigkeiten. Auch wenn die Diplomatie oft ein Eiertanz ist und selten etwas greifbares dabei herauskommt, so ist doch das Prinzip von miteinander reden, reden, reden, reden und reden immer sinnvoll. Über gemeinsame Interessen kann durchaus ein drohender kalter Krieg abgewendet werden. Strafmaßnahmen gegeneinander sind völlig wirkungslos und oft werden damit nur Bevölkerungsgruppen in Staaten bestraft, die ihre Regierungen nicht ändern oder abwählen können. Die stärkste Macht im Universum ist das Gebet und dieses muss flankierend durch Gespräche ergänzt werden. Dass Politiker bei Bedarf mit Mühlrädern kämpfen und Unrechtsregierenden immer wieder ins Gewissen reden ist notwendig. Wir ändern die Welt nicht zum besseren, wenn wir in die Mehrzahl aller Länder nicht mehr verreisen und staatlich nur mit den völlig anständigen Staaten verkehren. Auch die Anständigen haben ihre Leichen im Keller. Die Dimension der Schuld gegenüber Gott ist global. Letzteres kommt mir sehr bekannt vor.

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