Die Terroranschläge von Paris mit mindestens 129 Toten sind in den Kirchen mit Trauer und Bestürzung aufgenommen worden. Papst Franziskus betete am Sonntag in Rom gemeinsam mit Zehntausenden Gläubigen für die Opfer der Anschläge. Gleichzeitig warnen Vertreter der Kirchen vor Fremdenfeindlichkeit und rufen dazu auf, Gewalt nicht mit Gewalt zu bekämpfen.
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Die Terroranschläge von Paris dürfen nach Ansicht der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) nicht für einen Kurswechsel in der Flüchtlingspolitik instrumentalisiert werden. „Paris ändert nicht alles“, sagte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm am Montag im NDR Info-Radio. Die Flüchtlinge aus Syrien oder dem Irak seien genau vor diesen Schrecken geflohen. Deswegen könne die Konsequenz aus den Anschlägen nicht sein, ihnen gegenüber härter zu begegnen.

Die Kirchen werben laut Bedford-Strohm mit Nachdruck dafür, dass der Mensch in der Diskussion im Mittelpunkt stehe. Empathie müsse der Grundton aller Debatten sein. Das sei mit dem christlichen Glauben untrennbar verknüpft.

Gewalt lässt sich nicht durch Gewalt überwinden

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Papst Franziskus sagte beim Angelusgebet auf dem Petersplatz in Rom: „Wir sind bestürzt über so viel Barbarei und fragen uns, wie im Herz eines Menschen so schreckliche Ereignisse geplant werden können.“ Der Weg des Hasses und der Gewalt löse nicht die Probleme der Menschheit, mahnte der Papst. „Den Namen Gottes zu benutzen, um diesen Weg zu rechtfertigen, ist Gotteslästerung“, fügte er vom vorbereiteten Redetext abweichend hinzu.

Kardinal Reinhard Marx hat nach den Terroranschlägen von Paris vor einer Gewaltspirale gewarnt. „Gewalt wird nicht durch Gewalt überwunden“, mahnte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz laut Mitteilung des Erzbischöflichen Ordinariats vom Sonntag. Das heiße zwar nicht, „dass man sich nicht verteidigen darf, aber auch die Gewalt der Verteidigung wird nie die Erlösung sein“, betonte der Erzbischof von München und Freising.

Rettung gebe es nur durch die Kraft der Liebe. Marx erinnerte an die polnischen Bischöfe, die vor 50 Jahren zum Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils in einem Schreiben an die deutschen Bischöfe den ersten Schritt zur Aussöhnung nach den Gräueln des Zweiten Weltkriegs gemacht hätten. „Die, die am meisten gelitten haben, haben die Hand zur Versöhnung gereicht“, betonte der Kardinal. Darin sei ein „Auftrag für heute“ zu sehen.

Kirchenpräsident Jung warnt vor Fremdenfeindlichkeit

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung hat angesichts der Terroranschläge in Paris vor zunehmender Fremdenfeindlichkeit in Deutschland gewarnt. Nach den Angriffen mutmaßlicher islamistischer Terroristen sei zu befürchten, „dass es in den nächsten Tagen eine Diskussion geben wird, ob mit den Flüchtlingen Terror und Gewalt nach Europa gekommen sind“, sagte Jung am Sonntag in seiner Predigt im Berliner Dom zum Volkstrauertag.

Die Menschen im Land seien jetzt gefordert, „sich den Blick nicht trüben zu lassen“, sagte Jung, der auch Vorsitzender der Kammer für Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist. Viele Menschen flüchteten derzeit vor Terror und Gewalt: „Sie kommen nach Europa, weil sie Freiheit und Sicherheit und Toleranz suchen. Dafür müssen sich jetzt viele einsetzen“, sagte der Kirchenpräsident. Dazu seien auch gute und verlässliche Strukturen nötig. Debatten darüber, „wie wir uns vor denen schützen können, die Schutz suchen“, seien nicht hilfreich.

Aiman Mazyek: Terroranschläge nicht mit Flüchtlingspolitik vermischen

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, hat vor einer Vermischung der Debatte über die Folgen der Terroranschläge von Paris und der Flüchtlingspolitik gewarnt. „Diese Menschen sind vor Terror geflüchtet, weil sie in Frieden, Sicherheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie in Deutschland leben wollen“, sagte Mazyek der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ (Montagsausgabe). „Sie sind nicht jene, die den Terror in sich tragen.“

Bei der Anschlagsserie in der französischen Hauptstadt am Freitagabend sind laut jüngsten Medienberichten mehr als 130 Menschen getötet worden. Rund 350 Menschen wurden verletzt, viele von ihnen lebensgefährlich. Zu den Angriffen hatte sich im Internet die Terrororganisation »Islamischer Staat“ bekannt.